Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Test

So schön darf der Passat nicht sein

Mit einem eleganten fünftürigen Coupé namens Arteon möchte Volkswagen in der Oberklasse mitmischen. Die Technik ist etabliert, die Formensprache für Wolfsburger Verhältnisse äußerst mutig.

Mit dem Arteon hat Volkswagen ein elegantes fünftüriges Coupé kreiert, das bei uns ab 23. Juni am Markt ist und vorläufig ab 42.990 Euro angeboten wird. Im Herbst folgt ein Einstiegsmodell, das noch etwas günstiger sein wird.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Werk</span>

© Mit dem Arteon hat Volkswagen ein elegantes fünftüriges Coupé kreiert, das bei uns ab 23. Juni am Markt ist und vorläufig ab 42.990 Euro angeboten wird. Im Herbst folgt ein Einstiegsmodell, das noch etwas günstiger sein wird.Foto: Werk



Von Markus Höscheler

Hannover – Erneut belegt VW, wie vielseitig einsetzbar der MQB, der so genannte modulare Querbaukasten, ist. Mit der marken- und segmentübergreifenden Fertigungs- und Prozesstechnik lassen sie sich vom Kleinwagen bis zum großen Sport Utility Vehicle abbilden, einer der wenigen Fixpunkte ist die Einbaulage des Motors, eben quer. Derart sind die Aggregate beim Neuling installiert, was somit keine Revolution im technischen Sinne darstellt. Einen Stilbruch verfolgt der Arteon aber mit seiner Außendarstellung und der Gestaltung des Innenraums.

Den Arteon versteht Volkswagen als Gran Turismo – als solcher funktioniert er auf Anhieb: Fußgänger bleiben während der ersten Probefahrt rund um Hannover am Äußeren des 4,86 Meter langen Wagens kleben. Sie sind noch nicht vertraut mit der neuen Volkswagen-Front, die über einen besonders großzügigen Lufteinlass verfügt und großzügig Raum einnimmt. Ab Werk fährt der Arteon mit LED-Scheinwerfern vor, höhere Ausstattungsvarianten vertrauen auf adaptive Varianten derselben. Eine Charakterlinie auf Höhe der Türgriffe umrundet den Arteon, sorgfältig hat das Designteam die Seitenschweller und die Radhäuser gezeichnet. Als Sahnestück verstehen wir die Dachlinie, die in Fastback-Manier abfällt, bis sie den kleinen Heckspoiler erreicht.

Die gewählte Formgebung müsste eigentlich zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Raumangebot führen. Die Sorge ist allerdings unberechtigt. Das Probesitzen im Fond ist für Großgewachsene angenehm, die Kniefreiheit ist dank des langen Radstands von 2,84 Metern (und der damit verbundenen kurzen Überhänge) nahezu perfekt, auch die Kopffreiheit können wir akzeptieren – schließlich zählt noch die Freude, die wir erleben, wenn wir das Haupt Richtung Tür neigen und die rahmenlosen Fenster erblicken.

Die Sehnerven leiten indes weitere positive Signale aus dem Innenraum ins humane Rechenzentrum: Hochwertige Materialien haben sich hier breitgemacht, die Verarbeitung ist so gelungen, als gelte es, der Luxusklasse Konkurrenz zu machen. Hierher verirrt sich der Arteon jedoch nicht, er versteht sich als Grenzgänger zwischen Mittel- und Oberklasse, zumal sein Motorenprogramm sich auf aufgeladene Aggregate mit vier Zylindern beschränkt.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Anfangs sind nur drei zu finden: zwei Zweiliter-Turbodiesel mit 150 und 240 PS – der zweite verfügt gar über zwei Turbolader – und ein Top-Benziner mit zwei Litern Hubraum und 280 PS. Die beiden stärkeren Modelle sind ab Werk mit 4Motion-Allradantrieb bestückt, der Basisdiesel darf sich mit einem Kraftschluss an der Vorderachse begnügen. Selbst das reicht für einen Sprint von null auf 100 km/h in 9,1 Sekunden, für eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h und für einen Normverbrauch von 4,4 Litern je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 114 g/km). Der stärkere Diesel (500 Nm Drehmomentmaximum) erreicht nach 6,5 Sekunden das Landstraßen-Tempolimit, kann sich bis 245 km/h motivieren und verlangt nach 5,9 Litern Treibstoff je 100 Kilometer, natürlich prüfstandsbezogen. Der Benziner ist noch zügiger am Weg, erzielt nach 5,6 Sekunden eine dreistellige Geschwindigkeit und bietet 250 km/h Höchsttempo an. Für 100 Kilometer sind 7,3 Liter Kraftstoffverbrauch ausgewiesen. Zwei weitere Benziner und einen zusätzlichen Diesel wird VW im Herbst nachreichen.

Zum Teil ab Werk, zum Teil gegen Aufpreis ist der Arteon mit einer Fülle von Komfort- und innovativer Sicherheitstechnik bestückt, vorläufig beginnt das Preisgefüge mit 42.990 Euro für den 150-PS-Selbstzünder mit der Grundausstattung Trendline. Die kann sich mit Dreizonen-Klimaautomatik, Chrom- und Klavierlack-Elementen, dem Infotainmentsystem Composition Media samt Acht-Zoll-Touchscreen, einer Doppelkupplung mit sieben Gängen und einer rückmeldungsfreundlichen Progressivlenkung sowie dem Spurhalteassistenten sehen lassen. Der Marktstart erfolgt am 23. Juni.