Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


BMW 6er GT

Leidenschaft trifft Nutzwert

BMW startet im kleinen Segment der großen Fließhecklimousinen neu durch: 6er GT.

Eleganter als beim Vorgänger 5er GT ist das Fließheck beim 6er GT ausgefallen.

© WerkEleganter als beim Vorgänger 5er GT ist das Fließheck beim 6er GT ausgefallen.



Von Walter Schrott

Lissabon – Der 5er GT war ein Spaltpilz. Viele BMW-Fans konnten mit dem Design nicht viel anfangen, andere wiederum haben das funktionale Konzept der Schräghecklimousine geliebt: Dank der riesigen Heckklappe, die das Fenster mit einschloss, hat der eigenwillige Bayer Cargo-Qualitäten an den Tag gelegt, die einem Kombi ebenbürtig waren. Das hat letztlich zu veritablen Absatzzahlen geführt. Restlos glücklich war man aber bei BMW auch wieder nicht, denn jetzt wird der 5er GT vom 6er Gran Turismo abgelöst. Der basiert technisch zwar weiterhin auf dem 5er, hat aber formal mit dem Vorgänger nichts mehr gemeinsam.

Der Neuling ist in der Länge um 87 Millimeter auf stattliche 5,10 Meter gewachsen und bei unveränderter Breite um 21 Millimeter niedriger geworden. Zugleich hat er satte 150 Kilo abgespeckt. Lange Motorhaube mit breiter BMW-Niere, kurze Überhänge, zurückversetzte Fahrgastzelle, coupéhafte Silhouette, rahmenlose Fenster und ein muskulöses Heck mit dreidimensionalen Leuchten und einem automatisch ausfahrenden Spoiler. So stellt man sich einen BMW vor. Ein echter Hingucker, nach dem man sich nicht nur einmal umdreht. Damit beweisen die Bayern, dass scheinbar Gegensätzliches wie Sportlichkeit, Eleganz und Nutzwert unter einen Hut zu bringen sind. Denn das clevere Raumkonzept ist geblieben.

Die große elektrische Heckklappe schwingt weit auf. Dahinter lassen sich im Normalfall 610 Liter Ladung verstauen. Um 110 Liter mehr als beim Vorgänger. Legt man die Rücksitzlehnen (40:20:40 teilbar) um, dann wächst der Stauraum auf bis zu 1800 Liter. Viel mehr hat ein Kombi auch nicht zu bieten. Dabei ist der 6er GT trotz seiner coupéhaften Anmutung ein echter Fünfsitzer mit maximaler Beinfreiheit auch im Fond.

Das Cockpit neigt sich dem Fahrer zu und ist ergonomisch perfekt. Material- und Verarbeitungsqualität schaffen Premium-Ambiente. Und man darf auf exzellenten Sitzen mit leicht erhöhter Sitzposition Platz nehmen. Das Infotainment-System ist auf dem neuesten Stand und lässt sich per Touchscreen, Controller, Sprach- und Gestensteuerung bedienen.

Serienmäßig fährt der 5er GT mit einer Hinterachs-Luftfederung samt automatischer Niveauregulierung vor, die Komfort mit Fahrdynamik verbindet. Wer sich das adaptive Fahrwerk mit Zweiachs-Luftfederung und dynamischer Dämpferkontrolle gönnt, kann die Bodenfreiheit nicht nur manuell einstellen, sondern im Sportmodus auch sportliche Härte abrufen. Dann wird aus der Reiselimousine ein faszinierender Kurvenräuber. Natürlich hat BMW in den 6er GT bekannte Assistenzsysteme (teils serienmäßig, teils optional) verpackt. Dazu gehören aktive Geschwindigkeitsregelung, Lenk- und Spurführungsassistent, Spurverlassens-, Spurwechsel- und Seitenkollisionswarnung, Ausweichhilfe, Querverkehrs-, Vorfahrt- und Falschfahrwarnung.

Die Motorenfamilie umfasst zunächst vier Triebwerke, alle kombiniert mit der 8-Gang-Automatik Steptronic. Der 630i mit 258 PS kommt mit vier Zylindern aus, alle anderen Triebwerke schöpfen ihre Kraft aus Reihen-Sechszylindern. Das sind der Benziner 640i (340 PS) und die beiden Diesel 630d (265 PS) und 640d (320 PS). Der Allradantrieb xDrive ist beim 640d immer an Bord, optional gibt es ihn beim 640i und beim 630d.

Erste Testkilometer haben uns beeindruckt. Der 6er GT sieht aus wie ein Coupé fährt sich wie ein Sportwagen, bietet den Platz einer Limousine und lässt sich in einen Lademeister verwandeln. So eine Kombination hat ihren Preis. Los geht es mit dem 630i ab 69.650 Euro. Der 640i startet bei 78.350 Euro, der 630d bei 73.150 Euro. Für den 640d xDrive sind mindestens 82.800 Euro fällig.




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