Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.11.2017


Osttirol

Tagebuch aus der NS-Zeit auf der Bühne

Am 22. November wird in Lienz das Stück „Etty“ über eine holländische Jüdin in der NS-Ära gezeigt. Das Werk handelt von Spiritualität, Lebenssinn, aber auch Erotik.

© Landestheater LinzEtty Hillesum auf einer Portraitaufnahme aus den 1940er-Jahren.



Lienz – Sie war eine junge, hochgebildete Frau: die niederländische Jüdin Ett­y Hillesum. Doch eine wissenschaftliche oder pädagogische Karriere blieb ihr verwehrt: Die Nazis besetzten 1940 die Niederlande, und ihre Rassengesetze erlaubten das nicht. 1940 begann Etty Hillesum in Amsterdam, Tagebuch zu schreiben. Auf 700 Seiten hielt sie ihr Leben fest: Es beschreibt ihre freiwillige Hilfe für ins Transitlager deportierte Juden, ihre Arbeit im dortigen Krankenhaus, aber es geht auch um leidenschaftliche Liebe und Erotik und ein bedingungsloses Ja zum Leben und zur Menschlichkeit. Etty Hillesums Leben endete am 30. November 1943 in den Gaskammern von Auschwitz.

Bettina Buchholz stellt Etty Hillesum in der szenischen Lesung dar, die in Tirol dreimal aufgeführt wird.Fotos: Landestheater Linz
- Landestheater Linz

Regisseur Johannes Neuhauser hat aus Hillesums Tagebuch das Stück „Etty“ entwickelt, das als szenische Lesung mit einem Team des Linzer Landestheater aufgeführt wurde. Eineinhalb Jahre war „Etty“ in Linz durchgehend ausverkauft. Nun ist „Etty“ auf Mitinitiative der Diözese Innsbruck auch in Tirol zu sehen. Den Auftakt bildet die Aufführung in Lienz am Mittwoch, den 22. November, 19.30 Uhr, im Kolpinghaus. Karten gibt es im Pfarramt Heilige Familie, im Bildungshaus Osttirol und im Reisebüro Bundschuh. Die Figur der Etty wird von Bettina Buchholz dargestellt, mit ihr stehen Schauspieler Sven Kaschte und Musiker Günthe­r Gessert auf der Bühne. Thematisiert werden im Stück auch die Verbrechen österreichischer NS-Schergen.

Weitere Aufführungen: am 23. November in der Werkstätte Wattens und am 24. November im Haus der Begegnung in Innsbruck. (TT)




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