Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.07.2018


Test

Seat Leon Cupra R: Kupfert dem Bruder eins ab

Seat haucht dem Leon Cupra fürs „R“ mehr Leistung ein, dekoriert ihn auffallend und limitiert ihn auf 799 Stück. 20 kommen nach Österreich.

© WerkSeat Leon Cupra R: Der auf 799 Stück limitierte Muskel-Katalane geizt nicht mit Leistung, er produziert – wenn handgeschaltet – 310 PS.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Melk – Die Töchter der Volkswagen-Mutter machen sich ganz schön selbstständig. Die spanische hat sich dem – leistbaren – Sport verschrieben, sie macht bekanntlich aus dem Label „Cupra“ eine eigene Marke.

Besonders eindrücklich und erfolgreich haben sich die Cup-Racer-Versionen in der Kompaktklasse etabliert. Den Leon kann man als Fünftürer und als Kombi – ST – im mittlerweile mit 300 PS Leistung einhergehenden Po­wer-Trimm ordern. Aktuell ist die „Carbon Edition“. Noch eins drauf legt die Cupra-R-Version. Die macht mit matt-felsgrauer Lackierung, kontrastiert durch kupferfarbenes Dekor, auf sich aufmerksam. Das unterstreicht erst recht die Sonder-Mitgift wie die Carbon-Zutaten an Spoilern und Spiegeln, Seitenschürzen und Heck-Diffusor sowie die doppelflutigen Auspuff-Endrohre. Das setzt sich im Interieur fort, auch hier herrscht Kohlefaser-Atmosphäre mit metallischen Akzenten, siehe unter anderem die Nähte an den Sitzen und am Lenkrad.

Außer dieser Materialerotik hat der Katalane nebst strammer Fahrwerksauslegung und fünf Fahrmodi (einer individuell justierbar) auch Mehrleistung zu bieten, wenn man den Zweiliter-Vierzylinder-Turbo mit manuellem Getriebe zusammenspannt: eine Zugabe im Ausmaß von nochmals zehn PS. In Kombination mit dem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe bleibt es jedoch bei den auch nicht gerade schwächlichen 300 PS. Die Mehrleistung im Schalter resultiert aus einer Drehzahlanhebung um 300 Touren, der Peak steht zwischen 5800 und 6500 Umdrehungen an. Ein Fest für alle, die hoch drehende Aggregate lieben. Und dem frechen Spucken und Schmatzen und Ploppen des Auspuff-Sounds verfallen sind.

Diese Top-Leistungsstufe stellt den Spanier auf eine Ebene mit dem Top-Typ der Kompaktklasse bei VW, dem Golf R. Trotz gemeinsamer familiärer Basis-Technik ergibt das dennoch zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Während der Spieltrieb des Wolfsburgers strengstens an die Allrad- und Elektronik-Kandare genommen ist, lässt der Katalane einiges an Rotzigkeit und – provozierter – Ruppigkeit zu, selbst wenn auch hier die Stabilisierungssysteme und das elektronisch gesteuerte aktive Sperrdifferenzial stets wachsam sind. Das hat zur Folge, dass sich der Cupra auf eine gewisse Art lebendiger und spielerischer anfühlt als sein Bruder, wie erfahren im Zuge etlicher Runden auf dem Wachauring, im ÖAMTC-Fahrtechnik-Zentrum Melk, Niederösterreich.

Was der Spitzenspanier dem Deutschen auf alle Fälle voraushat, ist nicht, dass er seinem Bruder dekorseitig etwas abkupfert – das ist die limitierte Exklusivität. Nur 799 Exemplare wird es geben. Ganze zwanzig kommen nach Österreich. Zum Preis von je ab 49.690 Euro.

Während der grau-kupferne Cupra R und seine Carbon-Brüder auf dem selektiven Rennkurs angasten, taten das auch die TGI-Versionen des Ibiza und des Leon – Fünftürer und ST – drumherum. Im Rahmen der Erdgas-Initiative hatte Seat die CNG-Palette, ausgenommen den Mii, zum Ausprobieren mitgebracht. Per Jahresende ergänzt der Arona auf Basis des gleichen 1,0-Liter-Dreizylinders wie der Ibiza die Erdgas-Flotte – als Erster mit monovalentem System. Motorische Umrüstung steht beim Leon TGI demnächst an: Der bisherige 1,4-Liter-Turbo wird durch einen 1,5-Liter-Turbo ersetzt. Und künftig sollen alle Seat-CNGs monovalent sein.




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