Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.04.2019


Heumarkt-Bauprojekt

Etappensieg für Bewahrer der Skyline in Wien

In der Ballettakademie der Wiener Staatsoper sollen Kinder geschlagen und gedemütigt worden sein. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.

Der Turm des (hier visualisierten) Projekts wurde von 73 auf 66 Meter verkleinert. Doch der Streit dauert an.

© ISAY WEINFELD&SEBASTIAN MURRDer Turm des (hier visualisierten) Projekts wurde von 73 auf 66 Meter verkleinert. Doch der Streit dauert an.



Wien – Das Wiener Wochenmagazin Falter erhebt in seiner neuen Ausgabe schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper. Kinder seien hier „Opfer autoritärer, gewalttätiger und gefährlicher Unterrichtsmethoden geworden“, wird eine Lehrerin zitiert. Das Spektrum der Vorhaltungen reicht von Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff.

Die notfallmedizinische Behandlung nach Unfällen sei mangelhaft, psychologische und ernährungswissenschaftliche Beratung für die Kinder entgegen internationaler Standards praktisch nicht vorhanden. Schülerinnen seien hingegen geradezu in die Bulimie oder Anorexie getrieben worden. Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist bereits seit Monaten tätig. „Im Grunde hätten wir diesen Laden sofort zusperren müssen“, wird ein anonymer Beamter der Kinder- und Jugendanwaltschaft zitiert.

Ein Teil der Vorwürfe konzentriert sich auf eine im Jänner gekündigte Lehrerin, die Schülerinnen unter anderem getreten, blutig gekratzt und an den Haaren gerissen haben soll. Gegenüber der Wochenzeitung rechtfertigt sich die Betroffene: „Es tut mir leid, wenn die Mädchen gelitten haben.“ Sie habe versucht, das Beste aus ihren Schülerinnen herauszuholen.

„Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre. Es ist klar, dass sich hier eine Lehrerin sehr schlecht benommen hat“, stellt Staatsoperndirektor Dominique Meyer gegenüber dem Falter klar: „Das wollen wir nicht, und das dulden wir nicht.“

Des Weiteren wirft ein ehemaliger Schüler einem einstigen Lehrer sexuelle Belästigung vor. Nach Vorlage des entsprechenden Protokolls wurde dieser Lehrer unmittelbar dienstfrei gestellt und Untersuchungen eingeleitet. Die Staatsoper hat am Dienstag eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) hat die Bundestheaterholding mit der Einrichtung einer Sonderkommission beauftragt. „Ein Verhalten, wie das in den Vorwürfen angeprangerte, ist vollkommen inakzeptabel“, sagt Blümel. Die Vorwürfe müssten geklärt werden. „Holding-Chef Christian Kircher wird einen umfassenden Bericht inklusive aller getroffenen Maßnahmen, um so etwas auch in Zukunft zu verhindern, vorlegen.“ (APA)