Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.04.2018


Innsbruck

Alles Potenzial verpufft in müder Pointe

Mit „Toutou“ setzt das Innsbrucker Kellertheater einmal mehr auf eine Farce aus Frankreich. Wirklich überzeugen kann die diesmal aber nicht.

© KellertheaterDer Hund ist weg, die Nerven liegen blank: Anne Clausen, Wini Gropper und Stephan Lewetz in "Toutou".



Von Joachim Leitner

Innsbruck – Mit klugen Komödien vornehmlich französischer Provenienz ist das Innsbrucker Kellertheater in den vergangenen Spielzeiten gut gefahren. Ob nun Yasmina Rezas „Kunst“, Sébastian Thiérys „Zwei Männer ganz nackt“ oder die Erfolgsfilm-Adaption „Ziemlich beste Freunde“, zumeist gelang der bitterböse Blick hinter bürgerliche Fassaden, man lachte ob der irrwitzigen Verwicklungen – und fühlte sich irgendwie ertappt: So ganz aus der Luft gegriffen waren die durchchoreografierten Katastrophen nie.

Auch „Toutou“, das aktuelle Kellertheater-Stück, kommt aus Frankreich. Auch diesmal geht es um gut erprobtes Miteinander, das eine kleine Veränderung gehörig ins Wanken bringt. Auch diesmal soll schrittweise Eskalation in säuberlich geordnetem Dekor für Lacher sorgen. Bloß: Daniel Besse und Agnes Tutenuit ist kein wirklich gutes Stück gelungen, sondern eine kaum zwingende Aneinanderreihung von Standardsituationen aus dem Fundus für Beziehungsfarcen. Im Zentrum steht ein Hund – Toutou –, der ausbüxt, sowie dessen Frauchen (Anne Clausen) und Herrchen (Stephan Lewetz), die wegen der neuen Leerstelle in Leben und Wohnzimmer (Ausstattung: Katharina Ganner) aneinandergeraten. Dazu kommt ein Freund (Wini Gropper), der dem nach dem Mund redet, der gerade die Oberhand hat. Mancher Wortwechsel hat es durchaus in sich, wenn etwa ein humanitärer Einsatz als „schöner Urlaub“ erinnert wird, ahnt man satirische Schärfe. Doch schon wenige Worte später verpufft alles Potenzial in müder und bisweilen fragwürdig gesetzter Pointe – auch weil es Manfred Schilds Inszenierung an der für eine gute Komödie wichtigen szenischen Strenge mangelt.