Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.12.2018


Test

Ladungshüter statt Ladenhüter

Flott auftreten, rasch abfahren, elegant dahingleiten und dabei den Nutzwert nicht zu kurz kommen zu lassen: Diesen Aufgabenmix erfüllt der Audi A6 Avant professionell.

© HöschelerAudi hat das Bauen schöner Kombis nicht verlernt, wie der neue A6 Avant beweist.



Von Markus Höscheler

Pettneu – Erneut überfiel uns Skepsis, als ein neuer Audi zum Testen zur Verfügung gestellt wurde. Wiederholt machten wir in der jüngeren Vergangenheit die Erfahrung, dass die Kombination eines V6-Turbodiesels mit einer Achtstufenautomatik in einigen Modellen des VW-Konzerns nicht jenes Maß an Präzision aufwies, das wir erwartet hatten. Nun schickte sich der A6 Avant an, um uns diesen Eindruck entweder erneut zu bestätigen oder ihn zu widerlegen.

Die Konzentration auf die Motor-Getriebe-Einheit sollte aber nicht dazu verleiten, die Vielzahl anderer Eigenschaften des Oberklasse-Kombis zu übersehen. Denn der Vier-Ringe-Marke ist Tribut dafür zu zollen, dass es ihr erneut gelungen ist, einen attraktiven Kombi zu kreieren – und das in einer Phase, in der Audi noch heftig für Design-Schwächen kritisiert wurde. Hier allerdings zeigen sich attraktive Front, schnörkellose Seitenansicht und knackiger Heckabschluss aus einem Guss. Auch innen macht Audi das, was die Firma in den vergangenen Jahrzehnten wirklich groß gemacht hat: erstklassige Materialien verwenden und sie tugendhaft zusammenfügen. Das Ensemble aus digitalem Instrumentarium, Multimedia-Display und einem mittig angeordneten Bedien-Touchscreen mag manchen Freund des Analogen ängstigen – der Gesamteindruck aber ist ein vortrefflicher. Recht nützlich erwiesen sich unter anderem die Sprachbedienung und das Head-up-Display, recht komfortabel die mit einem Aufpreis verbundene Anlage aus dem Hause Bang & Olufsen. Problemlos gelingt die Anbindung mit Smartphones, die mit gängigen Betriebssystemen arbeiten. Besonders löblich ist die Darstellungsqualität, die volle Farbenpracht.

Der technische Overkill könnte dazu verleiten, weitere Stärken des Audi A6 Avant auszublenden. Hier sind die Sitze vorne wie hinten zu erwähnen, natürlich in feinem Leder ausgeschlagen. Ihre Ausstaffierung und ihr Seitenhalt bürgen für Langstreckentauglichkeit. Das Raumangebot ist gehoben – aber genau das sollte keine Überraschung darstellen, angesichts einer Länge von 4,94 Metern. Die ist zudem mitverantwortlich dafür, dass das Ladeabteil (565 bis 1680 Liter) großzügig genug ausgefallen ist, um Sperriges mitnehmen zu können.

Bis jetzt konnte der A6 Avant also die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen – bleibt also noch das Motor-Getriebe-Duo. Der 231 PS starke Ölbrenner arbeitet mit hoher Laufkultur, recht gut gedämmt und erfreulicherweise harmonisch mit der Automatik und dem Quattro-Allradsystem zusammen. Diese leistet sich bei der Gangwahl keinerlei Patzer, arbeitet komfortabel und lässt im Sportmodus die Drehzahlen nach oben schnellen. Und der Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern je 100 Kilometer ist nicht dazu angetan, Sorgenfalten zu generieren.

Die könnte es allenfalls beim Finanzierungsexperten geben, sollte dieser zu Rate gezogen werden für die Anschaffung eines 115.000-Euro-Testwagens. Vielleicht reagiert er mit einem kleinen Streichkonzert – den Audi A6 Avant gibt es ja auch schon ab 58.040 Euro, mit Vierzylinder und Frontantrieb.

Das dynamische Outfit hat im Zweifelsfall Vorrang: Das schräg stehende Heckfenster erzeugt Spannung, kostet aber ein paar Liter Laderaum.
- Höscheler



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