Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.04.2018


VW

Auf den Spuren des Weihrauchs

Die VW-Amarok-Adventure-Tour 2018 führte im Sultanat Oman 850 Kilometer durch pittoreske Berglandschaften und endlose Sandwüsten. Ein Härtetest der besonderen Art.

© SchrottFür anspruchsvolle Aufgaben geeignet ist der Pick-up von Volkswagen, der Amarok.



Von Walter Schrott

Muscat – Seinen Namen hat der VW Amarok von den Eskimos. In deren Mythologie ist er ein wolfsähnliches Wesen. Bei der Amarok-Adventure-Tour, die durch das Sultanat Oman führte, hat er sich in einen Wüstenfuchs verwandelt. Die TT war mit von der Partie durchs Weihrauchland.

Start in der Hauptstadt Muscat, Richtung Südost. Asphaltstraßen enden bald, wenn man ins Hadjar-Gebirge will. Vom Arabischen Meer geht es auf steilen Schotterwegen in die Shir-Hochebene, wo auf 1800 Metern 3500 Jahre alte und erst 1993 entdeckte Grabtürme unsere Nachtwachen sind. Die Sonne versinkt am Horizont. Höchste Zeit, die Zelte aufzubauen, denn die Dunkelheit senkt sich herab auf das raue Land. Zeit noch für ein gemütliches Bierchen am Lagerfeuer? Lagerfeuer geht, Bier leider nicht. Die omanischen Gesetze verbieten Alkohol grundsätzlich, vor allem aber in der Öffentlichkeit. Und weil schales Wasser kein Stimmungsmacher ist, der Wind bläst und das Thermometer gegen fünf Grad sinkt, halten wir es mit den Hühnern und schlüpfen früh in die Zelte. Was für Karin Angerer, VW-Pressesprecherin bei Porsche Austria, ein Nervenkitzel ist. Sie fürchtet, dass sich nächtens ein Skorpion oder gar eine Schlange in ihr Stoffdomizil verirren könnte.

Die VW-Amarok-Adventure-Tour 2018 führte im Sultanat Oman 850 Kilometer durch pittoreske Berglandschaften und endlose Sandwüsten.
- Schrott

Auf Saumpfaden geht es tags darauf talwärts. Durch wilde Schluchten und trockene Wadis, an deren Rändern sich spärliche Vegetation gegen Hitze und Trockenheit stemmt. Und überall glaubt man den mystisch-würzigen Duft des begehrten Baumharzes zu riechen, das dem Oman einst sagenhaften Reichtum und den Beinamen Weihrauchland beschert hat. Dann tauchen wir in das endlose Sandmeer ein. „In der Wüste kann man sich nur einmal verirren“, sagen die Nomaden. Diese unheilschwangere Erkenntnis hat keine Gültigkeit mehr. Dank GPS weiß man immer, wo man sich befindet und wohin man muss. Wenn da nicht bis zu 200 Meter hohe Dünen den Weg versperren würden. Kamele, die Schiffe der Wüste, haben damit keine Probleme. Wir aber auch nicht, denn auf unseren Wüstenschiffen steht Amarok.

Der Pick-up von Volkswagen ist der gute Kumpel für solche Touren. Mit robustem Leiterrahmen, Allradantrieb, Untersetzungsgetriebe und diversen Sperren extrem geländegängig und zuverlässig wie eine Schweizer Uhr. Aber es erfordert den richtigen Umgang mit Gaspedal und Lenkung und oft auch ein Quäntchen Glück, wenn es gilt, die Dünen zu bezwingen. Luftdruck in den Reifen reduzieren, und ab in den großen Sandkasten. Wer dabei das Drehmoment vernachlässigt und dann zu spät und zu heftig aufs Gas steigt, hat Pech. Das Auto gräbt sich bis zur Bodenplatte ein.

Der Amarok hat sich in Österreich vom Start weg zur Nummer eins in seinem Segment katapultiert und zwischendurch mit dem Ford Ranger um diese Position duelliert. Aktuell hat er die Nase wieder ganz vorn. Seit der Premiere 2010 konnten weltweit 500.000 Stück abgesetzt werden. Im Vorjahr waren es 80.400. Und die Nachfrage ist ungebrochen, die heurige Jahresproduktion ist bereits ausverkauft. Der Doppelkabiner mit wahlweise 163, 204 und 224 PS ist mit Heckantrieb, zuschaltbarem oder permanentem Allradantrieb lieferbar. Motorischer Nachschub ist in Sicht: Ein 3.0-V6-Turbodiesel mit 258 PS und 580 Newtonmeter Drehmoment liefert Schub ohne Ende und ist kombiniert mit einer 8-Gang-Automatik. Und die hat keiner der Konkurrenten.

Unser Oman-Abenteuer neigt sich dem Ende zu. Nach 850 Kilometern, davon 600 abseits fester Straßen, tauchen die Minarette von Muscat am Horizont auf. Alle zehn Amarkos trotz extremer Belastung im Ziel. Mit einigen Blessuren am Blechkleid zwar, aber ohne geringste technische Probleme. Und weil die omanische Obrigkeit auf Tourismus setzt und deshalb alkoholtechnisch doch ein Schlupfloch offen lässt, wissen wir, dass das Nobelhotel Grand Hyatt diesbezüglich eine Oase ist. Wir wechseln die Teesorte. Statt Minztee gibt’s frisch gezapften „Hopfenblütentee“. Was meinem Kollegen Andi einen breiten Grinser ins staubige Gesicht zaubert. Den Durst kann man damit stillen, die Abenteuerlust, die VW mit der Wüstentour in uns entfacht hat, aber nicht.

Bei der Amarok-Adventure-Tour, die durch das Sultanat Oman führte, hat er sich in einen Wüstenfuchs verwandelt.
- Schrott



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