Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.04.2018


Bühne

Heimat auf dem performativen Prüfstand



Innsbruck – Heidi ist tot. Gleich wie der Begriff Volkskultur. Oder doch nicht? Diesen Fragen ging der am Sonntag veranstaltete „Performance Brunch“ in der Bäckerei in Innsbruck nach.

In einem neuen Format, entwickelt von Künstlerin Regina Picker, servierte man dem Publikum vier Performances – zum Brunch. Ähnlich einem Stationentheater wurden dabei die unterschiedlichen Räume der Bäckerei mit Kurzstücken bespielt. Die Veranstaltung mit dem Titel „Drah di umi“ vereinte Performances, die allesamt Elemente aus alpinen Bräuchen extrahierten und diese in neuen Kontexten arrangierten oder kritisch hinterfragten. „Einmal hin einmal her“ von Laura Unger etwa erzählte die Geschichte der Großmutter der Künstlerin, die es in den Fünfzigern dank Volkstanzauftritten geschafft hatte, der dörflichen Enge des Waldviertels zu entkommen. In der Performance durchlebte und durchtanzte die Enkelin die Erinnerungen der Großmutter neu und steckte dabei die vielfältigen Funktionen von Volkskultur für sich ab.

In „Fleisch“ stand Regina Picker mit einer Perchtenmaske in der Küche und tastete traditionelle Geschlechterrollen ab. Eva Müller und Ekehardt Rainalter brachten Tradition in Form von originaler Kleidung auf die Bühne und in den Tanz; Katharina Schwärzer näherte sich in „Heidi ist tot“ dem Begriff Heimat. Und zwar über Klischees, die etwa in Zeichentrickserien wie „Heidi“ international weitertradiert werden. Alle Performances machten unmissverständlich klar: So tot ist das Thema Tradition also doch noch nicht. (bunt)