Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.12.2017


Test

Kein Rombo, kein Brennero, ein Stelvio

Das Sport Utility Vehicle von Alfa Romeo bereitet nicht nur Alpenkennern eine Freude, sondern auch seinen Insassen – dank eines kräftigen Motors, einer direkt-präzisen Lenkung und eines feinen Fahrwerks.

© HöschelerEin SUV im Midsize-Bereich: Der 4,69 Meter lange Wagen hat Platz für fünf Insassen und ein 525 Liter fassendes Ladeabteil.



Von Markus Höscheler

St. Anton – Es gibt einen Fahrzeughersteller, der bevorzugt für seine Modelle die Namen von Kampfstieren; ein anderer bedenkt seine Fahrzeuge mit Namen von Städten; ein weiterer nimmt sich gelegentlich, aber nicht immer, Anleihen aus der Geographie. Ähnlich verhält sich die Fiat-Tochtermarke Alfa Romeo. Die Italiener tauften ihren flotten Kleinwagen auf MiTo, ein Kunstwort, das sich auf die italienischen Großstädte Mailand (Milano) und Turin (Torino) bezieht. Beide Metropolen liegen recht nah an den Alpen – und dort wurde Alfa Romeo wieder fündig. Allerdings vermied man einen Mix aus mehreren Siedlungsnamen, sondern griff sich einfach Stelvio heraus. Der Name steht für das Stilfser Joch, und der ist unter passionierten Autofahrern mehr als ein Begriff: Der 2757 Meter hohe Gebirgspass stellt immerzu eine Herausforderung an Fahrzeuge und (Mit-)Fahrer dar, insofern symbolisiert der Stelvio geradewegs den Ehrgeiz Alfa Romeos, ein besonders dynamisches Sport Utility Vehicle auf vier Räder zu stellen.

Nun sind sehr schnelle und sehr wendige, also kurvenreiche SUV keine Rarität mehr, dennoch erfreut es und überrascht es immer noch, wenn ein hochbeiniges Modell im rasant durchfahrenen Kurvengeläuf den Fliehkräften trotzt. Und in der Tat ist das 4,69 Meter lange Fabrikat von Alfa Romeo eines, das hier keinen Vergleich zu scheuen braucht. Dies gilt in jedem Fall für jene Variante, die mit einem 2,1 Liter Hubraum fassenden Vierzylinder-Turbodiesel bestückt ist, der 210 Pferde mobilisiert und bis zu 470 Newtonmeter Drehmoment stemmen kann, dies bereits ab 1750 Umdrehungen/Minute. In Verbindung mit einem heckorientierten Allradantrieb, einer zackig schaltenden Achtgangautomatik, einer superdirekten Lenkung und einem passabel abgestimmten Fahrwerk lädt der Stelvio dazu ein, Gebirgspässe aller Art zu durchfahren.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2143 ccm

Drehmoment: 470 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 154 kW/210 PS

L/B/H: 4687/1903/1671 mm

Gewicht: 1659/2330 kg

Kofferraumvolumen: 525–1600 l

Tankinhalt: 64 l

Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h

0–100 km/h: 6,6 Sekunden

Verbrauch: 7,5 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 63.192,70 Euro

CO2-Emission: 127 g/km

Tiefe Tuben säumen das Info-Display, das in digitaler Form wesentliche Bordcomputer-Daten liefert.
- Höscheler

Anfangs mag die nicht so optimale Dämmung des (kalt) rau klingenden Aggregats die Freude etwas trüben, später wird davon praktisch nichts mehr wahrgenommen. Das liegt nicht nur an den dynamischen Qualitäten des Modells, sondern auch an der Materialgüte und am Umfang der Innenausstattung – die natürlich ihren Preis hat, wenn sich der Kunde für ein Equipment entscheidet, das unserem Testwagen entspricht: Stelvio Super mitsamt Extras im Wert von 11.442,70 Euro. Das meiste davon ist durchaus zu empfehlen: So verleihen die 19-Zoll-Alufelgen im Zehn-Speichen-Look dem Stelvio-Auftritt eine zusätzliche Eleganz; die Grigio-Vesuvio-Sonderlackierung widerspricht dem Alfa-typischen Rotton; das Lusso-Paket-Eichenholz bereitet mit Lederpolsterung (Pieno fiore), Sportlederlenkrad, Lenkradheizung, Sieben-Zoll-TFT-Instrumentenanzeige und elektrischer Sitzverstellung Luxus-Atmosphäre; und das Navigationssystem Alfa Connect 3D Nav 8,8’’ reduziert das Risiko, zu viel Zeit mit der Zielsuche zu vergeuden. Anderes wiederum mag entbehrlich sein, etwa das zweigeteilte Glasschiebedach und die schwarzen Bremssättel, hilfreich jedoch ist das Fahrassistenz-Paket plus, das mit Parksensoren vorne wie hinten, einem Totwinkel-Assistenten, einer Rückfahrkamera und einem automatischen Fernlichtassistenten seine Existenzberechtigung demonstriert.

Nicht zu vergessen ist, dass schon die Serienausstattung des Stelvio Super Annehmlichkeiten wie eine Zweizonen-Klimaautomatik, einen Frontkollisionswarner mit Notbremsfunktion, einen Spurhalteassistenten und eine Bergabfahrhilfe mit sich bringt. Schon ohne Extras sind dafür 51.750 Euro fällig. Günstiger geht es mit einem reinen Hecktriebler, der mit einem auf 150 PS gedrosselten 2,1-Liter-Selbstzünder und weniger Ausstattung bestückt ist: ab 42.450 Euro. Es bleibt zu hoffen, dass der gelungene Stelvio nur der Auftakt für eine Alfa-SUV-Offensive darstellt. Passnamen mit Tirol-/Südtirol-Bezug gibt es noch genug, natürlich in italienischer Übersetzung: Das Timmelsjoch (Rombo) oder der Brenner liefern Vorlagen.




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