Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.08.2018


Bühne

Am Ende tanzen die Insekten

Fühler, Beinchen, Bienenpelz: Impulstanz-Finale mit den Wunder-Tierchen von Cecilia Bengola und Florentina Holzinger.

© Ali TollerveyFressen und gefressen werden: Tanz der Insekten auf der Suche nach der vertrackten Beziehung von Mensch und Natur.



Von Bernadette Lietzow

Wien – Nach über vier intensiven und nicht nur aufgrund der Außentemperaturen schweißtreibenden Wochen ging gestern das diesjährige Impulstanz-Festival zu Ende – mit einer von den Veranstaltern voller Stolz kolportierten Auslastung von 97 Prozent. Die Schlussrunde bestritten mit der österreichischen Erstaufführung von „Insect Train“ am vergangenen Freitag die französisch-argentinische Künstlerin Cecilia Bengolea und die mit ihren radikalen Produktionen für großes Aufsehen sorgende österreichische Choreografin Florentina Holzinger.

Sie verwandeln das ehrwürdige Odeon in ein bizarres Insektarium: An langen Seilen hängt ein pelziges Geschöpf, umkreist von einem rot-schwarzen Ameisenwesen, später bevölkern eine riesenhafte Schmetterlingspuppe und eine Raupe Nimmersatt die Szene, kämpft ein in grünem Schleim gefangenes Flügeltier ums Überleben. „Wir haben unsere Körper von allen Erinnerungen befreit, um Platz für die Insektenvendetta zu schaffen“, lautet die Grundannahme der Performance, der anarchischen Natur nähern sich die Choreografinnen in ihrem Stück für vier Tänzerinnen ironisch: Spitzentanz und grotesker Pas de Deux zitieren das klassische Ballett, während der Sommerhit des Jahres 2017, Luis Fonsis „Despacito“ in seltsam verzerrter Form erklingt.

Auch aufgrund der phantastischen Kostüme zieht einen das Gebotene anfänglich in den Bann, meint man, im Schwirren und Tänzeln, in zugeneigter wie bedrohlicher Annäherung der Insekten den Gedanken der Choreografinnen über Grenzen des Körpers und entgrenzte Natur folgen zu können. Trotzdem verliert sich der einstündige Abend zunehmend in etwas ratlose Beliebigkeit, beendet vom kurzen Applaus der erschöpften Zuseher.

Dieses nicht restlos gelungene Finale kann jedoch den neuerlichen Erfolg eines der international renommiertesten Tanzfestivals nicht schmälern: Die kluge Programmierung, etablierte Stars der Tanzszene wie Marie Chouinard, Meg Stuart oder Jan Fabre als auch Newcomer im Rahmen der [8:tension] Young Choreographers’ Series mit ihren Arbeiten zu präsentieren, verschränkt mit einem intensiven Workshop-Angebot, vereinte auch heuer wieder neugierige Tanz-Afficionados aus aller Welt in Wien.




Kommentieren


Schlagworte