Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.04.2018


Bezirk Landeck

Prandtauer läutet neue Ära ein

Der große Barockbaumeister aus Stanz weckt Aufmerksamkeit auf Schloss Landeck.

© WenzelDas kürzlich fertig gestellte Modell von Stift Melk, dem bekanntesten Bauwerk von Jakob Prandtauer, stand im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier



Von Helmut Wenzel

Landeck, Stanz – Mit der Eröffnung der Dauerausstellung über Jakob Prandtauer (1660–1726) auf Schloss Landeck dürfte dem Bezirksmuseumsverein ein großer Wurf gelungen sein. Am Freitag konnten Obmann Christian Rudig und sein Team zahlreiche Besucher überzeugen, dass Österreichs großer Barockbaumeister aus Stanz „endlich einen würdigen Platz“ im größten Kulturtempel des Bezirkes bekommen hat. Zwei Zimmer sind dem Leben, Werk und Wirken Prandtauers gewidmet. Vieles spricht dafür, dass mit der Prandtauer-Initiative eine neue Ära nicht nur im Schloss, sondern auch im öffentlichen Kulturbewusstsein der Region und in den Schulen angebrochen ist.

Koordinator des mit öffentlichen Mitteln über das Land­ecker Regionalmanagement regioL geförderten Projekts (Gesamtkosten 48.200 Euro) ist Christoph Wachter, Vorstand im Museumsverein: „Wir haben versucht, das Ausstellungsmotto ,Bleiben oder gehen‘ im Schlossmuseum zu interpretieren und umzusetzen.“ Der junge Prandtauer habe sich nach seiner Maurerlehre in Schnann entschieden, zu gehen – vermutlich in den süddeutschen Raum. „Aber darüber gibt es keinen Beleg“, weiß Prandtauer-Forscherin und Buchautorin Huberta Weigl aus Wien. „Plötzlich taucht er um 1690 in St. Pölten auf, wo er sich als genialer Barockbaumeister einen Namen gemacht hat. Stift Melk ist das berühmteste Prandtauer-Werk. Die Vollendung hat er persönlich nicht mehr erlebt. Darüber hinaus gibt es von ihm zahlreiche sakrale und profane Bauwerke in Ober- und Niederösterreich, zum Beispiel auch Brücken und Kasernen.“ Das schildert Expertin Weigl in der 17-minütigen Film-Doku, die Franz Geiger und Wachter für die Dauerausstellung produziert haben. Den Film gibt es übrigens auch in drei Fremdsprachen.

„Es war höchste Zeit, diese außergewöhnliche Persönlichkeit aus unserer Region ins rechte Licht zu rücken“, stellte Landecks Bürgermeister Wolfgang Jörg fest. Zur Initiative des Museumsvereins könne er nur gratulieren und danken. Sein Stanzer Kollege Martin Auer schloss sich den Dankesworten an.

Öffnungszeiten bis 26. Oktober täglich 10 bis 17 Uhr. www.schlosslandeck.at