Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.04.2018


Test

Saubermann trägt Designermode

Mit der zweiten Generation seines erfolgreichen Elektroautos Leaf bietet Nissan jetzt deutlich mehr Reichweite und setzt zudem auch starke Design-Akzente.

© HerstellerMit mehr Reichweite und attraktiver Formensprache tritt der Leaf der zweiten Generation auf.



Von Walter Schrott

Frankfurt – Als Nissan 2010 sein erstes Elektroauto Leaf auf die Straßen schickte, stand Vernunft im Vordergrund. Das drollige Design war nicht unbedingt jedermanns Sache, wiewohl es quasi das Etikett für die innovative Technik war. Mittlerweile haben die Japaner aber kapiert, dass man Vernunft auch attraktiver verpacken kann. Und muss, denn nach wie vor ist das Design ein wichtiges Kriterium, wenn man die breite Masse locken möchte.

Die zweite Generation des weltweit meistverkauften Stromers – rund 300.000 Stück konnten bislang abgesetzt werden – kommt ganz anders als der Vorgänger daher. Mit der gepfeilten Frontpartie samt schmalen LED-Scheinwerfern greift der Japaner die Familien-DNA auf, die dynamische Seitenlinie und das knackige Heck komplettieren den eindrucksvollen Auftritt. Rundum gelungen, dieses neue Design. Auch das Cockpit wurde entrümpelt und bedienungsfreundlicher gestaltet. Das digitale Kombi-Instrument liefert alle wichtigen Daten direkt ins Blickfeld des Fahrers. Umfassende Vernetzung gibt es via Apple CarPlay und Android Auto.

An den Dimensionen hat sich so gut wie nichts geändert. Mit 4,50 Metern Länge ist der Leaf im Club der Kompakten angesiedelt. Staunen darf man über sein Ladevolumen. Trotz des Platzbedarfes der Batterien, die zwischen Vorder- und Hinterachse im Unterboden untergebracht sind, schluckt der Fünftürer zwischen 435 und 1170 Liter Ladung und übertrifft damit alle seine Konkurrenten und sogar den einen oder anderen SUV.

Gemessen wird der Leaf aber vor allem an seiner Technik. Die Reichweite ist nach wie vor der Knackpunkt bei Elektromobilen. Und da hat Nissan ganze Arbeit geleistet. Musste der Vorgänger bereits nach maximal 200 Kilometern an die Steckdose, so rollt der neue Leaf bei optimalen Bedingungen mit einer Ladung bis zu 400 Kilometer weit. Der neue europäische Fahrzyklus (NEFZ) bescheinigt 387 Kilometer, in der Praxis dürften es 280 bis 300 Kilometer sein. Das ermöglicht die neue Batterie, die zwar nicht größer, aber deutlich stärker geworden ist. 40 kWh liefern den „Saft“ für den 110 kW (150 PS) starken Elektromotor. Und damit geht der Leaf ab wie ein Zäpfchen. Aus dem Stand und ohne geringstes Leistungsloch sprintet er in 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Bei 145 km/h ist generell Schluss. An der Schnellladestation kann die Batterie in 40 bis 60 Minuten auf 80 Prozent ihrer Kapazität geladen werden. An der Wallbox in der Garage dauert die Vollladung 8,5 Stunden. Und wer nur die gute alte Steckdose zur Verfügung hat, muss mit 17 Stunden Ladezeit rechnen.

Aber Nissan setzt mit dem neuen E-Pedal noch eins drauf. Damit gibt man nicht nur Gas, sondern bremst auch, indem man den Fuß einfach vom Pedal nimmt. Was anfangs gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als feine Sache, man dirigiert das Auto über weite Strecken nur mit einem Pedal. Das „echte“ Bremspedal ist zwar noch vorhanden, wird aber eher selten – etwa bei Notfällen – zu Hilfe gebeten.

Die erste Ausfahrt hat uns voll überzeugt. Von gemütlich bis sportlich lässt sich der Leaf bewegen. Mit seiner akkuraten Elektro-Power stellt er so manchen PS-Riesen in den Schatten, wenn die Ampel grün wird. Und es tut dem Umweltgewissen gut, wenn man fast lautlos und emissionsfrei durch die Gegend gleitet. Der Parade-Stromer wird in vier Ausstattungsvarianten angeboten. Die Preisliste startet bei 30.950 Euro (Visia), für das lückenlos ausgestattete Topmodell Tekna sind 39.850 Euro fällig. Und großer Erfolg kündigt sich an. In Österreich wurden vom neuen Modell bereits 1000 Stück geordert.