Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.08.2018


Test

Legende am Ende einer langen Reise

Fahrer echter Geländewagen aufgepasst! Nach 36 Jahren steht die vierte Generation des Mitsubishi Pajero am Ende ihrer Laufbahn. 3,5 Tonnen Anhängelast und ernsthafte Allradtechnik könnten manchem fehlen.

© Reinhard FellnerEin Geländewagen wie aus dem Bilderbuch. Über 20 Zentimeter Bodenfreiheit, Trittbretter und eine üppige Geländebereifung befähigen für Gehsteigkante, Stock und Stein.



Von Reinhard Fellner

Lans – Echte Geländewagen sterben aus. SUV aller Art und Pick-ups mit Pkw-ähnlichen Kabinen sorgen dafür, dass die eigentlichen Begründer der Allradspezies samt Leiterrahmen und kombiartigem Aufbau vom Markt verdrängt werden. Nach 36 Jahren, drei Millionen Exemplaren, vier Generationen und zwölf Rallye-Dakar-Siegen sagt nun auch der Mitsubishi Pajero „adieu“. Die seit 2007 produzierte Version hätte in Europa abgas- und sicherheitstechnischer Erneuerung bedurft, die Mitsubishi nicht mehr in den Geländegänger investieren will. Ob die Legende neu aufgelegt wird, ist ungewiss.

Da es am Markt kaum noch Alternativen gibt, könnte sich bald ein „Griss“ um die letzten Neuwagen einstellen. 150 Fahrzeuge sicherte sich der Importeur als „Final Edition“ für Österreich.

Ein gemütlich-rustikales Ambiente vermittelt Geborgenheit.
- Reinhard Fellner

Im TT-Test wurde schnell klar, dass der 4,9-Meter-Riese nichts von seiner Faszination verloren hat. Ganz im Gegenteil: Das Wesen des Wagens mit stabilem Rahmenaufbau, einem Bullen von Dieselmotor und umfassender, manuell bedienbarer Allradtechnik begeistert. Niemand vermisst in so einem Fahrzeug Assistenzsysteme, akustischen Parkpieps (eine Rückfahrkamera ist gottlob vorhanden) oder modernste Multimedia-Funktionen. Ein Dreh am Zündschlüssel (ja, so etwas gibt es noch) genügt. Bebend erwacht der 190-PS-Diesel mit 441 Newtonmetern zum Leben und verstummt niemals. Die enorme Kraft verspürt man schon beim Anfahren. Immerhin darf der Pajero ja 3500 Kilogramm Anhängelast schleppen – so etwas gibt es im Pkw-Bereich nicht mehr allzu oft.

Eine gemütlich agierende Fünfgangautomatik verwaltet die Kräfte nicht allzu sparsam (12,3 Liter). Sie passt gut zur Lenkung, die so indirekt wie die eines Lkw agiert. Unsportlicher geht es samt Seitenneigung in flotten Kurven nicht mehr – auch das hat heutzutage schon wieder seinen Reiz. Eben ein stimmiges Gesamtpaket: Lust auf den Schub des Diesels und auf den knorrigen Charakter des Pajero wechselt mit entschleunigender Gelassenheit, die auch aus der Größe des Wagens mit fast 1,9 Metern Höhe, 205 Millimetern Bodenfreiheit und einer dementsprechend hohen Sitzposition resultiert. So weit auf asphaltierten Wegen.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Diesel

Hubraum: 3200 ccm

Drehmoment: 441 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 140 kW/190 PS

L/B/H: 4900/1875/1890 mm

Gewicht: 2265/3130 kg

Kofferraumvolumen: 215 – 1790 l

Tankinhalt: 88 l

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

0 – 100 km/h: 11,1 Sekunden

Verbrauch: 12,3 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: (Intense 5tg.) 59.990 Euro

CO2-Emission: 245 g/km

Im Gelände gehört der Pajero zu den ganz harten Burschen. Dies trifft nicht auf die Federung zu, die auch gröbste Unebenheiten wegsteckt. Zum mächtigen Aggregat kommt jedoch in der Mittelkonsole ein Hebel, der die Wahl zwischen Heck- sowie Allradantrieb und hierbei mit gesperrtem Mitteldifferential (gleichmäßige Verteilung der Kraft auf alle Räder im rauen Gelände) oder dazu noch mit Geländereduktion (extreme Steigungen, Tiefschnee) erlaubt. Wer sich traut, kann so bis zu 70-prozentige Steigungen bewältigen oder bei 45 Grad Schräglage Hänge meistern. Ein Blick in den Motorraum verrät zudem, warum der Pajero Bachdurchquerungen mit bis zu 70 Zentimetern Wattiefe verträgt: Batterie, Kühler, Turbo, Elektrik – alles ist hoch oben montiert.

So bietet der rustikale Pajero zum Abschluss Geländetechnik, wie sie sonst nur noch im Premium-Segment für 100.000 Euro zu haben ist. Unser Testwagen machte es samt fünf Jahren Garantie mit 59.990 Euro fast für die Hälfte.

Der siebensitzige Fünftürer bietet bis zu 1790 Liter Stauraum.
- Reinhard Fellner