Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.06.2019


Test

Optisch stabil, technisch agil

Der Range Rover Evoque der zweiten Generation übernimmt die Formensprache des Vorgängers, revolutioniert aber den Innenraum.

Nur das Basismodell des Evoque fährt mit einem reinen Vorderradantrieb, das restliche Programm stützt sich auf bewährten Allrad.

© HöschelerNur das Basismodell des Evoque fährt mit einem reinen Vorderradantrieb, das restliche Programm stützt sich auf bewährten Allrad.



Von Markus Höscheler

Spiss – Lassen wir den Preis zunächst einmal beiseite: Land Rover war zu Beginn des Jahrzehnts besonders mutig, als die Markenverantwortlichen sich entschieden haben, den Range Rover Evoque auf den Markt zu bringen. Das Design war ungewöhnlich pikant, auch wenn das Kompakt-SUV den Kanten-Look von Land Rover übernahm. Die schräge Dachlinie betonte mehr die Dynamik als den sonst gewohnten Innenraum-Nutzwert. Genau damit trafen die Briten die Nerven der Kunden, die Begehrlichkeiten nach Drei- und Fünftürern waren schnell geweckt. Annähernd 800.000-mal hat sich die erste Generation global verkauft.

Frisch gestartet ist nun die zweite Generation. Bei genauerem Hinsehen fallen natürlich der veränderte Kühlergrill, die zeitgemäß wirkende LED-Grafik und die automatisch aus- und einfahrenden Türgriffe auf. Geblieben ist aber im Großen und Ganzen die Formgebung, die nichts von ihrer Attraktivität verloren hat. Die Verwendung einer neuen technischen Basis erlaubt es aber, mehr Nutzen im Innenraum anbieten zu können. Die Bewegungsfreiheit wurde größer, so empfanden wir es auch im TT-Test. Auch das Ladeabteil, das bis zu 1,4 Kubikmeter Stauvolumen (mit Flüssigkeit gemessen, nach VDA-Norm sind es rund 200 Liter weniger) anbietet, wirkt alltagstauglicher.

Noch mehr jedoch fällt auf, dass bei der Materialienauswahl und der Zusammenfügung große Sorgfalt geherrscht haben dürfte. Beim Vorgänger war dies nicht immer der Fall. Unser Evoque II allerdings gewann viele Sympathien auf Anhieb, den Rest holte er sich im Fahrbetrieb. Da fielen uns ein ausgewogen abgestimmtes Fahrwerk, ein in jeder Hinsicht überzeugender, 180 PS starker Turbodiesel, eine komfortabel agierende Neunstufenautomatik und ein umfangreiches Geländeprogramm (Terrain Response 2) auf.

Die Silhouette des Vorgängers hat der Evoque-Nachfolger im Großen und Ganzen übernommen.
Die Silhouette des Vorgängers hat der Evoque-Nachfolger im Großen und Ganzen übernommen.
- Höscheler

Nun darf man einem Land Rover normalerweise allerlei zutrauen, wenn es um Aufgaben jenseits asphaltierter Strecken geht – aber gilt das auch für einen Evoque? Aber sicher doch: In Samnaun ließ sich der talentierte Allradler auf nassem Gras mit Gefälle nicht aus der Ruhe bringen. Mit Kameras und überaus wachsamen Sensoren rundum hilft der Evoque beim Bewältigen kniffliger Aufgaben.

Herausforderungen lauern selbstverständlich auch auf der Straße. Hier unterstützt das Modell mit einer Reihe von Fahrerassistenzsystemen, auch mit einem hochwertig anmutenden Head-up-Display. Beachtenswert sind im Weiteren das volldigitale Instrumentarium und das in vielerlei Hinsicht verbesserte Infotainmentsystem mit einem hochauflösenden Touchscreen auf der Mittelkonsole. Klaglos funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Podcasts liefernden Smartphone.

Treu geblieben ist sich Land Rover bei der Preisgestaltung: Der uns zur Verfügung gestellte, überreichlich ausgestattete Testwagen, eine „First Edition“, kostet mehr als 75.000 Euro – ein ambitionierter Preis für ein Kompakt-SUV. Immerhin lässt sich das sehens- und fahrenswerte Stück auch günstiger erwerben, mit Abstrichen beim Equipment, bei der Motorleistung und bei der Alltagstauglichkeit: Das frontgetriebene Einstiegsmodell, versehen mit Sechsgang-Handschalter und 150-PS-Selbstzünder, ist ab 40.800 Euro bezugsfertig. Inkludiert sind dann immerhin LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Felgen, analoge Rundinstrumente, 10-Zoll-Bildschirm, Einparkhilfe und eine Zweizonen-Klimaautomatik.