Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.06.2018


Architekturtage

Spannende Ausflüge zu Innsbrucks blindem Fleck

Das Areal des Innsbrucker Hauptbahnhofs outet sich bei den Architekturtagen am 8. und 9. Juni als Ort unterschiedlichster Qualitäten.

© autDie denkmalgeschützte Remise am Innsbrucker Hauptbahnhof.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – „Architektur bewegt“ ist das Thema der neunten Architekturtage, die am Freitag und Samstag der kommenden Woche in ganz Österreich stattfinden. Als gemeinsame Initiative der Architektenkammer und Architekturstiftung Österreich in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern in den Bundesländern – in Tirol ist das das aut. architektur und tirol.

Sein Leiter, Arno Ritter, liebt den Blick vom ehemaligen Adambräu, wo das aut eingenistet ist, auf das Bahnhofsgelände vis-à-vis. Weshalb er die gute Idee hatte, im Rahmen der heurigen Architekturtage einmal (s)einen Bubentraum wahrzumachen, indem jener Teil dieses Geländes erforscht wird, zu dem man üblicherweise keinen Zutritt hat.

Um unter dem Motto „Zwischen den Geleisen“ ein vielfältiges Programm zusammenzustellen, das Buben und Mädels jeden Alters gefallen dürfte. In ein riesiges Gelände entführend, das zwar mitten in der Stadt liegt, das aber außer den Menschen, die hier arbeiten, kaum jemand wirklich kennt. Zentrum dieses „blinden Flecks“ ist die um 1900 gebaute Remise, ein Rundbau mit hölzernem Dachstuhl, in dem die Lokomotiven gewartet und repariert werden. Wie die Remise steht auch die 1930 gebaute Drehscheibe, über die die Lokomotiven in den Rundschuppen manövriert werden, unter Denkmalschutz.

Das Erkunden des Bahnhofgeländes während der Architekturtage ist allerdings nur im Rahmen von Führungen möglich. Eine speziell für Kinder von 9 bis 14 Jahren gedachte und von Kindern des bilding geführte findet am Freitag um 15.30 Uhr unter dem Motto „Ich seh’, was du nicht siehst“ statt. Treffpunkt beim bilding, Amraserstraße 5a.

Dass das trockene und heiße Bahnhofsgelände ein Ort ist, an dem sich Pflanzen, die durch den weltweiten Güterverkehr nach Tirol immigriert sind, inzwischen hier heimisch fühlen, erfährt man bei einer Führung am Freitag um 15.30 Uhr. Treffpunkt ist das Sillufer unter der Innsbrucker Olympiabrücke.

Architekt Max Rieder – Co-Autor der Hochhausstudie Innsbruck 2002 – wird am Freitag um 16 Uhr durch das acht Hektor große Bahnhofs­areal führen und die Qualitäten aufzeigen, die dieser Raum in städtebaulicher Hinsicht hat. Die Idee, das Areal zu bebauen, kocht ja in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, ist laut ÖBB derzeit aber nicht relevant. Treffpunkt vor dem Hallenbad Amraserstraße.

Am Freitag um 18.30 Uhr wird die Remise zum Kinosaal. Gezeigt wird der 2016 gedrehte Dokumentarfilm „Citizen Jane: Battle for the City“, der die Geschichte der Aktivistin Jane Jacobs und ihren „Kampf“ gegen den Architekten und Stadtplaner Robert Moses im New York der 1960er-Jahre erzählt. Um 20 Uhr startet das interaktive Live-Film-Remix-Konzert von Timo Novotny in der Remise mit der Premiere des Films „Trains of Thoughts“ von 2012 mit der Musik der Sofa Surfers. Anschließlich sorgen Oliver von Malm und sein Team für das leibliche Wohl.

Wie üblich bei Architekturtagen öffnen am Freitag zwischen 9 und 15 Uhr sowie am Samstag zwischen 11 und 14 Uhr zahlreiche ArchitektInnen ihre Büros.

Infos: www.architekturtage.at. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl sind Anmeldungen zu den Führungen unter office@aut.cc erforderlich.

Am Abend des 8. Juni wird die Remise zum Kino- und Konzertsaal.
- nowotny