Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.08.2016


Mercedes

Klassenerhalt auf Jahre gesichert

Die Entscheidung von Mercedes, die E-Klasse mit einem Innovationsmix aus der großen S-Klasse, der kleineren C-Klasse und der eigenen Baureihe zu bedenken, war eine überaus vorausschauende.

Modern gezeichnet, aber nicht übertrieben geschnitten: Die Limousine der E-Klasse strahlt weiterhin hohen Fahrkomfort aus – mit großzügigem Platzangebot.

© HöschelerModern gezeichnet, aber nicht übertrieben geschnitten: Die Limousine der E-Klasse strahlt weiterhin hohen Fahrkomfort aus – mit großzügigem Platzangebot.



Von Markus Höscheler

Haiming – Das Taxi-Gewerbe wäre ohne sie kaum denkbar, die Mercedes-Bilanz eine ärmere, die Firmenhistorie eine reduzierte: Die E-Klasse, angesiedelt in der Oberklasse, gilt seit Jahrzehnten als Fortschrittstreiber in ihrem Segment, auch wenn sie harter Konkurrenz ausgesetzt ist. Audi greift mit dem A6 quasi von links, BMW mit der 5er-Reihe ebenso quasi von rechts an – natürlich frei von politischer Gesinnung. Aus dem höheren Segment locken innovative Errungenschaften, aus dem niederen Segment winkt ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Wettbewerbsdruck war und ist enorm für das prestigeträchtige Volumenmodell der Schwaben. Der Herausforderung stellten sich Techniker und Designer gleichermaßen.

Zur erstgenannten Gruppe zählten unter anderem die Motorenbauer: Die hatten die Aufgabe, dem vielfach gelobten und anfangs gescholtenen 2,1-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel OM651 einen Nachfolger zu bescheren. Das betagte Aggregat, eingeführt vor gut acht Jahren, bestach sofort mit wackerem Drehmoment, kräftigem Durchzug und zurückhaltendem Spritbedarf – die Laufkultur stellte aber nicht immer zufrieden, zudem gab es zu Beginn Probleme mit den Piezo-Injektoren. Diese waren schnell behoben, doch das hinderte die Ingenieure nicht daran, ein neues Aggregat zu entwickeln, das mit etwas weniger Hubraum und verbesserter Technik mehr Leistung, weniger Verbrauch und einen geringeren Ausstoß an Luftschadstoffen versprach. Das Ergebnis ist ein Selbstzünder mit einer Kubatur von annähernd zwei Litern, der in der 220-d-Ausführung immerhin 194 Pferde zu motivieren weiß. Schon bei 1600 Umdrehungen/Minute liegt das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern an, harmonisch von einer treffsicheren Neunstufenautomatik an die Hinterachse weitergeleitet. Mag die E-Klasse früher etwas schwerfällig gewesen sein, nicht gerade freudvoll bei der Lenkung und nicht gerade willig beim Kurvenräubern, so ist der von uns gefahrende E 220 d nahezu das Gegenteil davon. Ohne das Komfort-Erbe seiner Vorgänger zu verraten, bewältigt die 4,92 Meter lange Limousine den Stresstest auf Tiroler Straßen mit Bravour – die gewählte Tieferlegung der Karosserie mit 15 Millimetern und die AMG-Line-Verschärfung dürften hier eine kleine Rolle spielen.

Von den zahlreichen Annehmlichkeiten, die die 71.809-Euro-Limousine bietet, möchten wir an dieser Stelle drei erwähnen: Die erste betrifft das Head-up-Display, das mit einer Fülle von gestochen scharf dargestellten Informationen aufwartet, blickfreundlich projiziert auf die Windschutzscheibe. Die zweite gilt ebenfalls den Anzeigen, in diesem Fall dem breiten digitalen Instrumentarium, verknüpft mit dem Navigationsbildschirm auf der Bildkonsole. Die Menüführung ist zwar konzentrationsintensiv, doch die Informations- und Entertainment-Ausbeute lohnt den Aufwand. Die findet sich auch im dritten Punkt, dem Burmester-Surroundsystem mit raumfüllenden Klängen. Diese dürften inzwischen auch der Konkurrenz zu Ohren gekommen sein.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1950 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 1600 U/min

Leistung: 143 kW/194 PS

L/B/H: 4923/1852/1468 mm

Gewicht: 1680/2320 kg

Kofferraumvolumen: 540 l

Tankinhalt: 66 l

Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h

0–100 km/h: 7,3 Sekunden

Verbrauch: 6,5 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 71.809 Euro

CO2-Emission: 112 g/km