Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Mustang

Das Pony, das nicht ruhen kann

Ein 422 Pferde entfesselnder V8; ein Heckantrieb, der die Lenkung von störenden Kräften freihält; dazu ein Cabrio-Dach – perfekte Voraussetzungen für den Mustang-Ausritt.

© HöschelerUngestümer Vorwärtsdrang, aber ausreichend Fahrkomfort – der Mustang bewegt sich mit einem V8 im Grenzbereich zwischen Supersportwagen und Gran Turismo.



Von Markus Höscheler

Vigo di Fassa – Das heuer angekündigte Facelift des Pony Cars Mustang macht Appetit, insbesondere die in Aussicht gestellte Leistungssteigerung des verwendeten V8 auf rund 450 PS und die bereits beworbene Zehnstufenautomatik. Aber damit können wir uns erst im nächsten Frühjahr befassen, wenn die Änderungen wirksam werden. Zuvor bot sich der Mustang der aktuellen Generation noch einmal als unverändertes Cabrio für einen Ausflug an, versehen mit dem 422 PS (ausreichend) starken V8 – als Alternative stünde ein nicht ganz so kräftiger 2,3-Liter- Vierzylinder-EcoBoost-Turbobenziner mit 317 PS zur Verfügung.

Auf eine künstliche Beatmungshilfe via Turbolader verzichtet das Fünfliter-Aggregat, das ab 4100 Umdrehungen/Minute ein maximales Drehmoment von 524 Newtonmetern stemmt. Anstelle der Zehnstufenautomatik finden wir hier noch eine Sechsgang­automatik vor, die recht flott agiert, aber wohl nicht mit der Bandbreite des neuen Getriebes wird aufwarten können. Für unsere Belange reichte es dennoch mehr als genug, denn der Mustang musste sich bevorzugt auf Berg- und Talstrecken bewähren, hier Richtung Karersee, also durch die Gemeinden Deutschnofen und Welschnofen, gezähmt von orangen Apparaturen, die am Fahrbahnrand mit fotografischen Aufnahmen von Temposünden drohten.

Die Straße zum Karersee, verbunden mit einem Abstecher ins Fassatal, hat dennoch zwei Vorteile: Sie ist sehr kurvenreich und nicht so stark befahren wie andere Dolomitenstrecken. Hier lässt sich folglich das Kurvenverhalten des 4,78 Meter langen und 1,7 Tonnen schweren Cabrios recht gut erfahren.

Der Amerikaner verzichtet dabei auf jegliche falsche Bescheidenheit – das Aggregat macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar: Es setzt die Gaspedalbefehle willig um, vor allem im manuellen Modus (oder auch im Sportmodus), freut sich hörbar über hohe Drehzahlen und belohnt Beschleunigungswünsche mit einem fast schon haarsträubenden Vorwärtsdrang. Für die Beschleunigung von null auf 100 km/h benötigt der Achtzylinder knapp fünf Sekunden. Dass der Mustang dennoch nicht als superharter Supersportwagen wahrgenommen wird, liegt auch und vor allem an der Karosserie: Es fehlt das tiefe Sitzgefühl, stattdessen kommt eher ein Gran-Turismo-Feeling auf. Und so empfinden wir die Tour mit dem offenen Mustang als eine im Grenzbereich zwischen GT und Supersportwagen, forciert von einer direkt-präzisen Lenkung und einem Fokus auf den Hinterradantrieb. Der Preis für den Fahrspaß in dieser Kategorie hält sich dabei in Grenzen: Der Testwagen ist ausgepreist mit 68.624,64 Euro – ein faires Angebot für Fords Super-Gaul.




Kommentieren


Schlagworte