Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.12.2018


Test

Fürs Gelände und Gedränge

Der Schnee kam zur rechten Zeit, um den Traktionstalenten der frischen Allradpalette von Fiat Chrysler Automobiles in Tirol auf den Grund gehen zu können.

Schnee bringt sie nicht aus dem Konzept: den neuen Jeep Wrangler und die Quadrifoglio-Version des Alfa Romeo Stelvio.

© HöschelerSchnee bringt sie nicht aus dem Konzept: den neuen Jeep Wrangler und die Quadrifoglio-Version des Alfa Romeo Stelvio.



Von Markus Höscheler

Seefeld – Die Tiroler Bergwelt lockt sie alle an, so wie das Licht die Motten: Autohersteller wollen die Topographie und die Meteorologie dazu nützen, um die Alljahres­tauglichkeit der neuesten Fahrzeuge unter Beweis zu stellen. Schon im November zog es BMW, Mercedes und Land Rover hierher, auch wenn die Passstraßen und Forstwege vor traumhafter Alpin­kulisse kaum Schnee vorweisen konnte. Dieser Tage war es anders, als Fiat Chrysler Automobiles zum Erproben seiner Modelle nach Seefeld und Umgebung einlud. Tiefwinterlich präsentierte sich das Plateau – ideal, um die Allradsysteme des Alf­a Romeo Stelvio Quadrifoglio und des Jeep Wranlger an ihre Grenzen zu bringen.

Legen wir los mit dem Midsize-Sport-Utility-Vehicle von Alfa: Diesel und Benziner konnten wir in Tirol bereits zur Genüge fahren, allesamt jedoch beschränkt auf vier Zylinder. Dass die Italoamerikaner auch einen Sechszylinder offerieren, wussten wir – ihn zu einem regionalen Ausritt zu bewegen, war uns bisher nicht geglückt. In dieser Woche wendete sich das Blatt, ein 510 PS starkes Modell konnte sich zwischen Seefeld, Telfs, Leutasch und Scharnitz ein wenig austoben. Die Leistungsentfaltung des 2,9-Liter-V6-Turbobenziners ist famos, erst recht sein­e stimmungsvolle Schallentwicklung, insbesondere beim Wechseln der Gänge, die die Achtstufenautomatik ab Werk selbst vornimmt. Mit überdimensionalen Schaltpaddles, fix hinter dem Lenkrad installiert, lässt sich die Kraftübertragung allerdings manuell beeinflussen. Den Fluss des Drehmoments auf beide Achsen übernimmt jedoch das Allradsystem selbstständig – und das äußerst gekonnt im rutschigen Kurvengeläuf. Dem sicheren Vorankommen dienlich ist obendrein die superdirekte Lenkung. Rennstreckenadäquat verhält sich der Stelvio nicht nur bei Richtungswechseln, bei denen das SUV erfreulicherweise auf Wankbewegungen zu verzichten weiß, sondern auch und vor allem in der Geraden. Lediglich 3,8 Sekunden sind für den Sprint von null auf 100 km/h erforderlich, bis zu 283 km/h kann er schnell sein. Die einzige nennenswerte Beschränkung beim Stelvio Quadrifoglio liegt im Preis: Der Hochleistungs-Allradler ist bei uns ab 113.500 Euro erhältlich.

PS-mäßig und Euro-mäßig trägt der neue Jeep Wrangler nicht ganz so dick auf, dafür hat er in technischer Hinsicht noch mehr Finessen zu bieten. Muss er auch, denn der Wrangler versteht sich als lupenreiner Geländewagen, nicht als Sport Utility Vehicle. Das bedeutet, dass mit ihm auch Vorder- und Hinterachssperren mit an Bord sind, außerdem eine Geländeuntersetzung (zwei verschiedene stehen ausstattungsabhängig zur Wahl). Sogar der Quer­stabilisator lässt sich per Knopfdruck auskoppeln.

Spritschonend fährt der neue Wrangler mit bloßem Heckantrieb – was sich auf trockenem Asphalt empfiehlt. Ansonsten gibt es mehrere Allradmodi, deren Nutzung von der Geländebeschaffenheit abhängig gemacht werden sollte. Dass dem Wrangler dabei alle möglichen und auch einige denkbar unmöglichen Aufgaben zuzutrauen sind, belegt er bei kurzen Offroad-Demonstrationen außerhalb des Ortsgebietes von Reith.

Dem Wrangler-Interessenten stehen zwei Karosserievarianten (Dreitürer, Fünftürer namens Unlimited), zwei Motoren (Diesel mit 200 PS; Benziner mit 272 PS) und drei Ausstattungsniveaus (Sport, Sahara, Rubicon) zur Wahl. Immer an Bord: eine Achtstufenautomatik. Die Preisliste beginnt mit 57.960,27 Euro.




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