Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Bezirk Kufstein

Wenn Theater in den Genen liegt

Seit vier Generationen stehen Mitglieder der Familie Schwarz bei den Schlossbergspielen Rattenberg auf der Bühne. Mit dem „vererbten Hobby“ leben sie die „Faszination Schlossberg“ und teilen intime Momente.

© GrießenböckBenjamin, Mama Sieglinde und Papa Alex, Astrid, Simon, Lukas und Michael Schwarz wirken heuer bei "Der Glöckner von Notre Dame" mit.



Von Jasmine Hrdina

Rattenberg – Rituale und Traditionen gibt es in jeder Familie, doch selten teilen so viele Mitglieder ein gemeinsames Hobby wie im Hause Schwarz in Rattenberg. Vier Generationen haben hier bereits ihre Leidenschaft für das Theater bei den Schlossbergspielen ausgelebt. „Wir sind quasi am Schlossberg aufgewachsen“, erinnert sich Lukas Schwarz, der am liebsten im Fundus des Amateurtheaters auf Schatzsuche ging. „Schwerter und Hellebarden, Helme und Schilde – welches Kind kann da schon widerstehen?“, sagt der 22-Jährige.

Alex gibt den Quasimodo und Astrid die Esmeralda.
- Grießenböck

„Es ist eine eigene Welt da oben“, schwärmt Papa Alexander, der selbst von Kindesbeinen an auf der Bühne stand und damit in die Fußstapfen seines Großvaters Volkmar Wieser trat. Wieser war seinerzeit Stadtarzt von Rattenberg und um 1949 Teil jener Bürgerrunde, die die Schlossbergspiele ins Leben rief. Als Souffleuse stieg seine Tochter Heide-Marie wenig später ins Theaterbusiness ein und ist noch heute mit ihren 76 Jahren fixer Bestandteil der Freilichtproduktionen. Wenngleich sie es diesen Sommer an der Kassa „ruhiger angehen lässt“, wie sie erklärt. Mit der heutigen Obfrau des Vereins – Claudia Lugger – folgte auch die zweite Tochter Wiesers dem Vorbild ihres Vaters.

Oma Heide-Marie ist seit 1954 Teil der Schlossbergspiele, die ihr Vater Volkmar 1949 mitbegründete.
- Grießenböck

Wirft man heute einen Blick ins Programmheft, liest man zwar statt Wieser „Schwarz“, dafür aber gleich acht mal.Das oft zitierte „Theaterfieber“ hat sich offenbar zum „Theatergen“ entwickelt. Bei Felix Mitterers Fassung von „Der Glöckner von Notre Dame“ schlüpfen Papa Alexander (50) und Tochter Astrid (24) in die Rollen des Quasimodo und der Esmeralda. Auch Mama Sieglinde (53) und die Söhne Lukas (22), Michael (14) und Simon (11) mischen sich auf der Bühne unter das Volk, während sich der älteste Sohn Benjamin (31) seit einigen Jahren lieber mit Hammer und Säge beim Bühnenbau austobt oder mit Feingefühl an den sensiblen Reglern des Ton-Mischpults dreht. „Ich halte mich lieber im Hintergrund auf“, gibt der junge Mann, der mittlerweile selbst schon Vater ist, zu.

2016 glänzten die Jüngeren in "Peter Pan".
- Grießenböck

Ein solch zeitaufwändiges Hobby neben Beruf und eigener Familie unterzubringen, sei nicht immer leicht, gesteht der 31-Jährige. Ein halbes Jahr lang wird hier etwa dreimal pro Woche geprobt. Daneben gilt es, den familieneigenen Glaserei-Betrieb aufrechtzuerhalten. Freizeit gewährt dieser ohnehin schon wenig. „Der Schlossberg nimmt mir meinen Mann weg“, war Mama Sieglinde anfangs wenig begeistert von der Freizeitbeschäftigung ihres Angetrauten. Heute steht die fünffache Mutter selber auf der Bühne. „Dass sich die Kinder wegen ihrer Vorfahren dem Theater gegenüber verpflichtet fühlen, das will ich aber nicht“, bleibt die fünffache Mutter kritisch. Untrennbar sind die Worte „Schlossberg“ und „Familie“ dennoch für Tochter Astrid, „aber nicht nur, weil meine Verwandten dabei sind. Im Ensemble verstehen wir uns so gut, das fühlt sich wie Familie an“, sagt die 24-jährige Rattenbergerin.

Eine gewisse Intimität hält also auch den rund 700 Augenpaaren im Publikum, den von Nervosität verursachten Launen der Schauspieler und dem hektischen Treiben hinter den Kulissen stand. Und dann gibt es noch die ganz besonderen Momente: „Wenn das Stück gespielt ist, alle Leute weg sind und der Sonnenaufgang naht – das mag ich besonders“, verrät Lukas. „Dann sind auch meistens nur noch wir oben.“

Aufführungstermine

Die Schlossbergspiele Rattenberg zeigen: „Der Glöckner von Notre Dame“. Uraufführung von Felix Mitterer, frei nach dem Roman von Victor Hugo, Regie: Pepi Pittl.Premiere am Freitag, 26. Juni, 21 Uhr. 21 Spieltermine im Juli und August. Infos und Tickets unter 05337/64002 oder 64003 bzw.unter www.schlossbergspiele-rattenberg.at