Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.07.2018


Bühne

“Lohengrin“ in Bayreuth: Die Ratten sind Geschichte

Auf Bayreuths Grünem Hügel wird derzeit eine „Lohengrin“-Neuinszenierung vorbereitet. Premiere ist am 25. Juli.

© BAYREUTHER FESTSPIELEHans Neuenfels an Ratten reicher „Lohegrin“ (2010 bis 2015) entwickelt sich nach anfänglicher Kritik zum Bayreuther Publikumsliebling.



Bayreuth – Es ging schnell. Die Aufregung über die Absage von Roberto Alagna, der in der Bayreuther Neuproduktion der Richard-Wagner-Oper „Lohengrin“ die Titelpartie hätte singen sollen, hatte sich noch nicht richtig gelegt, da präsentierte die Festspielleitung bereits einen Ersatz. Und der ist eigentlich gar kein Ersatz: Piotr Beczala gilt vielen sowieso als der passendere Schwanenritter. Er debütierte in der Rolle 2016 an der Seite von Anna Netrebko an der Dresdner Semperoper.

Alagna machte sich vornehmlich im italienischen und französischen Fach einen Namen. Sein Eingeständnis, dass er Probleme bei der Einstudierung der Partie hatte, brachte dem 55-jährigen Hohn und Spott ein. Das hätte ihm wohl tatsächlich einige Wochen früher auffallen können.

Inzwischen jedenfalls brummt der Probenbetrieb am berühmten Grünen Hügel: Die diesjährigen Wagner-Festspiele beginnen am 25. Juli. Und für den Bayreuther Musikdirektor Christian Thielemann schließt sich dann mit dem „Lohengrin“ ein Kreis: Es ist die einzige der elf am Grünen Hügel gespielten Wagner-Opern, die er dort bislang noch nicht dirigiert hat.

Inszeniert wird die Neuproduktion von Yuval Sharon, einem US-amerikanischen Regisseur mit israelischen Wurzeln. Die Aufarbeitung sowohl der antisemitischen Gesinnung Wagners als auch der Vergangenheit der Festspiele in der Nazizeit ist immer noch brandaktuell, wie nicht zuletzt im Vorjahr die Premiere der „Meistersinger von Nürnberg“ in der Regie von Barrie Kosky zeigte. Kosky nutzte seine Operndeutung als Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Sharon tritt bei „Lohengrin“ in große Fußstapfen: Die vorherige Inszenierung von Hans Neuenfels in antiseptischer Klinikatmosphäre und mit einem als Laborratten kostümierten Chor hatte nach anfänglicher Skepsis Kultstatus beim Publikum erreicht.

Optisch freilich darf man auch beim neuen „Lohengrin“ Unerwartetes erwarten: Für Bühnenbild und Kostüme wurde das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy engagiert.

Und Waltraud Meier (62) kehrt nach gut zwei Jahrzehnten auf den Grünen Hügel zurück – als Ortrud. Der einstige Bayreuth-Star hatte nach einem Streit mit dem früheren Hügel-Herrn Wolfgang Wagner mit den Festspielen gebrochen. Prominente Namen haben sich auch abseits des „Lohengrin“ angekündigt: Placido Domingo etwa wird erstmals in Bayreuth dirigieren. Für ihn kehrt dreimal die „Walküre“ in der Regie von Frank Castorf auf den Spielplan zurück, unter anderem zum Abschluss der Festspiele am 29. August.

Und sonst? Koskys „Meistersinger“ werden genauso wieder aufgenommen wie der „Parsifal“ in der Regie von Uwe Eric Laufenberg und „Tristan und Isolde“ in der Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner. Außerdem kehrt – nach mehrjähriger Pause – Jan Philipp Goglers „Der fliegende Holländer“ auf den Spielplan zurück.

Die Gästeschar auf dem roten Teppich am 25. Juli ist dabei verlässlich gefüllt mit allerlei Politprominenz, angeführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Royale Gäste wie im Vorjahr das schwedische Königspaar haben sich heuer keine angekündigt. Bereits vor dem „Lohengrin“ kommt am 24. Juli mit „der verschwundene hochzeiter“ die neue Oper des österreichischen Komponisten Klaus Lang im Bayreuther „Reichshof“ zur Uraufführung. Das Auftragswerk ist Teil eines thematischen Schwerpunkts der Festspiele, der sich heuer „Verboten (in) der Kunst“ widmet. Begleitet wird „der verschwundene hochzeiter“ von einem Symposium im legendenumrankten Wagner-Ansitz Wahnfried am Bayreuther Hofgarten. (TT, dpa, APA)




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