Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Test

Ferrari 488 Pista: Mit heißen Grüßen von der Piste

Der Ferrari 488 Pista macht klar, wo bei den Supersportwagen derzeit der Hammer hängt.

© WerkPisten-Gaudi der anderen Art: Im Ferrari 488 Pista ist alles verbaut, was es zum schnellen Leben am Limit braucht, und schön ist er auch noch.



Von Stefan Pabeschitz

Maranello – Am ehesten verdeutlichen vielleicht diese beiden Extreme, wie weit die Talente von Ferrari gestreut sind: Auf der hauseigenen Rennstrecke in Fiorano trumpft der 488 Pista als stärkster Achtzylinder der Markengeschichte mit atemberaubender Hightech-Konzentration auf. Am Beginn der Start-Ziel-Geraden wird aber das Gas gelüpft – wegen einer dort positionierten Sonde zur Lärm-Messung, von der Stadt angebracht, die mittlerweile um den einst auf grüner Wiese errichteten Rundkurs gewachsen ist. Also perfektes Ingenieurswesen und natürliches Improvisationstalent: Die Kombination dieser beiden Qualitäten lässt das springende Pferd derzeit auf und davon galoppieren – im technischen Standard ebenso, wie in der Kundengunst.

Der 488 Pista ist somit ein weiterer Dorn in der Seite der Mitbewerber von Lamborghini, McLaren, AMG-Mercedes oder auch Porsche: Der derzeit neidlos beste Supersportwagen der Welt kommt aus Maranello und hat sich dieses Prädikat mit der Schärfung aller ohnehin schon guten Eigenschaften des 488 GTB und der Verbesserung zahlloser Details erarbeitet. Den Zuwachs von 50 PS etwa erkaufen sich andere mit einem schnöden Software-Update – Ferraris Ansprüche geboten dagegen, praktisch jeden Bestandteil des Hochleistungsmotors noch einmal auf Verbessungspotenzial zu prüfen. Getroffen hat es unter anderem Ansaugtrakt, Auspuffkrümmer, Turbolader, Kolben, Pleuel, Kurbelwelle und Schwungmasse. Die Maschine hat jetzt nicht nur mehr Power und spricht rascher an, sie ist nebenbei auch um satte 18 Kilo leichter geworden. Weitere 72 Kilo Gewichtsersparnis waren in der Karosserie zu finden, hauptsächlich durch die verschwenderische Anwendung von Karbon und leichteren Technik-Komponenten, wie Motor- und Ladeluftkühlern – die ganz nebenbei auch noch gegenläufig wie bisher montiert wurden, der ebenfalls großzügig optimierten Aerodynamik geschuldet.

Die schiere Beschleunigung von 2,85 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h lässt sich eventuell so beschreiben: Es läuft etwa so abrupt ab, wie wenn man mit hundert in eine Wand kracht – nur in der Gegenrichtung. Die 720 PS und 770 Newtonmeter vergreifen sich mit der Gewalt eines Raketenstarts an den nicht einmal 1,3 Tonnen Leergewicht des 488 Pista. 4,75 Sekunden vergehen zwischen erstem und zweitem Hunderter, für den dritten war nicht die Zeit, aber die Gerade in Fiorano zu kurz. Dazu kommen rabiat zupackende Karbon-Keramik-Bremsen – wieder so ein Gegen-die-Wand-Erlebnis, nur diesmal in korrekter Abfolge – und ein Reaktionsvermögen des Autos, das überraschend hoch dem des 488 GTB und teilweise weit jenseits des Fassungsvermögens eines Menschen liegt. Trotzdem macht der 488 Pista keine Angst – im Gegenteil! Er vermittelt mit seiner unglaublichen Direktheit, Präzision und Agilität das Sicherheitsgefühl einer perfekten Fahrmaschine, an die sich theoretisch jeder so weit herantrauen kann, wie er mag. Egal, ob das bösartige Kampfgebrüll, der elektronische LED-Schaltblitz am Volant, das Zittern der Nadel im analogen Drehzahlmesser, der knappe Druck auf die Schaltwippen oder die Spreizung der Fahrmodi, die ausschließlich nach oben geht – im 488 Pista verrinnt alles zum Gesamt­erlebnis von purem Fahren, dem souveränen Tänzeln um den eigenen Schwerpunkt, dem grandiosen Kräftespiel am Limit. Noch nie hat Ferrari bisher so viel Technologie aus der Rennserie in einem Straßenauto erfahrbar gemacht – noch nie war das Ergebnis beeindruckender.

Wie auch der Preis: Die 366.920 Euro sind mindestens ebenso ergreifend, wie das Fahrerlebnis – die autoch­thone österreichische Vergnügungssteuer NoVA schlägt sich hier mit knappen 80 Tausendern zu Buche.




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