Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


TT-Autotest

Renault Megane RS: Vollgas im furiosen Franzosen

Zurückhaltung? Fehlanzeige. Der Renault Mégane RS haut mit seinen 280 PS ordentlich auf den Putz. Wie viel Power steckt nun aber wirklich im GTI-Schreck aus Frankreich?

Wahrlich giftig mutet das "Toxic Orange" an, in dem der Renault Mégane RS mit der TT durch Tirol gerollt ist.

© LetznerWahrlich giftig mutet das "Toxic Orange" an, in dem der Renault Mégane RS mit der TT durch Tirol gerollt ist.



Von Gregor Zoller

Pettnau – Die Optik polarisiert. Was die einen mit einem müden Lächeln abtun, zaubert den anderen ein eben solches aufs Gesicht. Nur eben nicht müde. Sondern voll euphorischer Freude über den Spaß, der sich wohl hinter der schicken Fassade verbirgt.

Auf gut Neudeutsch nennt sich die Gattung des Mégane RS „Hot Hatch“ – ein heißer Kompakter also –, und dem wird der Franzose in jedem Fall gerecht: So leistet ein Vierzylinder-Turbobenziner mit 1,8 Litern Hubraum satte 280 PS. Dasselbe Aggregat werkt auch in der neuen Alpine A110, somit wurden dem Mégane echte Rennsportgene mit dem Herz des Klassikers verpasst. Klassisch auch die Böllersalven, die beim Zurückschalten durch das massive Endrohr schallen und dem Fahrer ein ganz spontanes Grinsen ins Gesicht zaubern.

Freilich muss der Mégane nicht auf Teufel komm raus im Grenzbereich bewegt werden. Wer das möchte, dem stehen Sport- und RS-Modus zur Verfügung, bei Letzterem ist der (Renn-)Fahrer dann weitgehend auf sich allein gestellt. Die meisten Fahrhilfen werden hier dann deaktiviert und das Fahrkönnen des Lenkers auf die Probe gestellt. Im Neutral- und Komfortmodus lässt sich das Fahrwerk aber auch dazu erweichen, in einen rückenschonenderen Betrieb mit angenehmer Dämpfung überzugehen. Hier erstaunt Renault damit, wie problemlos der Wechsel zwischen der Präzision und Aggressivität des einen hin zur Gemütlichkeit und Sanftheit des anderen erfolgen kann.

Giftig ist auch das massive Endrohr, das das Revier des RS klar definiert.
Giftig ist auch das massive Endrohr, das das Revier des RS klar definiert.
- Letzner

Ebenfalls erstaunlich: Der Mégane RS kommt mit der Allradlenkung 4control daher, was der Exaktheit und Agilität zugutekommt. In Summe bleibt ein durch und durch positiver Eindruck über die Fahrleistungen zurück.

Das Design, wie eingangs erwähnt, mag zwar nicht jedermanns Sache sein, passt aber naturgemäß exakt zu diesem Typ Auto. Die Front gibt sich kampfeslustig, die C-förmigen Scheinwerfer betonen die Renault-Optik, seitliche Lufteinlässe grenzen aber klar vom sonstigen Revier der Franzosen, den alltagstauglichen Familienkutschen, ab.

Eher brav gibt sich der Innenraum: Zwar verraten Sport-lenkrad mit Alcantara, Sportsitze und einige Designdetails sehr wohl die wahre Identität des „Hot Hatches“, dennoch wirkt gerade die Mittelkonsole in Teilen etwas bieder.

Der Preis für dieses launige Gesamtpaket startet bei 37.590 Euro. Damit liegt der Mégane RS gut im Rennen mit seiner direkten Konkurrenz, vielleicht also eine echte Alternative zum Klassiker Golf GTI?

Die Technik

Motor: 4-Zylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1798 ccm

Drehmoment: 390 Nm bei 3200 U/min

Leistung: 205 kW/280 PS

L/B/H: 4364/1875/1435 mm

Gewicht: 1407/1905 kg

Kofferraumvolumen: 294 l

Tankinhalt: 49,7 l

Höchstgeschwindigkeit: 255 km/h

0–100 km/h: 5,8 Sekunden

Verbrauch: 8,0 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis: ab 37.590 Euro

CO2-Emission: 182 g/km




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