Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Test

Achte Generation des VW Golf: Der Meister ging in die Lehre

Die Golf-Revolution findet statt – vorwiegend unter dem Blechkleid: Die achte Generation setzt auf durchgehende Elektrifizierung, Vernetzung und Digitalisierung.

Hier trägt nur die Lemon-Farbe dick auf, ansonsten pflegt der Golf VIII erneut eine solide Formensprache.

© WerkHier trägt nur die Lemon-Farbe dick auf, ansonsten pflegt der Golf VIII erneut eine solide Formensprache.



Von Markus Höscheler

Innsbruck, Wolfsburg – Seit Jahrzehnten gilt er als der Beste in seiner Klasse, der Golf ist im Kompaktwagensegment seit Produktionsbeginn 1974 ein über die Maßen begehrtes Modell: Das erfolgreichste Auto Europas hat sich immerhin über 35 Millionen Mal verkauft, verteilt auf bisher sieben Generationen. Die Konkurrenz orientierte sich unaufhörlich am ausgewogenen Package aus Fahrkomfort, Materialienmix, Raumangebot und Motorenangebot. In der einen oder anderen Disziplin konnte der Golf zwar „besiegt“ werden, nicht aber in der Gesamtwertung: Die Fachblätter-Testsiege des Golf sind Legion, die Versuche, ihn vom Absatz-Thron zu stoßen, ebenso.

Mit dem Modellwechsel, der sich mit Jahreswechsel ankündigt (wobei der Handel mit einem Marktstart im Frühjahr 2020 rechnet), dürfte die Messlatte wieder einmal angehoben werden. Dabei ist es keine Überraschung, dass die Formensprache der achten Generation nicht mit dem Design der Vorgänger-Modelle bricht. Sicher fallen das neue, zweidimensionale Logo, der schmale Kühlergrill, das veränderte Frontleuchtendesign auf – aber der Nachfolger behält das großteils gepflegte, unaufgeregte Auftreten bei. So überrascht es nicht, dass sich die Dimensionen kaum verändern: Mit einer Länge von 4,28 Metern, einer Breite von 1,79 Metern und einer Höhe von 1,46 Metern bleibt er so kompakt wie möglich, nutzt wie die siebte Generation den hohe Flexibilität ermöglichenden modularen Querbaukasten als technische Basis.

Während die Designer außen wohl von der Anforderung getrieben waren, den Golf Golf sein zu lassen, mussten die Computertechniker, Ingenieure und Innenraumdekorateure den Sprung in ein neues Zeitalter moderieren: Verlangt wurde die zeitgemäß erscheinende Digitalisierung, Vernetzung und Elektrifizierung.

Digitalisierung im Übermaß: Das Instrumentarium verzichtet auf analoge Darstellungen.
Digitalisierung im Übermaß: Das Instrumentarium verzichtet auf analoge Darstellungen.
- Werk

Zwar gab es schon für den Golf VII auf Wunsch ein volldigitales Instrumentarium – im Golf VIII ist diese Einheit aber schon ab Werk mit einem hochauflösenden, individualisierbaren Display im 10,25-Zoll-Format versehen. Daneben findet sich auf der Mittelkonsole ein mindestens 8,25 Zoll großer Touchscreen für das Multimediasystem – auf Wunsch lassen sich die Instrumente und ein zehn Zoll großer Mittelkonsolen-Bildschirm verbinden – dann ist die Rede von einem Innovision Cockpit.

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Überwiegend verzichtet der Golf auf klassische Tasten und Kippschalter, wenngleich immerhin ein Multifunktionslenkrad serienmäßig installiert ist. Aber die Lichtfunktionen werden mit einem Bedienfeld links des Instrumentariums eingestellt.

Zweigeteilte Heckleuchten in LED-Ausführung prägen die Rückansicht des Golf VIII.
Zweigeteilte Heckleuchten in LED-Ausführung prägen die Rückansicht des Golf VIII.
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Apropos Licht: Halogen hat ausgedient, es kommen drei verschiedene LED-Systeme zur Anwendung – die Topversion wird über Matrixscheinwerfer, die bereits im Touareg und im überarbeiteten Passat funktionieren, verfügen, die adaptiv auf Umgebung und Fahrsituation reagieren.

Umfangreich wird der neue Golf, teils ab Werk, teils auf Wunsch, mit einer Fülle von Fahrerassistenzsystemen bestückt sein. Ein Head-up-Display macht sich hier ebenso bemerkbar wie der Travel Assist, der teilautonom ein spurgetreues bis zu einem Tempo von 210 km/h ermöglicht.

Tasten und Schalter verschwinden aus dem Golf und weichen berührungsempfindlichen Bedienfeldern.
Tasten und Schalter verschwinden aus dem Golf und weichen berührungsempfindlichen Bedienfeldern.
- Werk

Einen weiteren Standard setzt Volkswagen mit der Vernetzung: Damit lässt sich der Golf nicht nur mit „Upgrades“ und „Updates“ versorgen, sondern auch eine Kommunikation mit anderen Infrastruktureinrichtungen via Car2X ermöglichen: Erhält das System beispielsweise Meldungen über auffällige Verzögerungen von vorausfahrenden Fahrzeugen, kann der Golf mit reduzierter Geschwindigkeit darauf reagieren. Ein weiterer Pluspunkt: Dank der Anbindung ans Internet können „schlummernde“ Fahrerassistenzsysteme praktisch per Knopfdruck freigeschaltet werden.

Beim Golf, das wissen wir von früheren Generationen, vermeidet Volkswagen nicht nur das Kleckern, sondern frönt dem Klotzen: Die Wolfsburger verkünden im Gefolge des Modellwechsels das zeitversetzte Anbieten eines umfassenden Motoren- und Antriebssystems­- portfolios, das GTI, GTD, R und 4Motion (Allrad) umfasst. Erwartungsgemäß wird der Golf mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren bestückt, die mit drei und vier Zylindern arbeiten und dabei schlussendlich ein Leistungsspektrum abdecken, das von 90 bis 333 PS reichen wird. Mit im „Boot“ sind gleich fünf verschiedene Hybridsysteme, bestehend aus drei Mildhybriden (eTSI, mit 48-Volt-Teilbordnetz) und zwei Plug-in-Hybriden (204 und 245 PS) samt 13-Kilowattstunden-Lithium-Ionen-Akku. Ebenfalls geplant: eine TGI-Erdgasvariante mit 130 PS. An Golf-Auswahlmöglichkeiten gibt es also keinen Mangel.

LED-Technik ist beim neuen Golf Serie – der Käufer hat die Wahl zwischen drei Systemen.
LED-Technik ist beim neuen Golf Serie – der Käufer hat die Wahl zwischen drei Systemen.
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