Letztes Update am Mo, 12.12.2011 11:50

AP / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Rubbeldiekatz“ - Ein Mann steht seine Frau

Matthias Schweighöfer macht in „Rubbeldiekatz“ auch auf High Heels eine gute Figur.



Von Axel Schock/dapd

Berlin - Männer in Frauenklamotten gibt es auf der Leinwand fast so lange wie den Film selbst. Schon Stan Laurel sorgte in einem „Dick & Doof“-Sketch aufgefummelt für Erheiterung. Es bedarf daher schon einer grandiosen neuen Idee oder jeder Menge Mut, um heute einmal mehr die abgehangenen Cross-Dressing-Späße aufzuwärmen - so als habe es „Tootsie“ oder „Mrs. Doubtfire“ nie gegeben.

Detlev Buck war so keck. Nach seinen thematisch engagierten Dramen „Knallhart“ und „Same Same But Different“ sowie dem Kinderfilm „Hände weg von Mississippi“ kehrt der Berliner Filmemacher zur Komödie zurück. Und als habe er auf Nummer sicher gehen wollen, holte er sich Til Schweigers Drehbuchautorin Anika Bach („Keinohrhasen“) ins Boot.

Das Ergebnis haut einen nicht aus den Pumps, sondern ist eine konventionelle, im Detail liebevoll umgesetzte romantische Komödie geworden. Erfreulicherweise überrascht Buck aber doch noch mit einigen Ausflügen aus den erwartbaren Handlungsklischees.

Bemerkenswert vor allem: Matthias Schweighöfer gibt eine wirklich überzeugende Frau ab. Der mäßig erfolgreiche Theaterschauspieler Alexander bekommt durch Zufall die Chance, in einer großen Hollywoodproduktion mitzuspielen. Dummerweise aber hat man ihn durch eine Verwechslung als strammes blondes BDM-Mädchen gecastet.

Unterstützt von seinen Brüdern Jürgen und Basti (Maximilian Brückner und Detlev Buck) sowie seinem besten Freund Jan (Denis Moschitto), stopft sich Alexander den Busen aus und steht in den Babelsberger Filmstudios als Alexandra seine Frau.

Parodie auf das Faible Hollywoods für Nazi-Streifen

Der Zufall will es, dass er zuvor einen One-Night-Stand mit Filmkollegin Sarah Voss (Alexandra Maria Lara) erlebt und sich auch prompt in sie verliebt hat. Dass er sich Sarah während Dreharbeiten nur als verständnisvolle «Freundin» nähern kann, ist so erwartbar wie das emotionale Chaos, das dieses Doppelspiel hervorruft.

Das Überraschende allerdings: Schweighöfer und Buck nehmen Alexanders‘ Liebesleid tatsächlich ernst und lassen so den Zuschauer wirklich mitfühlen. An anderer Stelle gibt Buck hingegen dem Affen Zucker, und zwar reichlich. Milan Peschel etwa spielt einen exzentrischen, hyperschwulen Kostümdesigner wie man ihn seit Sacha Baron Cohens „Brüno“ nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat.

Ganz nebenbei ist „Rubbeldiekatz“ aber auch eine szenenweise satirisch-scharfe Parodie auf das Filmgewerbe und Hollywoods Vorliebe für Nazistreifen. Mittendrin: „Switch“-Star Max Giermann als Hitler-Darsteller, der sich bedauerlicherweise in „Alexandra“ alias Alexander verliebt hat.

Für Buck war „Rubbeldiekatz“ indes nur ein kurzer Abstecher zurück ins altbewährtes Komödienfach. Derzeit verfilmt er Daniel Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“, eine fiktive Doppelbiografie des Naturforschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß. (dapd)

(„Rubbeldiekatz“, Komödie, Deutschland 2011, 108 Minuten, FSK: 6, Detlev Buck, Darsteller: Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara, Maximilian Brückner, Dennis Moschitto, Milan Peschel u. a., Verleih: Universal Pictures International)

Kinostart: 15. Dezember 2011




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