Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.10.2019


Test

Wiedersehen macht Freude

Ducati will weiter auf der Scrambler-Welle surfen und bringt mit der 1100er-Variante endlich das große Retrobike.

Obwohl die Ducati 1100 Scrambler ein komplett eigenständiges Motorrad ist, sieht sie ihren Schwestern verdammt ähnlich.

© LetznerObwohl die Ducati 1100 Scrambler ein komplett eigenständiges Motorrad ist, sieht sie ihren Schwestern verdammt ähnlich.



Von Lukas Letzner

Inzing – Dass man legendä­ren Modellen vergangener Tage wieder neues Leben einhaucht, gehört bei vielen Automobilherstellern schon seit geraumer Zeit zum guten Ton. Bei den Zweiradherstellern hat sich dieser Trend erst vor ein paar Jahren etabliert. Als Ducati seine legendäre Scrambler der 60er- und 70er-Jahre wiederbelebte – das ist übrigens erst drei Jahre her –, ahnte man noch nicht, wie schnell sich der charmante Retro-Bock seine große Fangemeinde erarbeiten würde. Heute ist sie in zahlreichen Varianten, wahlweise mit 400- und 800-Kubik-Motor, erhältlich und führt unangefochten Ducatis Verkaufszahlen an. Eine große Scrambler war also mehr als überfällig. Seit heuer steht diese allerdings bei den Händlern: Mit ihren 1100 Kubik und 86 PS konnte sie im Test beweisen, dass sie das deutlich erwachsenere Motorrad ist.

Auch wenn die 1100er auf den ersten Blick aussieht wie ihre kleineren Schwestern, in Wahrheit ist sie ein komplett neues Motorrad. Sie ist insgesamt einfach größer. Radstand, Sitzhöhe, Tankvolumen – überall wurde etwas nachgelegt. Und auch ihre Technik geht einen Schritt weiter: So verfügt die Große über ein Kurven-ABS, drei unterschiedliche Fahrmodi und eine vierstufig einstellbare Traktionskontrolle, die auch deaktiviert werden kann. Ein Highlight der aufpreispflichtigen Extras ist das Multimedia-System, welches bei Bedarf Inhalte vom Smartphone auf dem Display wiedergeben kann.

Angetrieben wird die große Scrambler vom ebenso legendären 1100er-Desmodue-V2, der früher in der Monster 1100 Evo sein Tagwerk verrichten durfte. Den hat Ducati eigens für die Scrambler entstaubt und wiederbelebt. Nach dem Druck auf den Anlasser meldet sich der 1,1-Liter-V2 lautstark zum Dienst und brabbelt schon im Stand herrlich vor sich hin. Ebenso druckvoll geht er auch ans Werk, doch er überfordert seinen Fahrer niemals. Das maximale Drehmoment von 88 Nm liegt ab 4500 Touren an und fällt bis 6500 Touren auch nicht ab.

Dank des breiten Lenkers lässt sich die Scrambler willig in Kurven aller Radien werfen. Außerdem sind wir überrascht, wie gut es sich auf der 1100er Scrambler aushalten lässt. Während wir uns – wahrscheinlich auch aufgrund der 190 Zentimeter Körpergröße – auf den kleineren Scramblers immer etwas deplatziert gefühlt haben, fühlten wir uns im Sattel der Großen so richtig wohl. Sollte das jemand ausprobieren wollen, das Vergnügen beginnt ab 14.695 Euro.




Kommentieren


Schlagworte