Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Test

Rakete auf zwei Rädern

Wachablöse bei den Italienern: Mit der neuen Panigale V4 hat der Superquadro V2 endgültig ausgedient.

© Letzner



Von Lukas Letzner

Innsbruck – Es gibt wenig, was die Designer und Ingenieure von Ducati momentan falsch machen. Schon im Stand sind die Zweiräder des italienischen Motorradbauers Schönheiten und mit der aktuellen Formensprache trifft man sofort ins Herz eines jeden Rennsport-Fans. Vor allem bei der kürzlich von uns getesteten Supersportlerin – der Ducati Panigale – ist das der Fall. Doch die neue Panigale ist nicht nur schön, sie ist auch die erste Supersportlerin aus Bologna, die ihre unglaublichen 214 PS aus vier anstatt der bisherigen zwei Brennkammern presst. Wir waren also dementsprechend gespannt, als wir die rote Italienerin in Empfang nehmen durften.

Im Stand sieht man der Panigale ihre vier Zylinder nicht wirklich an. Zwar könnte man erwarten, dass sie aufgrund der üppigeren Mitte nicht mehr ganz so schlank um die Hüften ist, da sich Motor und Krümmer aber großteils hinter dem wuchtigen Wasserkühler verbergen, fallen die vier Zylinder gar nicht auf. Selbst als wir das erste Mal den Anlasser betätigten, waren wir uns nicht sicher, ob wir wirklich auf dem richtigen Motorrad sitzen. Beim Klang ist jedenfalls auch kein Unterschied auszumachen. Um dieses Ergebnis zu erreichen, haben die Ingenieure ein wenig in die Trickkiste gegriffen. Die V4 zündet nämlich – wie bei der MotoGP – nicht in durch den Zylinderwinkel von 90 Grad vorgegebenen Abständen, sondern weist einen Hubzapfenversatz von 70 Grad auf. Dadurch erfolgen die ersten 2 Zündungen im 90-Grad-Abstand – und nach weiteren 200 Grad Kurbelwellenumdrehung zünden im gleichen 90-Grad-­Abstand die Zylinder drei und vier. Wohl mit ein Grund, warum Ducati diese Abstimmung „Twin pulse firing order“ getauft hat. Doch genug der Theorie, schließlich wollen wir die Ducati nicht nur hören, sondern auch fahren. Schon auf den ersten Metern fällt der V4 positiv auf. Er läuft nämlich deutlich ruhiger als der Twin. Auch wenn der V4 längst nicht so seidig ans Werk geht wie seine japanischen Kollegen, Geschwindigkeiten um 30 km/h – bei denen der V2 immer zu zicken begann – sind nun auch mit ihm problemlos fahrbar. Doch eigentlich ist die Panigale für das andere Ende des Tachos konzipiert worden, also ab ins kurvigere Geläuf.

Dort legt sich die Duc dann so richtig ins Zeug. Gott sei Dank lässt sich die Elektronik bis ins kleinste Detail anpassen, denn der V4 geht derart vehement ans Werk, dass man ohne sie restlos überfordert wäre. Mit ihr fährt sich die Italienerin aber äußerst problemlos und schnell gewöhnen wir uns an die unglaubliche Power. Dank Schaltautomaten mit Blipper-Funktion steppen wir durch die Gänge, wie es uns beliebt, und zirkeln die V4 gekonnt um jedes Eck. Äußerst willig lässt sie sich in Kurven aller Radien werfen, um im nächsten Moment mit ordentlich Schmackes aus ihr herauszupreschen. Ein echtes Vergnügen! Allerdings hat das auch seinen Preis: 26.395 Euro muss man dem freundlichen Händler für die Panigale V4 überreichen.