Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Bezirk Kufstein

Eine Freundschaft im Rampenlicht

Herbert Oberhofer und Georg Anker teilen sich seit 30 Jahren die „Bretter, die die Welt bedeuten“. Heuer stehen die Kufsteiner in „Anatevka“ beim Operettensommer gemeinsam mit Musical-Größen auf der Bühne.

© HrdinaHerbert Oberhofer (l.) und Georg Anker teilen sich heuer beim Operettensommer die Bühne.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Neckische Bemerkungen, kleine Tadeleien und viele Insider-Witze – dass sich Herbert Oberhofer und Georg Anker nicht nur schon länger, sondern auch ziemlich gut kennen, wird schnell klar, sitzt man den beiden gegenüber. Seit 30 Jahren stehen die zwei Kufsteiner gemeinsam auf verschiedenen Bühnen – mal singend, mal spielend. Heuer teilen sich die zwei Amateurdarsteller das Rampenlicht beim Operettensommer auf der Festung mit stimmgewaltigen Größen wie Gerald Picho­wetz oder Monika Baumgartner. Mit Jerry Bocks weltweit erfolgreichem Musical „Anatevka“ (auch bekannt als „Der Fiedler auf dem Dach“) wird heuer die Geschichte der Einwohner eines jüdischen Dorfes in Polen erzählt, denen im Jahr 1905 ein Po­grom und die Vertreibung durch die Russen droht.

„Eine reizvolle Herausforderung, in so einer tollen Location vor 2500 Leuten auf der Bühne zu stehen“, freut sich Oberhofer schon auf die Premiere am 3. August. Im Musical schlüpft der Veranstaltungsmanager in die kleine, aber feine Sprechrolle des Rabbis. „Ein seriöser Mann mit einem leicht jüdischen Humor“, beschreibt der 47-Jährige seine Figur mit einem Augenzwinkern. Weniger Sympathien im Publikum dürfte Anker als Wachtmeister wecken. „Jener regierungstreue Mann, der die Juden aus Anatevka vertreiben soll, regierungstreu, aber freundlich“, verrät der 55-Jährige. „Ich war total überrascht, dass mich Regisseur Diethmar Straßer persönlich angerufen und gefragt hat, ob ich die Rolle übernehmen kann“, so der Chemietechniker, der bereits 2016 in „The Sound of Music“ eine kleine Sprechrolle ergatterte. Oberhofer hingegen bereichert den Operettensommer schon von Anbeginn in verschiedenen Funktionen, zuletzt auch als Stimme im Tiroler Chor.

Im "Käfig voller Narren" sind die beiden ein buntes Paar.
- Größwang

Wie man seine Stimme gekonnt einsetzt, ist den Kufsteinern nicht neu: Gemeinsam mit Josef Hacklinger versetzen sie ihre Zuhörer als „Die Herren Wunderlich“ mit ihrer Musik-Comedy regelmäßig zurück in die „wilden 20er-Jahre“. Zuletzt bezirzten sie das Publikum des Stadttheaters Kufstein singenderweise im „Käfig voller Narren“. Die beiden Freunde mimten darin überzeugend das bunte Ehepaar, bestehend aus dem alternden Travestie-Star „Zaza“ und dem Clubbesitzer George. Bevor sie sich zur Wiederaufnahme des Stücks im Oktober neuerlich auf Glitzerfummel und Puderdöschen stürzen, geht es für die beiden erst einmal zu den Operetten-Proben auf die Festung.

„Weil wir das ganze Jahr über miteinander spielen oder singen, sind wir gut synchronisiert. Das ist natürlich auch für das Schauspielen hilfreich“, hebt Oberhofer den Vorteil des gemeinsamen, zeitintensiven Hobbys hervor. Vom Amateurverein auf die Profi-Bühne – das sei freilich schon eine Umstellung: „Der Tonfall ist sicher manchmal schärfer. Aber das muss auch so sein, es gilt, einen strikten Probenplan einzuhalten“, meint Anker. „Das ist uns auch bewusst, dass es nichts Persönliches ist“, ergänzt Oberhofer, der sich schon darauf freut, wie in den vergangenen Jahren „viele neue Bekanntschaften und Freundschaften zu knüpfen“. Was dürfen die Zuschauer erwarten? „Es wird Tiefgang haben“, verspricht Anker und lässt auf einen außergewöhnlichen Operettensommer hoffen. Sein Kollege meint mit einem geheimnisvollen Grinsen: „Auch Tradition lebt durch Veränderung.“

Infos und Tickets unter www.operettensommer.com.