Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Test

Antriebe aus eigenem Antrieb

Neue Varianten der 2,0-Liter-Vierzylindermotoren von Jaguar Land Rover ziehen in die Limousinen XF und XE sowie in das SUV F-Pace ein, sowohl Diesel als auch Benziner.

Jaguar XF, XE und F-Pace: ab sofort mit hauseigenen 2,0-Liter-Vierzylindern. Die Diesel und Benziner leisten zwischen 163 und 250 PS.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Werk</span>

© Jaguar XF, XE und F-Pace: ab sofort mit hauseigenen 2,0-Liter-Vierzylindern. Die Diesel und Benziner leisten zwischen 163 und 250 PS.Foto: Werk



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Frankfurt – Jaguar hat sich, im Verein mit Land Rover, innerhalb der vergangenen fünf Jahre zum Big Player in der britischen Autoindustrie entwickelt. Hintergrund ist, abgesehen von den 2008 neu geordneten Besitzverhältnissen (das Unternehmen gehört seither zur indischen Tata-Gruppe), eine geradezu radikale Neuorientierung in Bezug auf Design und Modellprogramm sowie dessen Erweiterung. Dazu gehört Jaguars Einstieg ins SUV-Segment, mit dem F-Pace, der im Vorjahr sein Marktdebut lieferte. Er, „World Car of the Year 2017“, ist treibender Faktor für eine 16-prozentige Absatzsteigerung für die Engländer im vergangenen Fiskaljahr – 1. 4. 2015 – 31. 3. 2016 – gegenüber dem Vorjahres-Vergleichszeitraum. In Zahlen sind das 604.009 Fahrzeuge (Jaguar & Land Rover gemeinsam). In Österreich wurden im Vorjahr 955 JLR-Produkte abgesetzt, heuer soll die Tausender-Marke geknackt werden.

Eine erweiterte Basis dafür ist die Vervollständigung der Motorenpalette. Seit 2015 bauen die Engländer komplett eigenentwickelte 2,0-Liter-Vierzylinder-Aggregate, wofür eigens ein Werk in Wolverhampton gebaut wurde. Es handelt sich um eine modulare Aluminium-Architektur, „Ingenium“ genannt, auf der sowohl Benziner als auch Diesel aufbauen. Diese aus eigenem Antrieb konstruiertem Antriebe zeichnen sich durch Leichtgewichtigkeit und Verbrauchsgenügsamkeit sowie Emissionszurückhaltung aus. Modelldebutant war bei Jaguar der XF, im Zuge des Modellwechsels von 2015. Hier lieferte der Selbstzünder seine ersten Leistungsproben mit 163 und 180 PS.

In der Dieselabteilung legte die Motorensparte von Jaguar Land Rover nun noch ein kräftiges Schäuferl nach: Der Selbstzünder wurde mittels Twinturbo auf 240 PS (unterfüttert von 500 Nm Maximaldrehmoment) gepusht. Erkennbar ist das am Kürzel 25d. Neben Land Rovers neuem Discovery (V) ist ein Großteil der Katzenfamilie Nutznießer des Leistungszuschlags. Das sind XF, XE und F-Pace, die mit dem erweiterten Motorenprogramm gleichzeitig das Modelljahr 2018 einleiten. Gleichzeitig starten in allen drei Baureihen jetzt auch die Ingenium-Benziner-Aggregate. Die weisen in den Technikdaten die Leistungsklassen 200 und 200 PS auf.

Das tun sie aber nicht nur auf dem Papier. Zwischen dem Flughafen Frankfurt und dem Rheingau durften die genannten Kandidaten vorführen, was sie mit der 40-PS-Leistungszugabe beim Diesel anfangen können: auf alle Fälle auf den limitfreien Autobahnabschnitten in Deutschland weit über dem Mittelfeld mitspielen. Dem F-Pace zum Beispiel (den anderen beiden genauso) gereicht der gestärkte Diesel zu sehr flottem und unangestrengtem Antritt, locker bis deutlich über die 200 km/h-Marke. Mit dem 250-PS-Benziner muss man aber ebenso wenig auf der rechten Spur bleiben. Dass alle drei Jags im Verein mit dem gekräftigten Diesel auf hügelig-kurviger Wald- und Wiesenstrecke etwas anfangen können, das war zu erwarten. Ein ausgedehnterer Leistungsbeweis mit steileren Steigungsgraden steht allerdings noch aus, so etwas können nur die Alpen bieten.

Mit denen dürfte eine neue Motorisierungsversion des XE keinerlei Mühe haben: Der V6-Kompressor Benziner hat jetzt 380 PS (bisher: 340 PS.) Nicht nur nach oben, auch nach unten erweitert hat Jaguar zudem die Leistungsabstufungen der Zweiliter-Antriebspalette: Der F-Pace wird ab sofort in einer heckgetriebenen Einstiegsvariante mit 163 Diesel-PS offeriert.

Die Kosten: der XF ab 42.610 Euro, der XE ab 37.760 Euro, der F-Pace ab 46.180 Euro. Alle drei Baureihen sind ab sofort mit den neu eingeführten Motorisierungen zu haben.