Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.10.2017


VW Tiguan Allspace

Wolfsburgs Verlängerung

Mit mehr Radstand und verlängertem Heck wird der Tiguan Allspace von Volkswagen zum Siebensitzer oder Lademeister.

Mit verlängertem Radstand und Heck wächst der Tiguan zum optional auch siebensitzigen Allspace und das Ladevolumen auf bis zu 1920 Liter.

© Hersteller Mit verlängertem Radstand und Heck wächst der Tiguan zum optional auch siebensitzigen Allspace und das Ladevolumen auf bis zu 1920 Liter.



Von Stefan Pabeschitz

Marseille – Sieben Sitze unter VW-Flagge gab es bisher nur im Touran oder T6. Beim Sexappeal rangiert die Gattung Van allerdings bei vielen Kunden nur knapp vor Kipplastern und Gabelstablern, weswegen das eher Lifestyle-orientierte Klientel sie möglichst ignoriert. Dieser soll es der Tiguan Allspace jetzt aber recht machen: Der in Generation zwei dem Image als Hausfrauen-SUV entwachsene Mittelklasse-Hochsitz hat von VW dafür knapp 11 cm mehr Radstand und insgesamt 21 cm mehr Gesamtlänge verpasst bekommen. Als Gegengewicht zum damit wuchtigeren Karosseriekörper dazu ein maskulineres G’schau, angelehnt an die Frontmaske des größeren US-Verwandten Atlas. Bis zur B-Säule sind alle Tiguane baugleich, dann schlägt sich die Radstand-Spreizung in einer längeren hinteren Tür nieder, das erweiterte Heck wird mit einer geänderten Fensterlinie kaschiert. Insgesamt wirkt der Allspace damit weder klobig noch unproportioniert, sondern sogar schlanker als der etwa gleich große Touareg.

Dank der serienmäßig verbauten, in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank ist der Einstieg zu der mit 665 Euro extra zu bezahlenden Reihe drei komfortabel, auch der Sitzkomfort dort ist gut. VW empfiehlt die Benutzung für Menschen bis 1,60 Meter Körpergröße. Kürzere Strecken sind aber auch mit 1,80 Metern zumutbar – die Einschränkung liegt nicht in der Sitzhöhe, sondern in der Beinfreiheit.

Von den Fahr-Eindrücken unterscheidet sich ein Tiguan Allspace nicht auffallend von einem mit normalem Radstand. Ein etwas ruhigerer Geradeauslauf ist merkbar, bei allzu flottem Kurventempo setzt eher das Gewicht – mit Allrad und Automatik doch deutlich über 1,8 Tonnen – Grenzen, erst in wirklich engen Radien rufen sich die ausladenderen Abmessungen in Erinnerung. Die Charakteristik des Konzern-Allradantriebs, der nach kurzem Schieben über die Vorderachse den Kraftüberschuss zuverlässig zu den hinteren Rädern umleitet, ist ebenso unverändert.

In der Langversion geht das Wolfsburger SUV ab 16. November mit drei Benzinmotoren zu 150, 180 und 220 PS an den Marktstart, dazu stehen drei Varianten des 2-Liter-TDI mit 150, 190 und 240 PS zur Wahl. Die beiden jeweils stärkeren Versionen werden ausschließlich mit Allrad-Antrieb und dem Doppelkupplungs-Getriebe DSG angeboten. Für die 150-PS-Motoren ist die Automatik als Option im Programm, für den Selbstzünder auch der Allrad-Antrieb.

Mit 33.290 Euro liegt das Allspace-Einsteigermodell mit 150-PS-Benziner und Vorderrad-Antrieb gut sechs Tausender über dem gleichbestückten normalen Tiguan. Ein Blick in die Grundausstattungs-Liste korrigiert den Unterschied allerdings um mindestens die Hälfte: Höhergradiges Infotainment-System mit Touchscreen und Gestensteuerung, Bluetooth, USB- und Aux-Anschlüsse, LED-Heckleuchten, variable Rückbank und Spurhalte-Assistent wären im kurzen Tiguan extra. Die Langversion beginnt damit faktisch in einer gehobeneren Kategorie, nur der Tiguan mit kürzerem Radstand ist auch weiterhin in eher magerer Grundausstattung im Angebot.

Weniger günstig geht die Rechenaufgabe wohl im konzerninternen Vergleich zwischen Skoda Kodiaq und Tiguan Allspace aus: Bei praktisch identischen Abmessungen, ähnlichem Ladevolumen und der Sieben-Sitze-Option lockt der tschechische Verwandte in jeweils vergleichbarer, wenn nicht identischer Motorisierung und Ausstattung, doch mit um einige Tausender geringerem Anschaffungspreis.