Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Test

Erneuert passt der Passat erneut

VW renoviert die Mittelklasse: Außen bleiben Limousine, Variant und Alltrack bodenständig, größere Fortschritte erzielt das Trio bei der Fahrerassistenz und beim Komfort.

Den überarbeiteten Alltrack gibt es mit etwas mehr Bodenfreiheit, einem 190 PS starken Diesel und dem Allradantrieb 4Motion.

© Den überarbeiteten Alltrack gibt es mit etwas mehr Bodenfreiheit, einem 190 PS starken Diesel und dem Allradantrieb 4Motion.



Von Markus Höscheler

Geisenheim – Es ist ein Kunststück, wofür Volkswagen gelegentlich belächelt, verdientermaßen aber von der Konkurrenz gefürchtet und von der Kundschaft geschätzt wird: Seit über 45 Jahren fährt die Marke mit einem nicht gerade aufregenden Fahrzeug Aufsehen erregende Resultate ein (über 30 Millionen verkaufte Exemplare). Das Design des Passat lässt sich bestenfalls als dezent bezeichnen – etwas, was schon acht Generationen lang gilt. Geradezu abenteuerlich wäre folgerichtig die Erwartung gewesen, mit dem Facelift der aktuellen, seit Ende 2014 angebotenen Baureihe könnte sich ein radikaler Bruch bei der Formensprache abzeichnen.

Selbstverständlich gibt es Änderungen, aber sie sind geringfügig: Kühlergrill, Front- und Heckschürzen sowie Scheinwerferzeichnung verfügen über adaptierte Konturen, LED-Technik hält allumfassend Einzug. Die größeren Modifikationen finden jedoch im Innenraum statt, wenngleich es sich in den meisten Fällen um Weiterentwicklungen schon vorhandener Technik handelt.

Beginnen wir beim bisher angebotenen Active Info Display, also dem digitalen Cockpit. Die Anzeigen sind neu gestaltet, lassen sich relativ leicht einigermaßen frei konfigurieren. Einen Schritt weiter ging Volkswagen außerdem beim Infotainmentsystem, hier sprechen Konzernvertreter von der dritten Generation des modularen Infotainmentbaukastens (MIB). Er bringt eine noch einfachere Verbindung mit Smartphones mit sich. Geblieben sind grosso modo die Verwendung hochwertiger Materialien und ihre vorbildliche Zusammenfügung, wie sich bei Erprobungsfahrten entlang des Rheins feststellen ließ. Geblieben ist interessanterweise auch das optional erhältliche Head-up-Display mit klarer Darstellung, jedoch nicht gerade klassengerechter Plexiglas-Optik.

Erwähnenswerte Neuerungen finden sich im Bereich der Fahrerassistenzsysteme. Dem Passat baut VW ein kapazitives Lenkrad ein, das Berührungen des Fahrers erkennt, zudem ist die Verwendung des Stauprogramms Travel Assist vorgesehen, also eines teilautonomen Fahrsystems (in Österreich kommt diese Technik erst etwas später zum Einsatz, noch nicht zum Marktstart des facegelifteten Passat im Oktober). Gefeilt haben die Techniker außerdem an einem besonderen Derivat, dem GTE. Dabei handelt es sich um einen Plug-in-Hybriden, der dank eines 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziners und eines Elektromotors 218 PS Systemleistung erzielt. Der Energiegehalt des Lithium-Ionen-Speichers wächst mit der Modellpflege von 9,9 auf 13 Kilowattstunden, was eine rein elektrische Reichweite von bis zu 56 Kilometern (Limousine, beim Variant sind es 55 km) ermöglicht.

Technisch überarbeitet wurden außerdem die konventionellen Verbrennungsmotoren – hierzulande werden zwei Benziner mit 150 und 190 PS sowie vier Diesel mit 120, 150, 190 und 240 PS angeboten, allesamt mit vier Zylindern, Turboladern und die Abgasnorm Euro 6d-TEMP begünstigenden Partikelfiltern bestückt. Für den Offroad-Kombi Alltrack gibt es nur ein Fixpaket: den 190-PS-Diesel – der ist jedoch samt Allradantrieb 4Motion und Siebengang-Doppelkupplung recht stimmig ausgefallen, wie die Fahrprobe in dieser Woche ergab. Nicht mehr ins Programm schafft es der Erdgas-Passat – mangels Kundeninteresse, wie es vom Hersteller heißt.

Neben den Sonderformen GTE und Alltrack gibt es drei Ausstattungsniveaus: Passat, Business und Elegance. Die Preise beginnen bei 32.290 (Limousine) bzw. 34.590 Euro (Variant. Für den üppig ausgerüsteten Alltrack verlangen VW-Händler wenigstens 50.930 Euro, der GTE kostet als Limousine ab 46.020 Euro, als Variant ab 48.050 Euro. Für eine Passat-untypische Aufregung dürfte übrigens die Äußerung sorgen, dass sich VW beim nächsten Passat-Generationswechsel überlegt, die Stufenhecklimousine allgemein aus dem Programm zu nehmen, da sie immer weniger Käufer überzeugt.




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