Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.04.2017


Bühne

Wenn Mut, Gerechtigkeit und Liebe Jesus begleiten

Mit der Markus-Passion von Georg Philipp Telemann begann im Haller Salzlager die musikalisch intensive Osterzeit.

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© Arturo Fuentes



Hall – Vier Evangelisten-Texte zur Leidensgeschichte Jesu stehen den Komponisten zur Verfügung, besonders reich genützt in der Barockzeit. Drei davon waren und sind dieser Tage zu erleben: Das Osterfestival begann beeindruckend mit Markus. Am Karfreitag, den 14. April, folgen die Vertonungen von Bach nach Matthäus in Erl (15 Uhr) und von Alessandro Scarlatti nach Johannes, nun wieder beim Osterfestival in der fast mystischen Atmosphäre des Salzlagers (20.15 Uhr).

23 Jahrgänge mit Kirchenkantaten, über 70 weltliche Kantaten, 15 Messen, 35 Oratorien, 46 Passionen (ca. die Hälfte davon erhalten) allein im kontemplativen Bereich, dazu unfassbar viel Weltliches, alles bei häufig geringem Aufwand: Kaum zu glauben, wie da einzelne Werke von Telemann so frisch, einfallsreich und vielseitig inspiriert daherkommen können. Die Markus-Passion, als Eigenproduktion des Osterfestivals präsentiert, zeigt Eigenschaften, die die Menschen durch die Zeiten erreichen. Da ist die Gleichzeitigkeit von Herzlichkeit und Tiefe in der Einfachheit, die für den Gemeindegesang schlichte Harmonisierung der Choräle, die nicht entrückten, sondern herangezoomten Allegorien wie Andacht, Glaube, Klugheit, Treue, Mut, Liebe, Gerechtigkeit, Religion. Sie kommentieren in ihren durchwegs kurzen Arien das Geschehen, mahnen, reflektieren, sprechen den Angesungenen aus der Seele, die sogar als „Chor der Menschen“ auftreten. Gott Vater spricht und Engel duettieren.

Das stilistisch versierte Orchester, Aura Musicale Budapest, brachte unter Bernhard Sieberers Gesamtleitung die Geschichte in Telemanns Fluss der Melodien und illustrierenden Lautmalereien nah an den Hörer. Sieberers Vokalensemble Vocappella war von feiner Qualität, klanglich intensiv und ausgewogen, zurückgenommen in den Chorälen, energisch in den Turbae-Chören. Den Evangelisten sang ungewohnterweise ein Bariton, Marcus Niedermeyer, differenzierend zwischen Erzählung und Arien. Susan Hamilton brachte innig ihren zarten Sopran ein, Nicole Pieper ihren schönen Mezzosopran, Johannes Chum tenorale Charakteristik und Markus Volpert Baritonseriosität. Einprägsam Dominik Wörners Jesus. (u.st.)

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