Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Exklusiv

Verträgt das vordere Zillertal drei Kulturfestivals?

© Christoph Crepaz (l.) plant ein neues Festival in Fügen. Steudltenn-Leiterin Bernadette Abendstein (rechts mit Regisseur Hakon Hirzenberger) ist skeptisch: „Bestehendes darf nicht kaputtgemacht werden.“Fotos: Murauer, De Moor



Von Markus Schramek

Stumm, Uderns, Fügen – Theaterfans fühlen sich wie im Schlaraffenland. Für die Veranstalter stellt sich hingegen die Frage der Wirtschaftlichkeit. Das vordere Zillertal mausert sich immer mehr zu einem Hotspot des sommerlichen Kulturtreibens in Tirol. Das Steudltenn-Theaterfestival in Uderns läuft noch bis Anfang Juli. Fünf Kilometer taleinwärts startete das Festival „Stummer Schrei“ gestern Abend in die Saison. Gespielt wird in Uderns und in Stumm in einem ehemaligen Stadl.

Diese Koexistenz zweier Veranstaltungsreihen in nächster Nähe besteht schon seit einigen Jahren. Doch ab 2022 soll in Fügen, einem weiteren Nachbarort, ein neues ehrgeiziges Projekt seine Premiere erleben: ein Musikfestival mit Tanz und Musicals, eine Art „Zillertaler Festspiele“. Die ehemalige berüchtigte Erziehungsanstalt „Bubenburg“, heute als „Schloss Fügen“ viel freundlicher im namentlichen Klang, wurde zur Spielstätte auserkoren. Und der Schlosspark ist als Freilichtbühne vorgesehen.

Mastermind von „Stummer Schrei“ und den Fügener Festspielen der nahen Zukunft ist der gebürtige Haller Christoph Crepaz. Er ist erblich vorbelastet: Seine gesamte Familie, von den Eltern bis zu den Geschwistern, ist im Kulturbetrieb tätig, unter anderem als Veranstalter des Osterfestivals Tirol.

Der 45-jährige Crepaz verbringt die meiste Zeit des Jahres der Liebe wegen im schottischen Edinburgh. Er ist sich im Klaren darüber, dass der Platz für Kulturangebote im vorderen Zillertal allmählich knapp wird. Crepaz schwebt daher ein konzertiertes Vorgehen mit dem Steudltenn-Team in Uderns vor: Termine, Spielplan und Marketing der Festivals sollen aufeinander abgestimmt werden.

Bis es so weit ist, wird aber noch viel Wasser den Ziller hinunterfließen. Denn in Uderns ist von einer Kooperation mit Crepaz noch wenig bekannt. Steudltenn-Chefin Bernadette Abendstein ist zwar gesprächsbereit. Terminlich sieht sie aber wenig Spielraum. „Wir starten zu Ostern, damit auch Kinder aufgrund der Ferien auf der Bühne mitwirken können.“

Platz für Fügen im Veranstaltungskalender sieht Abendstein am ehesten noch im August. „Ein neues Festival in Fügen darf die bestehenden Veranstaltungen aber nicht kaputtmachen“, stellt sie klar. Das klingt noch nicht nach reiner Harmonie.