Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Mini Cooper

Auch im Herzen gereift

Es liegt am Fahrer: Der Mini Cooper S E Countryman kann dank der Kraft zweier Motoren sehr sportlich agieren – aber auch sehr sparsam und zeitweise emissionsfrei.

© HöschelerDie Systemleistung des Mini Cooper S E Countryman beträgt 224 PS, die rein elektrische Reichweite beläuft sich auf bis zu 45 Kilometer.



Von Markus Höscheler

Innsbruck – Die Widersprüche liegen auf der Hand: Für einen Mini ist der Countryman der zweiten Generatio­n eigentlich schon zu groß. Für ein Fahrzeug mit einer Länge von knapp 4,3 Metern ist der Cooper S E Countryman aber eigentlich schon zu schwer: 1,7 Tonnen. Nur zum Vergleich: Der auf Seite 8 besprochene Insignia Grand Sport von Opel ist mehr als einen halben Meter länger, gleichzeitig 200 Kilogramm leichter.

Was den Mini so beschwert, ist vor allem die Antriebstechnik: Er hat zwei Motoren, er hat zwei Kraftstoffspeicher, er hat mehrere Auffüllmöglichkeiten und er verfügt über einen Allradantrieb. Dabei wäre der eingebaute Benzinmotor noch vergleichsweise leicht, denn es handelt sich um einen bloßen Dreizylinder. Für so einen, auch hier steckt wieder eine Art Widerspruch drinnen, ist das Aggregat aber wieder recht groß ausgefallen, wie die 1,5 Liter Hubraum belegen. Dank Turbolader ist dem 136 PS starken Aggregat ein sattes Drehmoment von 220 Newtonmetern ab 1200 Touren zu entlocken.

Das ist gut – aber nicht gut genug: Ein zusätzlich verbauter Elektromotor beschert dem S E Countryman einen zusätzlichen Boost, einen Allradantrieb sowie die Möglichkeit, zeitweise emissionsfrei zu fahren. Boost? Die Kombination aus Benzin- und Elektromotor ergibt eine Systemleistung von 224 PS und ein Systemdrehmoment von 385 Newtonmetern. Wer hier noch zweifelt, sollte mit dem Plug-in-Hybriden einen kurzen Sprint hinlegen – für das Erreichen des Landstraßentempolimits von 100 km/h benötigt der schwere Mini keine sieben Sekunden.

Damit es keine Traktionsverluste gibt, wirken die Aggregate separat auf beide Achsen, denn 385 Nm könnten die Reifen schon in manchen Situationen überfordern, bliebe es bei einem bloßen 2WD. Steigt der Fahrer überlegt aufs Gas, bewegt sich die Fuhre auch für mehrere Dutzend Kilometer rein elektrisch – das kann sich auf Pendelstrecken oder in Ballungsgebieten auszahlen, besonders dann, wenn der Zugang zu Ladesäulen ein einfacher ist. Mit rund 2,5 Stunden Ladezeit muss der Fahrer an der heimischen Steckdose rechnen, bis der 7,6 Kilowattstunden fassende Lithium-Ionen-Akku wieder zu 100 Prozent gefüllt ist.

Im Testbetrieb ließ es sich aber nicht vermeiden, den zweiten Energiespeicher, den 36 Liter fassenden Benzintank, anzuzapfen, um auch längere Strecken zu absolvieren. Der Testverbrauch von 7,5 Litern je 100 Kilometer belegt, dass die sportliche Komponente des kleinen, pardon: großen Briten durchaus ihre Reize hat.

Die sind auch finanzieller Natur: Der Mini Cooper S E Countryman (All4, steht für Allradantrieb) schafft es mit Sonderausstattung, tatsächlich, die 50.000-Euro-Marke zu durchbrechen. So viel Geld für einen Mini? Damit stellt sich einmal mehr ein Widerspruch ein, wenngleich einer, der eine fundierte technische Grundlage und eine üppige Ausstattung (Infotainment, Fahrerassistenzsysteme) umfasst.




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