Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.04.2018


Architektur

Haus voller Energie verblüfft

Ein privates Wohnhaus in Vaduz weckt öffentliches Interesse. Anton Falkeis und Cornelia Falkeis-Senn haben viel Energie in das visionäre Objekt investiert.

© WenzelSechs Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit stecken im visionären „Marxer Activ Energy Building“ in Vaduz. Es trägt die Handschrift der Falkeis Architects.



Von Helmut Wenzel

Kauns, Wien, Vaduz – Ein ungewöhnliches Haus in Liechtenstein hat Bundespräsident Alexander van der Bellen bei seinem Staatsbesuch kürzlich so richtig neugierig gemacht: das heuer fertiggestellte „Active Energy Building“, auch Marxerhaus genannt. Niemand anderer hätte seine Fragen beim Rundgang besser beantworten können, als Anton Falkeis, der das Objekt mit Partnerin Cornelia Falkeis-Senn konzipierte und realisierte.

„Ich bin fast ein Kaunertaler“, bemerkte Falkeis in Anspielung auf die Kindheitsjahre des Bundespräsidenten. Falkeis ist in Kauns aufgewachsen und hat in Prutz die Hauptschule besucht. Der Tischlersohn wusste schon als Bub: „Beruflich möchte ich einmal etwas mit Bauen und Entwerfen zu tun haben.“

Eigentlich ist das mitten in Vaduz gelegene Gebäude „nur“ ein privates Haus mit zwölf Wohnungen. Eine nutzt die Bauherrenfamilie Marxer, elf werden um ca. 25 CHF pro Quadratmeter vermietet. Nicht nur die futuristische Architektur, auch die inneren Werte des visionären Objekts beeindrucken. Unter dem mit mobilen Solarflügeln bestückten Dach findet sich zukunftsweisende Klima- und Energietechnik. Die erneuerbare Energie, die im Haus produziert wird, übersteigt den Eigenbedarf mehrfach: Zehn Einfamilienhäuser könnten versorgt werden.

In der Tiefgarage finden sich 25 Steckplätze für Elektroautos, die mit hausgemachtem Strom aufgeladen und als Zwischenspeicher genutzt werden. Aber noch immer fallen Überkapazitäten an. „Diese verteilen wir im Energie-Cluster, wo Häuser im Umfeld des Marxerhauses angeschlossen sind“, erläutert der Architekt, der Büros in Wien und Vaduz betreibt. Weiterer Netzpartner ist der lokale Energieversorger, der den Strom einspeist. Geothermie wird in Verbindung mit Erdwärmepumpen ebenfalls genutzt. An den Hausfassaden haften Solarlamellen und eigens entwickelte textile Fassadenelemente zur Verschattung. Völlig neu ist die Nutzung von Paraffin bzw. „Phase Change Materials“ (PCM), die ihren Aggregatzustand je nach Umgebungstemperatur ändern und zur Klimaregulierung dienen.

Sechs Jahre Forschung und Entwicklung haben die Falkeis Architects in das hyperinnovative Projekt investiert. Dazu kommen technische Experimente, Materialtests und Simulationen. „Vieles war zeitaufwändig. Andererseits haben wir weltweit neue Patente zur Klimaregulierung anmelden können“, so der Planer.

Die Bankiersfamilie Marxer hatte 2011 einen Planungswettbewerb „für ein nachhaltiges Gebäude mit Schwerpunkt erneuerbare Energie“ ausgeschrieben. Falkeis bringt das vollendete Projekt so auf den Punkt: „Wir haben den Prototyp einer urbanen, dezentralen Energieversorgung realisiert.“

Das internationale Echo ist enorm: Präsentationen standen und stehen u. a. in New York, Los Angeles, Berlin und Wien auf dem Terminkalender der Falkeis Architects. Internet: www.falkeis.com.

Interessierte Besucher beim Rundgang im Marxerhaus: Architekt Anton Falkeis (l.) im Gespräch mit Erbprinz Alois, Bundespräsident Alexander van der Bellen und Doris Schmidauer. (v.l.).
- Wenzel