Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 15.04.2018


Mercedes-Benz

Die E-Klasse gewinnt Abstand

Als hätte Mercedes-Benz nicht genügend Geländegängiges zu bieten, bemüht sie seit knapp einem Jahr sogar eine adaptierte Variante des Oberklasse-Kombis um die Gunst der Kundschaft.

© Etwas mehr Bodenfreiheit, eine robuste optische Ausstrahlung und ein Unterfahrschutz verwandeln das T-Modell der E-Klasse in einen Langheck-Offroader namens All-Terrain.Foto: Höscheler



Von Markus Höscheler

Mühlbachl – Daimler, das sollte spätestens jetzt klar sein, will überall mitspielen. Die Stuttgarter schielen nahezu auf jedes Segment, erst recht auf jede Ertrag versprechende Nische. Dass sie gute Kaufleute und gute Autobauer sind, brauchen die Schwaben nicht zu beweisen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wächst und gedeiht der Fahrzeughersteller, überlebte einige Fährnisse, darunter auch die misslungene „Hochzeit im Himmel“ mit Chrysler.

Von diesem gewagten Experiment (Welt AG) hat sich das Unternehmen nicht nur erholt, es hat sich zum richtigen Überflieger entwickelt. Jahrelang von der BMW Group im Premium-Bereich geschlagen und von Audi bedrängt gibt nun Daimler/Mercedes-Benz den Ton an. Die Wachstumszahlen sind enorm, die Profitabilität stimmt, das Fahrzeugsortiment ist extrem breit – und wird noch breiter. Allein im Bereich von geländegängigen Modellen tummeln sich kompakte Hochbauten wie der GLA, Offroad-Klassiker wie die G-Klasse und optische Wagnisse wie das GLC Coupé (siehe Bericht unten). Seit dem Vorjahr ist Mercedes um ein Nischenangebot reicher: um einen Offroad-Kombi. Den stellt die E-Klasse, die sich mit einer leicht erhöhten Bodenfreiheit, einer Rundum-Beplankung aus Kunststoff und Unterfahrschutz vom gewöhnlichen T-Modell unterscheidet. Zwar kann der Basis-Kombi mit 4Matic-Allradantrieb schon einige Hindernisse überwinden, insbesondere bei miesen Fahrbedingungen brillieren. Der All-Terrain kann dies aber noch etwas besser, insbesondere auch abseits der Straßen. Ganz für den Hardcore-Einsatz ist das Produkt aber dann doch nicht gedacht, denn aller robusten Optik zum Trotz setzt auch die E-Klasse All-Terrain auf viel Komfort im Innenraum. Der Testwagen E 220d verwöhnte die Insassen mit einem ausgezeichneten Platzangebot, außerdem mit einem großzügig bemessenen Ladeabteil, das 670 Liter netto und 1820 Liter brutto offeriert. Das digitale Instrumentarium besticht mit hoher Auflösung und Breitenwirkung, das Head-up-Display unterstützt beim konzentrierten Fahren, die Burmester-Soundanlage verwöhnt mit erstklassiger Beschallung. Nappa-Leder und Panorama-Glasschiebedach zeugen von hoher Materialgüte und guter Verarbeitung.

Nicht gespart hat Mercedes außerdem beim Motor: Der noch ganz frische Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel ist seinem direkten Vorgänger in puncto Laufkultur überlegen, ebenso leicht in der Kraftentfaltung: 194 Pferdestärken stehen parat, außerdem gibt es ab 1600 Umdrehungen/Minute ein zweckdienliches Drehmomentmaximum von 400 Newtonmetern. Damit lässt sich der 1,9 Tonnen schwere Benz in 8,0 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen. Im TT-Test benötigte der souverän zu fahrende und 93.126,14 Euro kostende All-Terrain durchschnittlich 7,2 Liter Treibstoff je 100 Kilometer.




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