Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.12.2015


Test

Peugeot 308 macht viele froh

Ein Dreizylinder-Benziner für ein über 4,5 Meter langes Auto? Das geht sich aus, das beweist Peugeot mit dem Kompaktkombi 308 SW auch auf langen Strecken.

Auf 4,59 Meter Länge streckt sich der 308 SW, der sich auf Wunsch recht dynamisch auf Bergstraßen bewegt.

© HöschelerAuf 4,59 Meter Länge streckt sich der 308 SW, der sich auf Wunsch recht dynamisch auf Bergstraßen bewegt.



Von Markus Höscheler

Rioveggio – Recht herausfordernd ist allein die Autobahnverbindung zwischen Bo­logna und Florenz, umrahmt von angenehm harmonisch wirkenden Erhebungen des Apennins. Doch das Kurvengeläuf ist wegen des dichten Verkehrs nicht wirklich die ideale Teststrecke, um dem 308 SW von Peugeot auf den Zahn fühlen zu können. Der provoziert mit Driver Sport Pack (inklusive Sportmodus, direkter Lenkung und einschlägigem Motorklang) sowie 130 PS starkem Dreizylinder-Turbobenzinmotor, als ob es ein Widerspruch wäre.

Nun, diese Gefahr besteht nicht, das lässt sich auf dem Apennin auf kurvenreichen und steilen Bergstraßen rasch herausfinden: Das 1,2-Liter-Aggregat hängt erstaunlich gut am Gas, insbesondere im aktivierten Sportmodus spricht es sehr sensibel an. Ähnliches gilt für die klein ausgefallene Lenkung und für die Sechsstufenautomatik. Diese lässt sich allerdings auf Wunsch manuell via Schaltpaddles überstimmen – was auf Berg- und Talstraßen gelegentlich anzuraten ist. Jedenfalls nimmt der Kompaktkombi der Franzosen die sportliche Herausforderung gerne an und macht nicht schlapp. Auch die Traktion hält für einen Fronttriebler erfreulich lange, ehe das elektronische Stabilitätsprogramm feinfühlig agieren muss.

Trotz seiner Athletik versteht sich der 308 SW zumeist auf Komfort, überfordern will er die Insassen keinesfalls, erst recht nicht den Fahrer. Der muss sich nicht um eine Knöpfe-Schar scheren, denn die meisten Einstellungen erfordern Drückgesten auf dem großzügig geschnittenen, auf der Mittelkonsole platzierten Touchscreen. Die Zweizonen-Klimaanlage hat hier ihre Schaltzentrale, ebenso das Navigationssystem. Die Bedienung erfolgt auf lange Sicht recht eingängig, einziger Störfaktor im bisherigen Dauertest ist die fehlende Memory-Funktion: Beim erneuten Starten des Fahrzeugs merkt sich die Technik leider nicht, an welcher Stelle das Bluetooth-Audiostreaming zuvor sein Ende gefunden hat.

Dabei ist das Langheck im Allgemeinen sehr aufnahmefähig: Es fasst wenigstens 610 Liter im Ladeabteil, bei einfach umgelegten Rücksitzlehnen erhöht sich das Angebot auf 1660 Liter. Auch den erwachsenen Insassen offeriert der 308 SW Kopf- und Beinfreiheit im ausreichenden Maße, trotz des eingebauten Panoramaglasdachs mit beigefügtem Sonnenrollo. Für weiteres Wohlgefühl sorgen Extras wie die beheizbaren Vordersitze, eine brauchbare Rückfahrkamera und die Full-LED-Scheinwerfer. Die, Bestandteil der Allure-Ausstattungslinie, leuchten im Dunkeln sehr hell aus. Lobende Worte finden wir auch für die Einparkhilfe vorne, da die elegant abfallende Motorhaube nicht genügend darüber aufklärt, wo das Fahrzeug seine Begrenzungen hat.

Was die Kosten anbelangt, bewegt sich der Dauertestwagen der Franzosen, bereits auf Mittelklasseniveau: Dank der üppigen Ausstattung sind mehr als 32.000 Euro fällig. Der Betrag inkludiert unter anderem die aufpreispflichtigen 18-Zoll-Alufelgen, die Abdunkelung der hinteren Seitenscheiben (und der Heckscheibe) sowie die Metallic-Lackierung Rubin Rot. Verzichtete der Käufer auf eben dieses Extras, gäbe es den 1.2 PureTech mit 130 PS, Sechsgang-Automatik und Allure-Bestückung ab 28.067 Euro. Weiteres Reduktionspotenzial tut sich auf, wenn der künftige Eigner Abstriche bei der Motorisierung und beim Interieur macht: 17.750 Euro ist der Startpreis für den 82 PS starken Basiswagen. Selbst hier darf sich ein Dreiyzlinder in Szene setzen, mit Verzicht auf künstliche Turbo­beatmung.




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