Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.01.2018


Hamburg

Glückliche ergattern sogar ein Ticket in der “Elphi“

Die Hamburger Elbphilharmonie lockt in ihrem ersten Jahr Millionen von Besuchern an. Deren Freude ist nicht immer ungetrübt: Die Konzertkarten sind allzu rasch vergriffen. Nun entscheidet das Los.

© Der Große Konzertsaal ermöglicht einen Rundumblick auf Musiker und Künstler.



Von Markus Schramek

Innsbruck, Hamburg – Alle wollen hin. Die Elbphilharmonie, Hamburgs neues Wahrzeichen am Hafen, zieht seit der Eröffnung vor einem Jahr die Massen an. 4,5 Millionen Besucher bestaunten schon die eindrucksvolle Architektur des Schweizer Büros Herzog & de Meuron.

Ein alter Kaispeicher dient dem imposanten Konzerthaus am Zusammenfluss von Alster und Elbe als Sockel. Darauf thront ein Glaskörper in Form eines Schiffes mit geblähten Segeln. 110 Meter ragt der Komplex in die Höhe. 37 Meter über dem Elbwasser befindet sich die Plaza: eine Aussichtsplattform mit 360-Grad-Rundumblick.

Im Gebäudeinneren kommt zum baulichen Glanz der Hörgenuss noch dazu. Klangfarbe und Akustik der Konzertsäle werden als unüberbietbar beschrieben – von jenen, die glücklich genug sind, um ein Ticket zu erhaschen. „Ausverkauft“ ist bei Veranstaltungen an der Elphi (die Koseform von Hamburgs neuem Liebkind), nämlich ein Dauerzustand. Groß ist folglich der Frust bei Musikfreunden, deren Elphi-Besuch sich auf reines Sightseeing beschränkt.

Wie ein Schiff mit geblähten Segeln steht die Elbphilharmonie in Hamburgs Hafen.
- Thies Raetzke

Die Verantwortlichen reagieren. Zwar können sie weiterhin keine Ticketgarantie abgeben, denn unverändert groß ist der Zustrom. „Wir ersparen den Musikfreunden nun aber das Schlangestehen vor den Kassen oder das lange Warten vor dem Computer bei Onlinekäufen“, sagt Elphi-Sprecher Tom Schulz.

Neuerdings ist ein so genanntes Bestellverfahren in Kraft: Die Tickets werden ab Vorverkaufsbeginn bestellt. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, also so gut wie immer, kommt Glücksgöttin Fortuna ins Spiel. „Der Computer entscheidet dann per Zufall, wer die Karten letztendlich erhält“, beschreibt Schulz das Prozedere.

Natürlich sollen auch die Hamburger selbst bei Laune gehalten werden. Denn über ihre Steuern haben sie den Großbau ja finanziert, als dessen Kosten regelrecht explodierten (siehe Kasten). Im Juni ist eine eigene Konzertreihe nur für Hamburger angesetzt, mit besonders niedrigen Eintrittspreisen.

Solche Aktionen mögen dazu beitragen, dass Kritik an diesem sündteuren Jahrhundertbau leise geworden ist. Die Elphi sorgt nun international für Jubelmeldungen. Erfolgsprojekte mag man eben.

Das denken sich auch die Stars aus dem klassischen und dem Unterhaltungsfach. Denn das Elphi-Programm liest sich wie ein Who’s who von Größen aus der Branche.

Die Wiener Philharmoniker bespielten den Großen Konzertsaal bereits, Opernsängerin Cecilia Bartoli begeisterte ihre Fans mit Arien aus Rossinis „La Cenerentola“. Jan Garbarek zog mit Jazzklängen in diese formidable Konzert- arena ein. Selbst dem elek- trisch verstärkten Sound der Kultband Einstürzende Neubauten hielt das neue Ambiente stand. Und wer schon in der Elphi war, kommt gerne wieder: Tenor Jonas Kaufmann und Geigerin Anne-Sophie Mutter sind heuer das zweite Mal zu Gast.

„Dass wir über Jahre ausverkauft sind, stimmt nicht“, beteuert Elphi-Sprecher Tom Schulz. Er empfiehlt, sich über www.elbphilharmonie.de für den Newsletter anzumelden. So ist man über den Vorverkaufsstart auf dem Laufenden. Ja, und dann benötigt man nur noch Glück. Viel Glück.