Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.07.2018


Skoda

So schön kann der graue Alltag sein

So viel Vernunft bei gleichzeitiger Verbindung mit Fahrfreude ist selten: Der Škoda Octavia Combi RS kombiniert beide Welten in vorzüglicher Weise, ohne beim Tarif unverschämt zu werden.

© HöschelerDie individuell-auffällige Stahl-Grau-Lackierung kostet 210,27 Euro extra.



Von Markus Höscheler

Kössen – Vor einigen Jahren noch konnten wir Škoda mit einigen Klischees beschreiben, die nicht allzu weit hergeholt sind: unauffälliges Design, technisch einigermaßen zuverlässig, gutes Raumangebot, eher straff abgestimmt, ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Dass diese Zuschreibungen teilweise zum großen Teil überholt sind, liegt an Designern, Technikern und auch den Controllern. Beim Erscheinungsbild setzt Škoda inzwischen sehr selbstbewusst Akzente, das zeigt insbesondere der kompakte Bestseller Octavia. Der hat mit dem neuen Vieraugengesicht, realisiert im vorigen Jahr mit einem umfassenden Facelift, fast schon eine Revolution angezettelt. Wie sehr sich Škoda hier aus der Deckung traut, belegt nicht zuletzt der neue Dauertestwagen, der der TT für einige Monate zur Verfügung steht. Keine mausgraue Allerweltslackierung prägt den Octavia Combi RS, sondern eine individuell gehaltene Farbe namens Stahl-Grau. Damit hebt sich das 4,69 Meter lange Fahrzeug nicht nur vom Gros der anderen Verkehrsteilnehmer ab, sondern auch vom Sommer-Grün der Tiroler Natur. Das Erscheinungsbild unterstützen vier passende Felgen, in Schwarz gehaltene Außenspiegelgehäuse, eine farblich abgesetzte Dachreling und getönte Seitenscheiben. Der schwarze Kühlergrill und die gleichermaßen dunkel gehaltenen unteren Lufteinlässe tragen zu einem harmonischen Ganzen bei.

Aus einem Guss wirkt zudem die Gestaltung des Innenraums (was sich natürlich im Preisgefüge niederschlägt): Volllederausstattung, dazu wertige Materialien im Bereich des Armaturenbretts und der Türverkleidung. Das Instrumentarium ist schön ausgeführt, die Zahlen der Instrumente sind nach unserem Befinden allerdings etwas zu klein ausgefallen. Diese Zurückhaltung würde es angesichts der Antriebskraft jedenfalls nicht brauchen, immerhin ist es ein 184 PS starker Zweiliter-Turbodiesel, der den Octavia Combi RS in Bewegung versetzt. Das Aggregat kann mit gehobener Laufkultur glänzen, außerdem mit einem ab 1750 Touren anliegenden Drehmomentmaximum von 380 Newtonmetern. Mit dem 1,6-Tonner hat das Triebwerk somit leichtes Spiel – und leicht hat es auch der Fahrer, der dank der Sechsgang-Doppelkupplung nicht selbst schalten muss. Wenn er das dann doch möchte, etwa bei Gebirgsfahrten, kann er dies über Wipptasten am Lenkrad machen – oder er kann die Schaltcharakteristik via Touchscreen ändern, etwa den RS-Modus einstellen oder einige Parameter über den Menüpunkt „Individuell“ ändern. Unterm Strich agieren Lenkung und Fahrwerk direkt beziehungsweise gut abgestimmt. Dem sicheren Vorankommen dienlich ist obendrein die im Hintergrund agierende Allradtechnik, die bei drohendem Schlupf auch die Hinterachse mit ausreichend Drehmoment versorgt. Trotz der üppigen technischen Mitgift hält sich der Konsumbedarf in Grenzen – nach gut 2000 Kilometern liegt der Durchschnittsverbrauch des noch einzufahrenden Motors bei 6,7 Litern je 100 Kilometer.

Das Aggregat ist beileibe nicht das einzig starke Argument für den Octavia Combi RS – das Raumangebot spricht Bände: In beiden Sitzreihen gibt es genügend Platz für fünf Insassen, das Ladeabteil fasst netto 610 Liter (brutto sind es 1740 Liter). Damit offenbart sich der sportliche Grenzgänger zwischen Kompakt- und Mittelklassewagen als idealer Reisebegleiter – zu einem klischeeunverdächtig ambitionierten Tarif: 44.447,20 Euro kostet der Testwagen – inklusive zahlreicher Extras.




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