Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


Test

Jeep-Legende ins Heute interpretiert

Der neue Jeep Compass bereichert das Segment der Kompakt-SUV. Neben Geländekompetenz überzeugt der Italo-Amerikaner mit modernster Technik und dem eleganten Auftritt eines kleinen Grand Cherokee.

© Reinhard FellnerDer neue Jeep Compass vereint das Idealmaß eines 4,4-Meter-SUV mit Optikanleihen an den Grand Cherokee.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Jeep zählt zu den traditionsreichsten Geländewagenmarken der Welt. Seit 76 Jahren beschäftigen sich die Amerikaner nun schon mit Allrad, Stock und Stein. Durch die Übernahme durch den Fiat-FCA-Konzern konnte Jeep zuletzt auch technologisch wiederum zur Premium-Klasse aufschließen. Dazu kamen europataugliche Modelle wie der Renegade oder nun der brandneue Compass, der mit 4,4 Metern praktisch ein Idealmaß im SUV-Kompakt-Segment darstellt.

Bei der Modellentwicklung wählte FCA den Idealweg. So trägt der Compass unverwechselbare Designanleihen vom Grand Cherokee. Dies macht den Neuen elegant und doch knackig und modern. Bravo Jeep! Schon lange nicht mehr ein so fesches SUV gesehen. Etliche Passanten drückten sich wohl deshalb am TT-Testwagen die Nase platt.

Der Blick nach innen hat sich übrigens gelohnt. Hochwertige Materialien vereinen sich mit gelungenem Design. Dazu passen Sitzkomfort- und position. Auch das hochmoderne Sieben-Zoll-Multimedia-System ist eine Freude. Einzig an Ablagen fehlt es dem Compass ein wenig. Das Handy parkt stehend vorne an der Mittelkonsole. Der Kofferraum gehört mit 438 Litern in Normalstellung nicht zu den Raumwundern, ist aber optimal geschnitten und offenbart nach Entfernung der Laderaumabdeckung ein regelrechtes Kellerabteil. Ansonsten alles top bei der Karosserie. Wirkt gut verarbeitet und offenbart auch im Detail Geländewagenkompetenz. Dazu ist Jeep aber voll in der Gegenwart angekommen. Zahlreiche Assistenzsysteme sind bereits serienmäßig.

Dazu gelang in der Abstimmung der Komponenten eine Meisterleistung.

Der aus dem Fiat 500X entliehene 140-PS-Diesel des Testwagens präsentiert sich im Compass kultiviert und wirkungsvoll gedämmt. Die optional erhältliche Neun-Gang-Automatik (3200 Euro) sortiert die Gänge schnell und gekonnt und lässt den Diesel auf einer Dauerdrehmomentwelle von 350 Newtonmetern surfen. Der stets passende Gang lässt den Zweiliter-Diesel so recht selten hoch drehen. Trotzdem verlangen Kompakt-SUV wegen ihres hohen Aufbaus und des erhöhten Rollwiderstandes durchwegs einen Verbrauchsaufschlag zu einem vergleichbaren Kombi. Im TT-Praxistest bewegten wir den Compass artgerecht mit rund acht Litern Diesel.

Weit mehr überraschend die Fahrwerksabstimmung des Jeeps. So ist er einer der wenigen Kompakt-SUV, der das Komfortfach überzeugend beherrscht. Kurze Stöße teilt er im Gegensatz zur Konkurrenz kaum aus. Dabei lässt sich der Compass aber auch betont wendig und auch zielgenau durch die Kurven schlängeln. Das macht mitsamt der guten Übersicht Spaß. Die rührt auch von einer Bodenfreiheit von 215 Millimetern und sorgt nicht nur für bequemen Einstieg, sondern auch für Geländegängigkeit.

Allein schon das Selec-Terrain-Allradsystem unterscheidet den Jeep von vielen Schönwetter-SUV. Hier lässt sich über das elektronische System der Allrad nicht nur sperren, sondern bietet Spezialprogramme für Schnee, Sand, Fels und Matsch. Wer es extremer braucht, wählt den „Trailhawk“ mit Kriechgang.

Insgesamt ergibt der Compass das runde Bild eines sehr kompetenten SUV. Erfreuliches kommt zum Schluss noch dazu: Vier Jahre Garantie und fünf Sterne im Crash-Test. Preislich macht Jeep derzeit Angebote. 22.990 Euro oder 109 Euro Leasingrate mtl. für den 140-PS-Fronttriebler in „Sport“-Version. Für übrige Versionen gibt es dazu 2750 Euro Preisnachlass.




Kommentieren


Schlagworte