Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Test

SUV-Bestseller mit Spürnase

Europas meistverkauftes SUV fährt nun als einer der ersten Kompakten auch selbstständig. Ob das funktioniert, wird der Nissan Qashqai im TT-Dauertest zeigen.

© Reinhard FellnerDer gefällt ganz Europa: Das Design des schicken Qashqai überzeugt aus jeder Perspektive. Beim Modell N-Drive sitzen in der Front unauffällige Sensoren, die teilautonomes Fahren ermöglichen.



Von Reinhard Fellner

Brixen – Wer wagt, gewinnt. 2007 präsentierte Nissan mit dem Qashqai das erste Kompakt-SUV modernen Zuschnitts und ersetzte mit dem adrett gekleideten Crossover gleich die ganze konventionelle Kompaktmodellreihe. Ein Riesenerfolg war der Lohn. Offenbar haben sich schon vor gut zehn Jahren Hunderttausende einen leistbaren Kompaktwagen mit erhöhter Bodenfreiheit, Geländelook und optionalem Allradantrieb gewünscht. 2014 rollte die zweite Qashqai-Generation auf die Straßen und toppte seither den Erfolg der ersten. So war das in England gefertige SUV 2017 nicht nur das meistproduzierte Fahrzeug Großbritanniens, sondern im ersten Halbjahr 2018 auch das meistverkaufte SUV innerhalb der EU.

Jüngst überarbeitet, schickt Nissan seinen Bestseller nun als „N-Drive“ auch mit Fahrassistenzsystemen auf die Straße, die teilautonomes Fahren ermöglichen. Was bislang Premiumfahrzeugen vorbehalten blieb, trägt der Nissan-Re­nault-Konzern nun also auch in die Kompaktklasse. Präsentiert wurde der „ProPilot“ vor Kurzem im Elektrofahrzeug Leaf. Forschung zum autonomen Fahren betreibt Nissan schon seit Jahren. Kürzlich ließ der Konzern ein Modell der Nobel-Tochter Infiniti autonom durch Tokio steuern. Der Versuch verlief unfallfrei.

Der gediegene Innenraum überzeugt mit Funktionalität.
- Reinhard Fellner

Auch das regulär zum Verkehr zugelassene „ProPilot“-System hat es in sich. Ein Druck auf den blauen Knopf am Multifunktionslenkrad genügt, um insbesondere Autobahn-Etappen wesentlich entspannter und sicherer zu machen. Der Radar-Pilot überwacht den umgebenden Verkehr derart, dass er je den Qashqai bei Bedarf bis zum Stillstand abbremsen kann. Gestatten es die Verhältnisse, beschleunigt der „N-Drive“ auch wieder selbstständig. Dazu kommt ein Spurassistent der letzten Generation. Er überwacht nicht nur die Spurmarkierungen und gibt Signale, sondern lenkt aktiv, um das Auto zwischen den Markierungen zu zentrieren. Komplettiert wird dies alles durch einen adaptiven Geschwindigkeits- und Abstandsassistenten, der per Tempomat­einstellung nicht nur in jeder Situation die Geschwindigkeit hält, sondern je nach vorausfahrenden Fahrzeugen den Qashqai abbremst und auch wieder auf den gewählten Abstand zur eingestellten Geschwindigkeit beschleunigt.

Das alles ist bereits schon in den meisten Fahrzeugen der Oberklasse erlebbar. Aber funktioniert dies in einem Fahrzeug der Kompaktklasse?

Bis 1585 Liter Ladevolumen mitsamt variablem Boden.
- Reinhard Fellner

Um dies herauszufinden, haben wir den Qashqai N-Drive im TT-Dauertest-Fuhrpark geparkt. Über Tausende Kilometer werden wir dem komplexen System auf den Zahn fühlen. Vollständig erlebbar ist es übrigens nur in der Automatikversion, die an den bekannt sparsamen 130-PS-Diesel gekoppelt ist.

Erste Kilometer zeigten natürlich gleich, dass – Radar-Technik hin oder her – ein Qashqai natürlich erst einmal Qashqai bleibt. Dies ist im positiven Sinne zu verstehen. Es hat nämlich seine Gründe, warum gerade dieses Auto zu den europaweiten Bestsellern gehört. So hat Nissan mit dem Qashqai eine ideale Schnittstelle in der Erfüllung von Alltagsbedürfnissen geschaffen, ohne gleich langweilig zu werden. So inkludiert die so praktische erhöhte Bodenfreiheit auch einen bequemeren Einstieg, höheres Sitzen und bessere Rundumsicht. In der gesamten Bedienung dazu wirkt der Nissan ungemein routiniert und leichtgängig. Nichts an diesem Auto strengt an oder erfordert erhöhte Konzentration – herrlich!

Auf den ersten 3000 Testkilometern präsentierte sich die Kombination aus dem knausrigen 130-PS-Diesel (5,9 Liter im Test) und dem an sich stufenlosen Xtronic-Automatikgetriebe übrigens überaus überzeugend. Nervenschonend bewegt sich der Qashqai damit bei geringstem Fahraufwand leichtfüßig und spritzig dahin. Nissan hat es dabei als einer der wenigen Hersteller geschafft, eine wirklich überzeugende stufenlose Automatik auf den Markt zu bringen. Sie schaltet nämlich weich, simuliert aber Fahrstufen. Dies verhindert das berüchtigte Aufheulen mancher Konkurrenten bei Last und erzeugt dadurch eine tadellose Motorbremse beim Bergabfahren.

So macht dieser Qashqai schon auf den ersten Kilometern einen äußerst runden Eindruck. In Luxus-Vollausstattung bilanziert er mit 39.609 Euro. Achten Sie aber auch auf aktuelle „Fairplay“-Angebote der Nissan-Händler.




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