Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.02.2018


Test

Platz ist in der kleinsten Nische

Die weiß-blaue X-Familie bekommt Nachwuchs. BMW schickt im März den betont sportlichen X2 als rassiges SUV-Coupé ins Rennen und füllt damit das nächste Marktsegment.

© WerkMit dem X1 ist BMW schon sehr erfolgreich im Revier kompakter Sport Utility Vehicles unterwegs – die coupéartige Ableitung X2 dürfte neue Begehrlichkeiten wecken.



Von Walter Schrott

Lissabon – Da ist das halbe Dutzend voll. Die X-Modelle von BMW sind gefragt. Besonders der X1, der sich hierzulande zum Topseller der Marke gemausert hat. Jetzt folgt der nächste Streich. Der X2 steht bereit und damit wächst die X-Familie auf sechs Mitglieder.

Schon auf den ersten Blick wird klar, was BMW da im Schilde führt. Ist der X1 eher der Familienfreund, so schlüpft der X2 in die Rolle des Verführers, der die junge und jung gebliebene Klientel im Visier hat. Als SUV-Coupé lockt er mit ausgesprochen expressivem Auftritt. Er nutzt dieselbe Plattform, ist aber kürzer und gleich um sieben Zentimeter flacher als der Bruder. Die extrem kurzen Überhänge, die coupéhafte Dachlinie und schmale Seitenfenster sorgen für optische Dynamik und suggerieren Vorwärtsdrang, auch wenn der aufregende Bayer noch mit angezogener Handbremse am Straßenrand steht. Sportliche Würze sind zudem die markentypische Doppelniere, die erstmals bei einem BMW-Modell unten breiter ist als oben, die großen Lufteinlässe an der Front, die markanten Scheinwerfer. Das BMW-Emblem an der C-Säule erinnert an die Coupé-Klassiker aus den 1970ern. Das knackige, kantige Heck samt Dachkantenspoiler und – je nach Modell – einem oder zwei Abgas-Endrohren hebt sich von der aktuellen BMW-DNA deutlich ab.

Wer befürchtet, dass die sportliche Ausrichtung Enge im Innenraum bescheren könnte, kann beruhigt werden. Der X2 teilt sich den Radstand mit dem X1 und bietet im Hinterstübchen überraschend viel Beinfreiheit. Lediglich die Kopffreiheit im Fond ist nicht so üppig ausgefallen. Beim Kofferraumvolumen (470 bis 1355 Liter) kommt der X2 naturgemäß nicht an den Plattform-Bruder heran. Ansonsten präsentiert sich das Interieur, das größtenteils mit dem des X1 identisch ist, in bester BMW-Manier. Exzellente Sitze, ein sportlich-elegantes Cockpit und die mustergültige Ergonomie sorgen für hohen Wohlfühlfaktor. Optional gibt es ein farbiges Head-up-Display. Das Bedienkonzept setzt Maßstäbe und garantiert via iDrive Controller sowie Touch- und Sprachsteuerung optimale Konnektivität.

Unter der Haube schnurren zum Marktstart ein Benziner mit 192 PS und zwei Diesel (190 und 231 PS), beides Zweiliter-Vierzylinder. Beim Ottomotor besorgt die bekannte 7-Gang-Steptronic mit Doppelkupplung die Kraftübertragung, die Selbstzünder sind serienmäßig mit dem intelligenten Allradantrieb xDrive und einer 8-Gang-Steptronic bestückt. Ein 140-PS-Benziner und ein 150-PS-Diesel folgen. Eine M-Version wird vermutlich nicht lange auf sich warten lassen.

Das erste Rendezvous mit dem rassigen Bayern hat uns jede Menge Spaß bereitet. Die kurvigen Straßen rund um das Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes, sind die geeignete Spielwiese dafür. Der X2 – zumal mit dem optional erhältlichen, straff gefederten und tiefergelegten M-Sportfahrwerk bzw. der dynamischen Dämpferkontrolle – spielt im Kurvenreich seine fahrdynamischen Qualitäten voll aus. Extrem stabil und ohne geringsten seitlichen Knicks tanzt er durch die Radien. Mit adrenalinverdächtigen Kurvengeschwindigkeiten. Immer wacht eine ganze Truppe von Assistenzsystemen über die Sicherheit. Immer an Bord ist der Fahrerlebnisschalter, mit dem sich die Einstellungen Comfort, Eco Pro und Sport abrufen lassen. Wobei der X2 im Sportmodus mit strafferer Lenkung und akkurater Gasannahme unterwegs ist.

Verkaufsstart ist im März. Preislich geht es bei 34.700 Euro los, das obere Ende liegt bei 46.100 Euro.




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