Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Test

Campingpartner mit Flüstermotor

So groß wie ein Crafter und so funktional wie ein California: VW hat aus zwei Ideen eine gemacht und steigt damit in den umkämpften Reisemobilmarkt ein. Eine Testfahrt mit dem hübschen Alleskönner.

Auf den kurvigen Bergstraßen von Gran Canaria liegt der VW Grand California 600 ruhig in der Kurve.

© Andrea WieserAuf den kurvigen Bergstraßen von Gran Canaria liegt der VW Grand California 600 ruhig in der Kurve.



Von Andrea Wieser

Las Palmas – California heißt das Zauberwort. Wer kennt ihn nicht, den Campingbus von VW? Vor inzwischen 31 Jahren wurde der erste als T3 mit Aufstelldach präsentiert. Inzwischen hat sich der Transporter weiterentwickelt und heißt T6. Der Clou an dem flexiblen Bus ist bis heut­e die Multifunktionalität. Er geht als Pkw im Stadtverkehr genauso durch wie als Ferienhaus. Er macht Platz für Surfboards, Kinder – oder beides. Der Wagen versprüht den Spirit von Abenteuer.

Mit dem VW Grand California 600 ist man nun einen maßgeblichen Schritt weiter­gegangen. Mit dem Reisemobil, das auf dem größeren Kastenwagen VW Crafter basiert, ist der Wolfsburger Hersteller auf dem Weg in eine neue Liga, denn der „Grand“ ist nicht nur größer, sondern auch facettenreicher. Be­inhaltet er doch eine Dusch­kabine ebenso wie eine Toilette an Bord. Volkswagen will so in den boomenden Reisemobilmarkt einsteigen. Bisher die Domäne von Ausbauprofis wie Pössl oder Hymer.

Mit einer Minimumhöh­e von 2,97 Metern – wenn die Dachklimaanlage dazukommt, sind es sogar 3,06 Meter – kann sich der VW Grand California nicht mehr mit dem wendigen T6 messen, aber das hat auch klare Vorteile. Über der Fahrerkabin­e findet jetzt ein Mini-Alkoven Platz. Dort untergebracht ist ein Zusatzbett für Kinder oder schlanke Erwachsene. Auch von Vorteil: der aufrechte Stand, der nun im Wohnmobil möglich ist. Das Mehr an Komfort macht sich auch in der Breite bemerkbar. Im hinteren Bereich hat ein Querbett von 193 Zentimeter Länge Platz, gedacht für zwei Erwachsene.

Blaue Töne liefert die Ambientebeleuchtung.
Blaue Töne liefert die Ambientebeleuchtung.
- Andrea Wieser

Ab Sommer laufen die Vorbestellungen für den „Grand“. Er soll in zwei Längen auf den Markt kommen: zum einen in der beschriebenen Version mit sechs Metern, zum anderen in einer 680-Zentimeter-Variante mit dementsprechend Raum. Der Startpreis für die kürzere Version wird bei rund 70.000 Euro liegen.

Bei der Motorisierung kann der VW Grand California punkten. Er ist mit einem 2,0 Liter großen Turbodiesel mit 177 PS ausgestattet. Bei einer Testfahrt auf Gran Canari­a lässt sich die Achtgang-Wandlerautomatik testen. Dabei fällt eines sofort auf: In Sachen Antrieb lässt das Reisemobil keine Wünsche offen. Dass die Automatik serienmäßig eingebaut wird, ist für diese Automobilklasse nicht die Regel, macht aber Sinn. Gelassen lassen sich Hundert­e Kilometer abspulen. Das 3,2 Tonnen schwere Gefährt zieht auf der Landstraße und der Autobahn ebenso leicht davon wie auf den kurvigen Bergstraßen. Der Sportmodus hilft dabei.

Das absolute Plus kann der VW Grand California im nicht ganz unwichtigen Segment „Lautstärke“ einfahren. Der Wagen fährt sich dank guter Dämmung angenehm leise. Man vernimmt selbst bei Geschwindigkeiten über 100 km/h nur ein freundliches Motormurmeln. Das findet man bei Fahrzeugen dieser Größenordnung selten. An digitalen Support hat VW nicht gespart. Ein Spurhalteassistent wurde ebenso verbaut wie ein Abstands­regeltempomat und ein Umfeldbeobachtungssystem mit City-Notbremsfunktion.

Aber aus der Fahrerkabin­e zurück in den Wohnteil. Der bietet aufgrund der integrierten Nasszelle nur wenig Raum, um sich aufzuhalten. Bestechend hingegen, wie auch schon beim klassischen California, sind die Details. Stühle und Tische finden raumsparend in der Tür­innenwand Platz. Die Stauraumfächer sind mehr als ausreichend vorhanden.

Ebenfalls mitgedacht hat man bei der Beleuchtung. Außerhalb des Wagens an der Regenrinne wurde eine Vorfeldbeleuchtung angebracht. Innen besticht das Lichtkonzept mit mehreren LED-Paneelen und Leselampen. Einen Clou hat man sich mit der Ambientebeleuchtung erlaubt. Das Lichtband erstrahlt in unterschiedlichen Farben. Da könnte man fast vergesse­n, dass man in einem Auto schläft.




Kommentieren


Schlagworte