Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Opel

Prachtvolles von den Geerdeten

Opel, das ewige Sorgenkind, mag die Ausgaben nicht im Griff haben – die Modellpolitik aber beeindruckt: Der Insignia der 2. Generation punktet mit Ausstattung, Verarbeitung, Formensprache und Fahrkomfort.

© HöschelerDer Insignia Grand Sport schmeichelt dem Auge und verführt mit gekonntem Fahrkomfort.



Von Markus Höscheler

See – Es mutet paradox an, was hier passiert. Die Groupe PSA, neue Eigentümerin von Opel, erhöht den Druck auf die Rüsselsheimer, profitabler zu arbeiten. Es ist wahrscheinlich, dass manches Opel-Modell aufgelassen wird oder eine technische Plattform der Franzosen übernehmen wird müssen. Ähnliches ist bereits im Bereich der Sport Utility Vehicles passiert, denn der Crossland X und der Grandland X sind im Prinzip Blaupausen der Groupe PSA.

Wäre auch etwas in die umgekehrte Richtung denkbar? Es ist geboten in der Mittelklasse. Hier hat der Opel Insig­nia vor einem Jahrzehnt eine prägnante Duftmarke gesetzt. Heuer legt die Marke mit der zweiten Generation kräftig nach. Der Insignia Grand Sport, eine Fließhecklimousine, bereichert sein Segment mit einer überzeugenden Mischung aus ansehnlichem Design, gut verarbeitetem Innenraum, technisch hochwertigen Lösungen und passendem Motorenangebot.

Um das zu unterstreichen, reicht schon die Verwendung des 136 PS starken 1,6-Liter-Turbodiesels. Das Aggregat zeigt sich von kultivierter Seite, spricht rasch an, zieht sauber durch, stellt ab 2000 Touren 320 Newtonmeter maximales Drehmoment bereit und verschluckt sich nicht am Treibstoff. Während unseres Tests blieb es durchschnittlich bei 5,2 Litern Diesel je hundert Kilometer – selbst Fahrten ins Paznaun, über den Arlberg und auf die Hinterhornalm konnten ihm die Bilanz nicht vermiesen. Einzig der Vorderradantrieb schien manchmal etwas überfordert zu sein mit dem Kraftangebot, etwa auf aufgebrochenem Asphalt.

Seine Überzeugungskraft entfaltet der neue Insignia Grand Sport nicht nur in fahrerischer Hinsicht, sondern auch im Innenraum. Die Sitze stützen hervorragend ab, die gewählten Materialien sind wertig und gut verarbeitet, dazu kommt noch die überbordende Digitalisierung, die in einem vorzüglichen Head-up-Display, in einem teildigitalen Instrumentarium (Teil des aufpreispflichtigen Technologie-Pakets) und einem Touchscreen auf der Mittelkonsole gipfelt. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Opel die früher geäußerte Kritik aufgenommen hat: Von der einstigen Knöpfe­vielfalt im Vorgänger findet sich im Nachfolger nicht die geringste Spur.

Galt Opel zeitweise als technisch aufholbedürftig, kann dies für den 4,9 Meter langen Insignia Grand Sport ausgeschlossen werden, gegenüber der Konkurrenz schlägt er sich dank seiner technischen Ausstattung mehr als wacker: Die Linie Innovation hat beispielsweise das adaptive Licht­system Matrix-LED an Bord, außerdem gibt es gegen Aufpreis das adaptive FlexRide-Premium-Fahrwerk mit drei Einstellmöglichkeiten.

Kein Extra stellt das serien­mäßige Platzangebot dar. Trotz stark abfallender Dachlinie ist Erwachsenen im Fond ein Sitzplatz mehr als zumutbar, das Ladeabteil bietet zwischen 490 und 1450 Liter Volumen an. In Summe gilt: Schaute sich die Groupe PSA nach einem neuen Mittelklasse-Angebot um – der Insignia diente als Vorbild. Das gilt auch für den Tarif: Mit 136-PS-Diesel gibt es ihn ab 30.630 Euro in der Edition-Ausstattung, mit Basisbenziner sogar schon ab 26.990 Eur­o in der Basisausstattung.




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