Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.03.2019


Test

Hybrider Luxus à la Lexus

Der LC 500h aus dem Hause Lexus überzeugt durch sein gnadenlos aufregendes Design und viel Luxus im Inneren. Außerdem ist er richtig schnell.

Es gibt Autos, die sind schon fast langweilig, weil sie so perfekt sind. Das kann man vom Lexus LC500h allerdings nicht behaupten.

© Gregor ZollerEs gibt Autos, die sind schon fast langweilig, weil sie so perfekt sind. Das kann man vom Lexus LC500h allerdings nicht behaupten.



Von Lukas Letzner

Gnadenwald – Der Lexus LC 500h ist ein Auto, das vor allem eines wahnsinnig gut kann: aufregen! Das hat er schon in unserem Test vor einem guten halben Jahr unter Beweis gestellt. Dabei muss man noch nicht einmal hinter dem Steuer des japanischen Luxus-Grand-Tourers sitzen, um ins Schwärmen zu kommen. Obwohl es noch nicht allzu lange her ist, dass wir den roten LC500h in unserem Fuhrpark begrüßen durften, klappte uns wieder die Kinnlade nach unten, als wir vor ihm standen. Während man bei den europäischen Autobauern oftmals das Gefühl hat, dass sich die Designer bewusst in Zaum halten, um die Interessenten nicht zu überfordern, sieht man beim LC500h, dass die Designer alles ausgepackt haben, was die Zeichenfedern zuvor am Reißbrett hergaben. Jede Sicke, jede Kurve und jede Linie sehen so aus, als wären sie mit einem Samurai-Schwert aus einem Alublock herausgeschlagen worden. Vor allem der markante Kühlergrill sorgt – in Kombination mit der langen Haube – für den entsprechenden Effekt in den Rückspiegeln der Konkurrenz. Doch dazu später mehr.

Schnell entern wir den Fahrersitz unseres Coupés und ertappen uns dabei, dass wir die Finger nicht in Zaum halten können. Jeder Knopf und jede Oberfläche muss ertastet werden. Die Designsprache des Innenraumes passt perfekt zur Optik des Sportlers, die Kombination aus geraden Linien und geschwungenen Formen ist ungewohnt und anziehend zugleich. Vorne sitzen wir nahezu perfekt, die hintere Reihe hingegen hat reine Alibifunktion. Nicht einmal ein Kleinkind findet dort richtig Platz. Apropos Platz: Bei einem unserer Ausflüge haben wir einen kurzen Skiausflug gewagt. Abgesehen davon, dass die Latten nur im Inneren Platz finden, ist der Kofferraum mit Skischuhen, Rucksack und Jacke schon voll. Viel Gepäck sollte man also nicht mit auf Reisen nehmen.

Apropos Reisen: Genau das ist ja der eigentliche Zweck eines solchen Grand Tourismo und weil der Weg bekanntlich Teil des Ziels ist, beschlossen wir, einen ausgedehnten Ausflug zu unseren südlichen Nachbarn zu unternehmen.

Leider mussten wir aufgrund des üppigen Schneefalls der letzten Wochen auf die höher gelegenen Pässe verzichten, einen wirklichen Abbruch hat das dem Ausflug aber nicht getan. Unser sportlicher Japaner verfügte selbstverständlich über die bekannte Kombination aus Verbrenner und E-Aggregat und so hatten wir auf dem Weg Richtung Brenner Zeit, uns mit dem Mix aus 3,5-Liter-V6 und Elektromotor anzufreunden. Hier kommen wir kurz zu den relevanten Eckdaten: Aus den sechs Töpfen quetscht der Lexus 299 PS, die sich im Team mit 179 Elektro-Pferden auf maximal 359 PS summieren. Das wird mittels stufenlosem CVT-Getriebe mit dem Antriebsstrang verkuppelt. Derart befeuert, schwingt sich der Zweitonner in fünf Sekunden auf Tempo 100. Jetzt kommt auch der zuvor erwähnte Effekt in den Spiegeln zum Tragen. Man muss nicht wirklich schnell sein, damit der Vordermann ausstellt. Die Optik reicht.

Hinter dem Brenner entschließen wir uns dazu, die Kurven der Landstraße ins Visier zu nehmen. Dort überzeugt das Coupé mit seiner Lenkpräzision und reichlich Grip. Auch wenn die Automatik schnell und gerne zurückschaltet, um entsprechend Leistung parat zu haben, der LC500h überfordert seinen Fahrer eigentlich nie und weckt großes Vertrauen. Das Fahrwerk des Japaners ist zwar straff ausgelegt, doch wirklich heftige Stöße verspürt man keine. Das und das tolle Gesamtpaket waren wahrscheinlich der Grund dafür, dass die 358 km wie im Nu verflogen.




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