Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Kulturpolitik

1000 Abonnenten verloren: Blaues Auge für das Tiroler Landestheater

Das Tiroler Landestheater verliert 1000 Abonnenten, weil das Land den Theaterbesuch seiner Mitarbeiter nicht mehr kofinanziert.

Erhöhten Gesprächsbedarf mit dem Theaterpublikum hat das Führungsduo Markus Lutz (l.) und Johannes Reitmeier, nachdem die erwartete Kündigungswelle bei den Abos eingetreten ist.

© Thomas Boehm / TTErhöhten Gesprächsbedarf mit dem Theaterpublikum hat das Führungsduo Markus Lutz (l.) und Johannes Reitmeier, nachdem die erwartete Kündigungswelle bei den Abos eingetreten ist.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Schadensbegrenzung ist in der Chefetage des Tiroler Landestheaters angesagt. Denn 1000 Abonnenten haben ihre Dauerkarten gekündigt. Der Stand ist damit von 8200 auf 7200 Abos gesunken. Nicht Unzufriedenheit mit dem Spielplan ist der Grund für den Exodus. Vielmehr ist dieser die Folge einer politischen Entscheidung.

Das Land Tirol hat seinen Bediensteten (Verwaltung, Tirol Kliniken, Landeslehrer) die günstigen Theater-Abos gestrichen. Diese gab es seit den 80er-Jahren. Seither bezahlte das Land den Mitarbeitern (und deren Ehepartnern) bis zu 50 Prozent der Abo-Kosten. In der laufenden Saison sind es noch 30 Prozent. Ab 2019/20 gibt es gar keinen Zuschuss mehr.

Abos kosten nun für alle gleich viel. Landesmitarbeiter müssen im Schnitt um 150 Euro pro Person mehr hinblättern als zuvor. Den Ärger darüber bekommt das Personal im Kassenbereich des Landestheaters zu hören.

Der erhebliche Abgang an fixen Kunden wird die Einnahmen verringern. Markus Lutz, der Kaufmännische Direktor des Theaters, rechnet mit einem Minus von 350.000 Euro bei den Kartenerlösen.

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Und auch die Auslastung wird wohl sinken. 175.000 Besucher waren es zuletzt in einer Saison – 40 Prozent davon Abonnenten. Je nach Art ihres Abos kommen diese bis zu 16-mal pro Saison ins Haus zu Oper, Schauspiel, Konzert oder Tanztheater.

Theaterintendant Johannes Reitmeier ist erstmals mit einem Minus konfrontiert. Dennoch spricht er davon, „dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind“. Etwa ein Drittel der rund 3400 (vormaligen) Billig-Abos des Landes wurde gekündigt; befürchtet wurde ein noch viel stärkerer Schwund.

Reitmeiers Unbehagen ob einer Entwicklung, die über seinen Kopf hinweg herbeigeführt wurde, ist spürbar. „Seit Markus Lutz und ich das Theater führen, konnten wir die Ticketerlöse um 500.000 Euro steigern“, betont der Intendant. Beide müssen sich nun aber den Kopf zerbrechen, wie man dem Auszug von Theaterfreunden Einhalt gebietet. Das ist Knochenarbeit. „Wir werden jeden Kunden, der sein Abo gekündigt hat, kontaktieren und ihm ein Alternativangebot unterbreiten“, kündigt Lutz an.

Auf Sparkurs muss sich Tirols größter Theaterbetrieb vorerst nicht begeben. Lutz: „Wir haben zwei Millionen Euro Rücklagen, daraus sind aber auch Investitionen und Abfertigungen zu bezahlen.“

Reitmeier ist es wichtig, dass inhaltlich die Linie beibehalten wird. „Wir werden weiterhin ein anspruchsvolles Programm anbieten und uns nicht populär anbiedern“, verspricht er. Dies sei mit den politisch Zuständigen und dem Aufsichtsrat vereinbart.

Apropos Politik. Beim Säckelwart des Landes, LH Günther Platter (ÖVP), wird das Führungsduo Reitmeier/Lutz vorerst nicht vorstellig – etwa um das Abo-Minus durch die Bitte um erhöhte Budgetzuschüsse abzufangen. „Wir werden das hausintern schaffen“, ist Reitmeier überzeugt. Seine Devise für die nächste Zeit: „Nur keine Panik.“