Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 30.05.2018


Bühne

Causa Erl: Kuhn wirft nicht das Handtuch

Der Künstlerische Leiter will seinen Vertrag in Erl erfüllen. Der Geschäftsführer geht.

© Foto TT / Rudy De MoorGustav Kuhn hat nicht im Sinn, sich vorzeitig aus Erl zu verabschieden. Sein Vertrag endet im Herbst 2020. Foto: De Moor



Erl, Innsbruck – Die Causa Erl liefert der Gerüchtebörse reichlich Nahrung. Aus Kreisen im Tiroler Landhaus war kürzlich zu erfahren, dass die Ära des Künstlerischen Leiters Gustav Kuhn schon mit Ablauf des Jahres 2018 zu Ende gehen könnte. Kuhns Vertrag läuft aber offiziell erst im Herbst 2020 aus.

Der unter Beschuss geratene Künstler wirft jedoch nicht vorzeitig das Handtuch. „Herr Kuhn wird die Festspiele definitiv nicht Ende 2018 verlassen“, teilt Erl-Sprecherin Angelika Ruge der TT mit.

Einen wesentlichen Abgang gibt es nach Ruges Worten zum Jahresende aber schon: Festspiel-Geschäftsführer Peter Zednicek verlässt das Haus. „Aus rein privaten Gründen“, wie Ruge betont. Zedniceks Familie wohne in Graz, das Pendeln zwischen Erl und der steirischen Landeshauptstadt sei auf Dauer unzumutbar. Zednicek sei lediglich als Karenzvertretung eingesprungen. Seine Vorgängerin habe aber während der Karenz gekündigt. Eine Daueranstellung wolle der Steirer in Erl nicht übernehmen.

In Erl sind somit zwei Spitzen-Funktionen zu vergeben: Kuhns Nachfolge ab 2020 wurde schon ausgeschrieben. Der Posten des Geschäftsführers wird bald folgen.

Mit der jüngsten Eskalation im Streit über Kuhns Führungsstil hatte sich der 72-jährige Festspielleiter den Zorn von LH Günther Platter (VP) zugezogen. Kuhn hatte mehrere Musiker mit Kraftausdrücken beleidigt und ihr Spiel als „nicht festspieltauglich“ abgetan. Die Vorfälle sollen 15 Jahre zurückliegen. Die Betroffenen hatten sich erst vor wenigen Tagen an die Öffentlichkeit gewandt.

Kuhn entschuldigte sich daraufhin brieflich bei den Kritikern. Seine Sprecherin Ruge verweist allerdings darauf, dass zwei der Musiker damals erst knapp über 20 waren und erst am Beginn ihrer Ausbildung standen. Inzwischen wirken die Kritiker in renommierten Orchestern mit.

Für Verwunderung in Erl sorgen Aussagen von Kulturlandesrätin Beate Palfrader (VP), wonach beim Vorsingen und Vorsprechen in Erl künftig mehrere Personen anwesend sein sollten. „Seit Bestehen der Festspiele Erl hat es nicht ein einziges Vorsingen nur im Beisein von Gustav Kuhn gegeben“, sagt Ruge. Bis zu 20 Personen seien als „Publikum“ beim Vorsingen anwesend. (mark)