Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.04.2019


Test

Neues Cabrio: BMW sieht noch Luft nach oben

Der Münchner Autobauer will im Premiumgeschäft weiterhin Mercedes jagen – und blickt dabei auf ertragreiche Nischen, die etwa mit dem 8er-Cabriolet besetzt werden.

Nach dem eleganten Coupé folgt das 8er-Cabriolet.

© WerkNach dem eleganten Coupé folgt das 8er-Cabriolet.



Von Franz Farkas

Faro – Auch das neue Cabrio ist wie der 8er ein Statement. Es wirkt noch etwas breiter und geduckter als die geschlossene Version. Das Stoffverdeck erforderte allerdings eine kleine Stufe im Heck, es fügt sich aber harmonisch ins Gesamtbild. Das Heck wirkt etwas aufgeräumter mit einem dezenten Diffusor und zwei Auspuffrohren. Der Kofferraum schrumpfte auch 350 Liter, mit offenem Verdeck bleiben nur noch deren 280. Allerdings lassen sich die hinteren Sitzlehnen umklappen, sodass man auch durchladen kann. Das Verdeck lässt sich bis 50 km/h öffnen und schließen, ebenso kann ein Windschott ausgefahren werden. Optional gibt es neben den serienmäßig beheizbaren Sitzen auch Nackenwärmer, bei den Temperaturen von um die 20 Grad und starkem Wind auf den Straßen rund um Faro (Portugal) lernten wir dies durchaus zu schätzen.

Wie auch das Coupé erfreut auch das Cabrio vorne mit viel Platz und angenehmen Sitzen, hinten allerdings geht es noch beengter zu, vor allem im Schulterbereich. Die Karosserie wurde wie bei offenen Autos üblich noch etwas mehr verstrebt, um die Steifigkeit zu erhalten. Dies wäre bei der ohnehin schon steifen Struktur gar nicht notwendig gewesen, meinen die Ingenieure, es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Bei einer ersten Probefahrt offenbart sich ein angenehmes Auto, nicht zu hart und nicht zu weich abgestimmt, mit erstaunlich geringen Windgeräuschen auch im offenen Zustand. Vor allem beim Achtzylinder-Benziner mit satten 530 PS kommt sehr schnell ein souveränes Fahrgefühl auf, jedoch kommt man trotzdem nicht unbedingt in Versuchung, das komplette Potenzial auszuschöpfen. Ähnlich, aber nicht so souverän kommt der Sechszylinder-Selbstzünder mit immerhin noch 320 PS rüber. Ausgezeichnet arbeitet das Achtgang-Automatik- Getriebe, die Schaltvorgänge sind kaum bis gar nicht spürbar. Natürlich ist auch das Cabrio mit einer Allradlenkung ausgestattet, die vor allem beim Rangieren hilfreich ist.

Der Innenraum verwöhnt mit Holz und handgenähtem Leder, die digitalen Armaturen kennen wir schon von anderen Modellen. Navigation ist serienmäßig, zwei Displays informieren über notwendige und weniger notwendige Details. Nun gibt es auch Sprachsteuerung: Mit den Worten „Hey BMW“ kann man alle möglichen Dinge wie Klimaanlage und Lüftung, aber auch die ausgezeichnete Soundanlage steuern. Auf den Satz „Hey BMW, ich bin müde“ wird zum Beispiel die Sitzmassage aktiviert, die Soundanlage lauter gestellt und die Temperatur im Innenraum gesenkt.

Natürlich gibt es auch ein wahres Feuerwerk an Assistenzsystemen. So gehören ein Tempomat mit Bremsfunktion, der Driving Assist zum Spurhalten, sicheren Spurwechseln und Notbremsen in der Stadt, der Park-Assistent mit Rückfahr-Assistent (die letzten 50 Meter vorwärts zurückgelegter Strecke werden automatisch rückwärtsgefahren) und die Rückfahrkamera zum Serienumfang. Gegen Aufpreis gibt es eine aktive Geschwindigkeitsregelung (aktiv zwischen 30 und 210 km/h), den im Paket Driving Assistant enthaltenen Spurhalte-Assistenten mit Seiten-Kollisionsschutz, ein Nachtsichtsystem mit Personen- und Tiermarkierung und eine Top-View- sowie 3D-Kamerafunktion.

Die Markteinführung ist praktisch schon erfolgt, die Preise beginnen bei 156.900 Euro für den Benziner und 121.250 Euro für den Diesel, eine M-Variante ist auch schon in der Pipeline.




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