Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.08.2018


Honda

Raumwunder mit Sportsgeist

Der aktuelle Honda Jazz vereint viele Talente. Beste Raumeffizienz und Variabilität vereinen sich mit freudvoller Fahrdynamik. 130 PS sind nun gut für Eilfuhren aller Art.

© Reinhard FellnerVier Meter Länge treffen beim Jazz auf 1,52 Meter Höhe. Dies sorgt für Platz und Übersicht.Fotos: Fellner



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Der Honda Jazz gehört eigentlich schon zu den Klassikern der Autogeschichte. Bereits seit 1983 ist die dessen Form prägende Grundidee gleich geblieben: maximaler Raum durch Höhe. 2001 erreichte das seither ausschließlich fünftürige Modell mit einem zusätzlichen Fenster hinter der A-Säule seine endgültige Form.

Das aktuelle Modell zeigt erneut, wie sehr Honda mit dieser Konzeption seiner Zeit voraus war und wie viel Ingenieurskunst in den Modellen steckt.

Zum TT-Test angerollt ist der neue Jazz freilich aus einem anderen Grund. Wird der quirlige Viermeter nun doch auch wahlweise von einem 1,5-Liter-Vierzylinder mit strammen 130 PS angetrieben. Gleich vorweg: 130 PS auf 1104 Kilogramm fühlen sich tatsächlich nach exzellentem Leistungsgewicht an. Und im Fall des Jazz eindeutig nach sehr viel Honda. Vertreten die Japaner doch seit jeher die Philosophie, dass Drehzahl gut für den Sportsgeist ist und es im Alltag auch ruhig mal spaßig zugehen kann. Und so tritt der „Dynamic“-Jazz dank 155 Newtonmetern auch ohne Turbolader gut an, zieht aber ab 4000 Touren sportlich sonor davon. In Zahlen: in 8,7 Sekunden stürmt dieser Jazz zur 100-km/h-Marke. Dies alles lässt schnell die Erinnerung an die geliebten CRX-Flitzer hochleben – Spaß auf Abruf sozusagen. Zumal der Übermut mit durchschnittlich 6,8 Litern Super TT-Praxisverbrauch auch nicht allzu teuer bezahlt werden muss. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht: Der 130-PS-„Dynamic“ ist trotz seiner Anbauteile und schwarz lackierter Leichtmetallfelgen kein gnadenloser Sportler.

So ist Fahrwerk sportlich straff, aber angenehm im Alltag. Auch die direkte Lenkung und die knackige Schaltung passen gut zum freudvollen Wesen. Wer es aber ruhig angehen möchte, findet im niedrigen Drehzahlbereich einen laufruhigen und leichtfüßigen Begleiter vor.

Die Kerntugenden des Jazz überstrahlen aber ohnehin jede Modellvariante. So hat Honda Jahrzehnte vorgelebt, was heute gefragt ist. Hoch ist die Sitzposition und glänzend die Übersicht. Für einen Vier-Meter-Wagen geht es innen ungemein luftig und hell zu. Einzig bei der Materialanmutung könnte sich Honda weiter ein Stück Richtung Civic bewegen. Ein bisschen weniger schwarzes Hartplastik dürfte es auch in dieser Klasse schon sein.

Wer den Kofferraum und die hinteren Türen öffnet, wird diese freilich gleich wieder zur Nebensache erklären. Honda spricht wohl zu Recht vom größten Innenraum seiner Klasse. Dazu stellen die hinteren „Magic Seats“ eine Innovation der Marke dar, die es in sich hat. Sie klappen völlig eben in den Fahrzeugboden oder bei Bedarf wie Kinosessel hoch. So variabel ist sonst keiner. Bis 1314 Liter Laderaum stellt der Jazz bereit. Waschmaschinen, Räder – der Jazz steckt einfach alles weg. Praktisch im Fahrgastraum: Ablagen für die Dinge des täglichen Lebens.

So weit alles beim Alten. Neu haben Assistenzsysteme wie Spurhaltewarner, Kollisionswarnsystem oder Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer in den Jazz Einzug gehalten. Im Cockpit dominiert nun ein mittig montierter Sieben-Zoll-Bildschirm, über den sich fast alle Funktionen steuern lassen. Ganz zeitgemäß beinhaltet das Connect-Infotainmentsystem trotz der Kürze und Übersicht des Jazz sogar eine Mehrwinkel-Rückfahrkamera – auf dass künftig jeglicher Parkschaden ausbleibe. So bleibt der kompakte japanische Raumklassiker aktueller denn je.

Erfreulicherweise blieben die Preise im Rahmen. So erklimmt man den Jazz mit 1,3-Liter-Benziner (102 PS) derzeit bereits ab 15.990 Euro (inkl. Power-Bonus) oder 69 Euro monatlich. Die praktisch vollausgestattete Version „Dynamic“ mit 130 PS bilanziert mit 20.490 Euro.

Dem Trend der Zeit folgend, kann der Jazz mit einer weiteren Eigenheit auftrumpfen: Alle Versionen sind auch mit einer Siebenstufen-CVT-Automatik erhältlich. Müheloseres Fahren ist hierbei angesichts der übrigen Eigenschaften kaum mehr vorstellbar. Schon ab 17.290 Euro (inkl. Bonus) ist die 102-PS-Automatikversion erhältlich. Allen Versionen gemein sind drei Jahre Garantie, weitere fünf Jahre garantiert Honda danach noch für die Technik.




Kommentieren