Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Test

Allrounder, einmal feurig

Der Octavia RS war schon bisher eines der sportlichsten Komplettpakete auf dem Markt. Jetzt bekommt er noch eine Leistungsspritze.

Mehr Power für den tschechischen Allrounder: Der Octavia RS wird ab sofort wahlweise mit 230 oder auch mit 245 PS angeboten.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Werk</span>

© www.skoda-auto.czMehr Power für den tschechischen Allrounder: Der Octavia RS wird ab sofort wahlweise mit 230 oder auch mit 245 PS angeboten.Foto: Werk



Von Stefan Pabeschitz

Rom – In der allgemeinen Wahrnehmung ist der Octavia in etwa ein Golden Retriever in Blech: brav, anspruchslos, familienfreundlich. Er kann aber auch anders. Beachtliche 13 Prozent der Käufer – und damit die Mehrheit aller, die keinen Diesel nehmen – entscheiden sich für die bissige Variante RS. Bisher 230 PS stark und so dezent verpackt, dass selbst der neidigste Nachbar es nicht mitbekommt. Dem im heurigen Frühjahr präsentierten Modellfacelift folgt jetzt ein Update bei der Leistung: Ganz oben legt der RS 245 nach, wobei die Zahl die nunmehrigen PS angibt. Auf dem Auto selbst ist sie nirgends angebracht, dem Skoda-typischen Hang zur Tiefstapelei folgend. Auch sonst bleibt es bei dezenten äußerlichen Insignien der Macht: Kühlergrill und Spiegelkappen in Hochglanz-Schwarz, Voll-LED-Scheinwerfer und -Rücklichter, sogar LED-Nebelscheinwerfer und Kennzeichenbeleuchtung, 19 Zoll Leichtmetallfelgen, Alcantara-Sportsitze mit integrierten Nackenstützen.

Eine liebevoll verfeinerte Auspuffanlage mit reduziertem vorderen Schalldämpfer und zwei Endtöpfen verleiht dem Über-Octavia einen frechen Sound mit Hang zur Rotzig­keit, am besten zu modulieren mit der sechsgängigen Handschaltung. Wie auch der ganze Wagen, der mit manuellem Getriebe seine Qualitäten am besten ausspielen kann. Damit lässt sich das Zusammenspiel aus präzisem Handling, betont direkter Progressiv-Lenkung, in Spur und Dämpfung nochmals überarbeitetem Fahrwerk und der elektronischen Differentialsperre auf unerwartet hohem Niveau dirigieren. Das siebengängige Doppelkupplungsgetriebe ist zwar im Stadtverkehr komfortabler und kann auch über Schaltwippen flink bedient werden – subjektiv nimmt es dem RS 245 aber ein wenig von seiner Schneid. Der Sprint auf hundert ist mit 6,6 Sekunden identisch kurz, abgeriegelt wird bei beiden Getriebearten elektronisch am 250-km/h-Limit. Gelungen ist Skoda auch die weitere Spreizung der auswählbaren Fahrmodi zwischen Komfort und Sport. Dass es sogar ein braves Eco-Programm gibt, darf angesichts der dominanten Leistungsspritze als herzliches Bemühen um politische Korrektheit gewertet werden.

Wer es wirklich ernsthaft sportlich angehen will, kann die Stabilitätskontrolle ESC in zwei Stufen zurückfahren. In der ersten wird die Schlupfregelung ASR ausgeschaltet, was durchdrehende Räder erlaubt. In der zweiten reagiert das ESC weniger sensibel, obwohl es sich – zumindest laut Werksangabe – nicht vollständig ausschalten lässt. Bei welchem Fahrzustand es tatsächlich wieder einhakt, war allerdings nicht feststellbar – selbst üppige Drifts auf der Rennstrecke von Vallelunga bei Rom hat es generös zugelassen. Eine dafür bei einem Vorderradantrieb unerlässliche Vorrichtung wird es wahrscheinlich nur noch bei diesem Octavia geben: Die mechanische Handbremse dürfte beim Modellwechsel auf die nächste Generation wohl durch eine dafür untaugliche elektrische Parkbremse ersetzt werden.

Ähnlich dem VW-Doppel aus Golf GTI und Performance bleibt auch bei Skoda der RS 230 neben dem RS 245 im Programm. Kühle Rechner dürfen in letzterem Fall etwa 100 Euro mehr an motorbezogener Versicherungssteuer pro Jahr kalkulieren, die der Spaß allemal wert ist. Die RS 245-Preisliste startet mit 36.740 Euro für die Limousine mit Handschaltung bei zirka 2800 Euro über dem RS mit 230 Pferden. Für den Kombi kommen noch einmal 660 Euro dazu, die DSG-Auto­matik schlägt sich mit 1480 Euro Aufpreis nieder.

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